Marco Huck

"Mein Vater lobt mich nie"

Boxweltmeister Marco Huck über Streit in der Familie und Duelle mit den Klitschko-Brüdern

- Der Altersunterschied zwischen dem Weltmeister und seinem Herausforderer ist schon beträchtlich. Cruisergewichtler Marco Huck, der am Sonnabend (ARD, 23.35 Uhr) zum zehnten Mal seinen Weltmeistertitel der World Boxing Organization (WBO) verteidigt, wird acht Tage nach dem "Kampf der Generationen" 27 Jahre alt. Sein Rivale Firat Arslan, der deutsch-türkische Ex-Weltmeister, feierte vor einem Monat seinen 42. Geburtstag. Morgenpost-Redakteur Gunnar Meinhardt sprach mit Huck.

Berliner Morgenpost:

Herr Huck, wollen Sie nicht ins Schwitzen kommen?

Marco Huck:

Warum?

Weil Sie sich einen Boxopa als Gegner ausgesucht haben.

Das sagen viele. Und alle die das sagen, täuschen sich gewaltig. Firat ist - unabhängig von seinem Alter - ein ganz, ganz starker Kerl. Das ist Fakt. Hinzu kommt noch, dass er mir sympathisch ist. Ich hatte schon viele Herausforderer, die ich nicht mochte. Firat aber schätze und respektiere ich sehr. Er kommt von ganz unten, keiner hat an ihn geglaubt, 19 Jahre hat er darum gekämpft, Weltmeister zu werden. Dann entthronte er 2007 Virgil Hill, gegen den Henry Maske einst seinen Abschiedskampf verloren hatte.

Hill war damals aber schon 43.

Das besagt doch nichts. Schauen Sie sich doch Vitali Klitschko an! Der ist auch in dem Alter (41 - d.R.) und seit vier Jahren wieder Weltmeister. Firat hat Kondition wie zehn Pferde, der ist ein richtiges Tier, und es ist seine letzte Chance, noch einmal Champion zu werden. Mein Vater provoziert mich ständig, indem er sagt, Firat habe einen besseren Körper als ich.

Ärgert Sie das?

Ich finde es gemein, wenn er das sagt. Ich bin doch auch eitel. Aber er wird schon Recht haben. Wenn mein Vater nicht gewesen wäre, wäre ich nie Weltmeister geworden oder Boxer überhaupt. Wer weiß, wo ich ohne ihn gelandet wäre. Meinem Vater habe ich alles zu verdanken. Auch, wenn mich mein Trainer mal lobt, hat mein Vater trotzdem etwas auszusetzen.

Ist er auch Ihr härtester Kritiker?

Mein Vater hat mich noch nie gelobt. Selbst als ich Weltmeister wurde, hat er gesagt: "Junge, das hättest du aber ein bisschen besser machen können." Bin ich nicht zu Hause in Berlin, telefoniere ich jeden Tag mit ihm, wenn nicht, ruft er die Polizei an - wirklich. Meine Eltern haben eben Angst um mich. Ich liebe sie über alles, trotzdem nervt es mächtig, wenn mein Vater immer wieder ein Haar in der Suppe findet. Allerdings motiviert mich das auch, gewisse Dinge besser zu machen. Wegen seines ewigen Kritisierens gab es auch schon öfter mal Familienstreit. Er möchte beispielsweise, dass ich mir die Kämpfe meiner Gegner anschaue. Mich aber interessiert das nicht.

Möchte er auch, dass Sie ins Schwergewicht aufsteigen?

Unbedingt. Er ist überzeugt, dass ich die Klitschkos besiege, und zwar beide.

Und warum hören Sie nicht auf ihn?

Nach dem Kampf gegen Powetkin ...

... dem russischen Pseudo-Weltmeister der World Boxing Association (WBA) im Schwergewicht unterlagen Sie knapp nach Punkten ...

... nein, gegen Powetkin habe ich nicht verloren. Die ganze Welt hat gesehen, dass ich gewonnen habe. Alle sagen das. Diese Niederlage wird meiner Seele immer wehtun, weil ich um den gerechten Lohn betrogen worden bin. Weil mir danach Leute ins Gesicht gelacht und auf die Schulter geklopft haben, die mit Schuld an der Niederlage trugen. Sie wollten mich nicht als Sieger haben. Für meinen Trainer Ulli Wegner und mich war danach klar, dass ich weiter im Schwergewicht boxe. Dann aber kam das Management und hat mich überredet, im Cruisergewicht weiterzumachen.

Bereuen Sie es inzwischen, dass Sie sich haben überreden lassen?

Ein wenig schon. Ich tröste mich damit, dass ich noch jung bin, mit 26 Jahren komme ich erst in das richtige Schwergewichtsalter. Ich merke, wie ich jeden Monat stärker, bewusster, einfach erwachsener werde.

Haben Sie sich eine Deadline für den Aufstieg ins Schwergewicht gesetzt?

Den Klitschkos im Ring zu begegnen, ist doch heutzutage das Größte. Ich will das Größte, so schnell wie möglich. Dass sie nur gegen Pfeifen boxen, die sich schon vorher aufgegeben haben, dafür können beide nichts. Dem dicken Brocken gehen sie allerdings geschickt aus dem Weg.

Wen meinen Sie damit?

Na mich!

Dann stellen Sie sich doch. Offenbar geistern Ihnen die Brüder permanent durch den Kopf?

Ich glaube, dass der Name Huck mehr in den Köpfen der Klitschkos herumspukt als umgekehrt. Die wollen den Kampf ja auch. Sie wissen doch auch, dass die Leute es sich nicht mehr lange bieten lassen, dass die immer nur gegen Fallobst boxen. Der einzige, der für sie eine ernsthafte Gefahr ist, bin ich.

Sie aber sind an die ARD gebunden, die Klitschkos an RTL. Wie soll das gehen?

Ganz einfach, der Kampf läuft auf beiden Sendern. Oder aber ich kämpfe gegen den einen Klitschko bei RTL und der andere Klitschko gegen mich in der ARD. Oder wir vereinbaren Rückkämpfe, so dass jeder Sender einen Kampf übertragen kann. Mit dem Kampf würden wir ganz sicher ein Fußballstadion füllen und eine riesige TV-Einschaltquote machen.

Das haben die Klitschkos auch ohne Sie schon mehrmals geschafft.

Kann ja sein. Bis auf den Kampf von Wladimir gegen David Haye habe ich aber noch keinen Kampf von denen gesehen.

Gegen welchen der Klitschko-Brüder würden Sie lieber boxen - Wladimir, der die WM-Titel der WBA, WBO und IBF hält, oder Vitali, der Weltmeister des World Boxing Council (WBC) ist?

Ganz klar Vitali. Wladimir war doch schon ein paar Mal auf dem Boden, Vitali noch nie. Das wäre ein zusätzlicher Kick, ihn als ersten in den Ringstaub zu schicken. Mit meinem Trainer bin ich mir einig, dass beide Brüder sehr unsicher sind, wenn sie angegriffen werden. Wenn die mal richtig auf die Fresse bekommen haben, dann wollen die bestimmt keinen Rückkampf mehr.