Hertha BSC

"Der Peter" ist derzeit noch unersetzlich

Niemeyer wird als Kämpfer und Anführer vermisst

- Es mag seltsam anmuten, den Ausgang eines Spieles an einem Profi zu erklären, der gar nicht mitgewirkt hat. Und dennoch zeigte sich gestern, dass Hertha BSC bei allen Ausfällen, welche die Berliner in der aktuellen Saison bereits kompensierten, einen Spieler nicht adäquat ersetzen können: Peter Niemeyer. Der defensive Mittelfeldspieler fehlte den Hauptstädtern gegen Ingolstadt, weil er im Spitzenspiel in Braunschweig vor einer Woche die fünfte Gelbe Karte gesehen hatte und gesperrt war.

Gegen die tief stehenden Ingolstädter wurde deutlich, warum der 28-Jährige in dieser Spielzeit so wertvoll für die Herthaner ist. Die letzte "Durchschlagskraft" habe gefehlt, der letzte "Biss", die letzte "Überzeugung", sagten seine Kollegen. Genau dafür stand in den vorangegangenen Partien Peter Niemeyer. Der gebürtige Westfale, der von Trainer Jos Luhukay vor der Saison zum Kapitän ernannt wurde, präsentiert sich in diesem Jahr als wahrer Anführer. In engen Spielen wie bei den Unentschieden gegen Kaiserslautern und Braunschweig (jeweils 1:1) hatte er für die nötige Aggressivität auf dem Feld gesorgt. Mit seiner Körpersprache trieb er seine Mannschaft immer wieder nach vorn, erkämpfte Bälle im Zentrum und war oft der laufstärkste Herthaner.

Und so musste Niemeyers Vertreter als Kapitän und zentraler Abräumer vor der Abwehr, Peer Kluge, zugeben, dass dessen Fehlen sich negativ niedergeschlagen habe. Die Umstellung auf nur einen echten defensiven Mittelfeldspieler, neben dem der Brasilianer Ronny eher als Zehner auftrat, sei Hertha nicht gut bekommen. "Uns haben heute die frühen Ballgewinnen gefehlt, und oft gab es ein Loch zwischen Abwehr und Angriff", befand der 31-Jährige. Somit sei der Weg zum gegnerischen Tor extrem weit gewesen. Das habe sonst "der Peter" erledigt.

Bereits einmal hatte Niemeyer nicht mitwirken können. Beim 2:2 in Duisburg musste der Kapitän verletzt passen. Und auch damals machte sich sein Fehlen bemerkbar. Seine Kollegen schenkten einen sicher geglaubten Sieg her, weil sie dem MSV zu wenig Härte entgegensetzten.

An der Härte lag es gegen Ingolstadt nicht, dafür aber am Durchsetzungsvermögen. Das sah auch Innenverteidiger Fabian Lustenberger so, ohne dies aber als Alibi gelten zu lassen: "Klar hat uns seine Präsenz heute im Mittelfeld gefehlt", sagte der Schweizer. Aber Niemeyers Fehlen allein dürfe nun keine Ausrede sein. Das hob auch Herthas Manager Michael Preetz hervor: "Dass wir nicht gewonnen haben, lag nicht daran, dass Peter Niemeyer nicht auf dem Platz stand, sondern weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben."