Handball

Füchse sind auf der Suche nach sich selbst

Gegen Lemgo soll Neustart nach Liga-Pause gelingen

- Immer wieder hat Dagur Sigurdsson sich in den vergangenen Tagen seinen Laptop geschnappt und mit seinem Arbeitsgerät in die Küche verkrümelt. Dazu eine Tasse Kaffee, oder auch zwei. Stark und Schwarz. Und was der Isländer da auf dem Bildschirm sah, stimmte ihn alles andere als froh. Viele Stunden verbringt der Trainer der Füchse jeden Tag damit, das Spiel seiner Mannschaft zu analysieren, und Material dafür hatte er nach den beiden Pleiten im DHB-Pokal (28:32 in Lübbecke) und der Handball-Bundesliga (18:29 in Flensburg) reichlich. "Wir wissen, dass wir besser spielen können", stellt Sigurdsson nüchtern fest. Und weiter: "Wir haben noch nicht die Konstanz wie im letzten Jahr und haben unseren Rhythmus noch nicht gefunden."

Mit Akribie und Sorgfalt hat der Coach der Berliner also die beiden schmerzhaften Niederlagen vor der zweiwöchigen Länderspielpause aufgearbeitet, nach denen es die sieben Nationalspieler zu ihren Auswahlteams gezogen hatte. "Es war gut, dass sie alle mal den Kopf frei bekommen haben und auf andere Gedanken gekommen sind", sagt Sigurdsson. Silvio Heinevetter, Sven-Sören Christophersen und Markus Richwien waren für Deutschland im Einsatz, Petr Stochl für Tschechien, Börge Lund für Norwegen, Bartlomiej Jaszka für Polen und Konstantin Igropulo für Russland. Seit Mittwoch ist der Füchse-Kader wieder komplett, und seitdem liegt der Fokus voll und ganz auf der Partie am Sonntag gegen den TBV Lemgo (17.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle). "Dort wollen wir wieder in die Erfolgsspur zurückfinden", sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Mit dem achten Sieg im elften Spiel würden sich die Berliner in der Spitzengruppe der Bundesliga behaupten.

Nicht auf dem Niveau der Vorsaison

Seit Jahren geht es für die Füchse immer nur bergauf, Fans und Verantwortliche sind vom Aufschwung der Klubs verwöhnt, die Erwartungen an die Hauptstadt-Handballer sind mit den Erfolgen gestiegen. "Aber es ist völlig normal, dass wir auch einmal einen Einbruch erleben", so Hanning. Dennoch bedeuteten die zwei Niederlagen für die Berliner eine kleine Zäsur. Nicht unbedingt wegen der Ergebnisse - immerhin liegen die Füchse in der Bundesliga auf Rang drei, haben drei von vier Champions-League-Spielen gewonnen -, sondern weil die Erkenntnis gereift ist, dass noch keine qualitative Steigerung im Vergleich zur letzten Spielzeit erfolgt ist. "Spielerisch haben wir noch nicht das Niveau der vergangenen Saison", sagt Sigurdsson, der aber nicht in Trübsal versinkt, "denn wir sind ja die Mannschaft, die Kiels Siegesserie gestoppt hat. Aber wenn wir gemessen werden, dann immer mit dem Besten aus der Vorsaison." Der Isländer mahnt an, dass man aber nicht immer nur auf die Tabellenspitze schauen dürfe, sondern auch auf Wetzlar und Magdeburg, "denn das sind unsere Konkurrenten um den fünften Platz."