Fußball

Hertha verliert den Anschluss

Berliner enttäuschen beim 0:0 gegen Ingolstadt und vergeben zu viele Chancen. Braunschweig baut seinen Vorsprung immer weiter aus

- Sami Allagui löste sich im richtigen Moment von seinem Gegenspieler, nahm den Ball sauber an - und hätte der Held des Abends werden können. Mit der ersten Aktion den Sieg von Hertha BSC sicherstellen. Nur hätte Allagui dafür den Ball aus zehn Metern am Torwart des FC Ingolstadt, an Ramazan Özcan vorbeibringen müssen. Allagui trat wuchtig zu, der Ball prallte aber vom Knie des Schlussmannes zurück. Dahin war die größte Chance, die die Berliner hatten. So endete der mäßige Kick mit dem Resultat, das der Leistung beider Mannschaften angemessen war: 0:0.

Wenn man dem kühlen Abend vor 33.156 fröstelnden Zuschauern etwas Positives abgewinnen will, dann kann man so argumentieren: Hertha BSC ist seit nunmehr zehn Spielen in der Zweiten Liga ungeschlagen und liegt mit 23 Punkten zumindest für eine weitere Nacht auf Platz zwei. Realistisch ist jedoch der Blick sowohl nach vorn als auch nach hinten.

Gefühlte Niederlage

Trainer Jos Luhukay hatte zu Wochenbeginn von seiner Mannschaft gefordert, Tabellenführer Braunschweig anzugreifen und spätestens zu Weihnachten die Führung zu übernehmen. Tatsächlich jedoch hat Hertha zwei Punkte auf Braunschweig verloren. Der Spitzenreiter löste seine Aufgabe Sandhausen mit einem 2:1 und vergrößerte den Abstand auf die Berliner auf jetzt sieben Zähler. Zudem kann Hertha an diesem Spieltag sowohl von Cottbus (spielt Sonntag in Bochum) als auch von Kaiserslautern (Montag gegen Aue) überholt werden.

"Das 0:0 fühlt sich an wie eine Niederlage", sagte Nico Schulz. "Wir hatten unsere Chancen. Wenn wir die nutzen, gewinnen wir auch." Der Mittelfeldspieler bezog sich ausdrücklich ein. Er hatte sich nach 50 Minuten die bis dahin größte Möglichkeit erarbeitet. Ronny hatte Schulz geschickt, der lief allein auf das Ingolstädter Tor zu. Statt aber sachlich abzuschließen, versuchte sich der 19-Jährige an einem Kunstschuss - der über Torwart und Tor hinwegflog. Schulz: "Keine Diskussion, den muss ich machen."

Das hatte auch Routinier Peer Kluge so gesehen. "In manchen Spielen hat man nur ein, zwei Chancen. Wenn man gewinnen will, muss man die machen." Gestern Abend gab es insgesamt wenig zwingende Szenen zu sehen. Und beide Teams konnten sich am Ende damit trösten, dass sämtliche Möglichkeiten ungenutzt blieben. Ingolstadt hatte zum Ende der ersten Hälfte seine beste Phase. Zunächst traf Francisco Cauiby die Latte (31.). Im nächsten Angriff spielte Cauiby, mit Abstand bester Ingolstädter, Christian Eigler frei, gegen den Hertha-Torwart Thomas Kraft allerdings glänzend parierte (32.).

Die Hausherren spielten eine Art Breitwand-Fußball. Irgendwie feldüberlegen, aber weitgehend ohne Zug zum Tor. In den ersten Minuten keimte kurz die Hoffnung auf, es könnte ein unterhaltsamer Fußball-Abend werden. Ronny verfehlte mit einem Aufsetzer nur knapp das Gäste-Tor (2.). Sandro Wagner wurde im gegnerischen Fünf-Meter-Raum vom Ball überrascht, er brachte ihn nicht unter Kontrolle (5.), vertan war auch diese Möglichkeit, es gab also doch so einige. Dann parierte FCI-Torwart Özcan einen Ronny-Freistoß (12.) mit einer Fußabwehr - das war's aber für lange Zeit.

In der Zone 30 Meter vor dem gegnerischen Tor wurde fortan wenig kombiniert, die Doppelspitze mit Adrian Ramos und Wagner vermochte kaum einmal einen Ball zu behaupten. Es bewahrheitete sich, was Trainer Jos Luhukay hinterher so beschrieb: "Wenn du einen Stürmer mehr auf dem Platz hast, heißt das nicht immer, dass man offensiver spielt."

Nach der Pause vermochte Hertha zwar den FCI weitgehend vom eigenen Tor fernzuhalten. "Wir haben dann nur noch in eine Richtung gespielt", sagte Trainer Luhukay, " wir hatten aber keine Finesse und keine Kreativität, um eine gut organisierte Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Um diesen Gegner zu schlagen, hätten wir selbst top sein müssen. Das waren wir aber nicht."

Im zwölften Saisonspiel der Zweiten Liga spielte Hertha bereits zum fünften Mal unentschieden. Ein Ergebnis, "mit dem wir nicht zufrieden sind", wie Luhukay sagte. Auch Manager Michael Preetz bekannte: "Das war eine zähe Angelegenheit." Die Beobachtungen der Spieler im Anschluss in der Mixed-Zone ähnelten sich. "Uns hat der letzte Biss gefehlt", kritisierte etwa Abwehrchef Fabian Lustenberger. "Wir hatten nicht die Überzeugung, es hat uns an Durchschlagskraft gefehlt", erkannte Wagner.

Lob für den Tabellenführer

Trotz des Rückstandes von sieben Punkten auf Braunschweig sagte Mittelfeldspieler Marcel Ndjeng aber auch: "Ich mache mir keine Sorgen, dass die enteilen." Manager Preetz lobte den Konkurrenten: "30 Punkte zu diesem Zeitpunkt, die Eintracht spielt eine tolle Serie. Aber es stehen noch 22 Runden aus, es ist zu früh für irgendwelche Vorentscheidungen." Lustenberger mahnte, das Wesentliche im Auge zu behalten. "Unser Ziel ist der Aufstieg. Darum geht es. Den hat noch niemand nach zwölf Spieltagen perfekt gemacht. Wir müssen am kommenden Freitag nachlegen." Da gastiert Hertha BSC beim Tabellensechzehnten, dem SV Sandhausen. Wieder so ein Spiel, das man gewinnen sollte, wenn man aufsteigen will.