1. FC Union

Pokal-Blamage in Offenbach

0:2 beim Drittligisten. Trainer Neuhaus: "Das ist die größte Enttäuschung, seit ich bei Union bin"

- Aus den Stadion-Lautsprechern dröhnten die Toten Hosen. "An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit" - und 12.247 Zuschauer grölten mit. Jedenfalls die, die Kickers Offenbach wohl gesonnen waren. Der Drittligist hatte allen Grund zum Feiern. Auf der anderen Seite gab es eines: "Enttäuschung, Enttäuschung, Enttäuschung", so Nico Schaefer, der kaufmännisch-organisatorische Leiter des 1. FC Union. Mit großen Erwartungen war der Berliner Fußball-Zweitligist nach Hessen gereist. Das Achtelfinale des DFB-Pokals sollte erreicht werden. Doch der Mittwochabend endete in einem Desaster. Mit 0:2 (0:0) unterlag Union dem unterklassigen Gegner. Eine Niederlage, die Spuren hinterlassen wird.

Uwe Neuhaus wollte denn auch gar nicht mit seinen Emotionen hinter dem Berg halten. "Das ist die größte Enttäuschung, seit ich Trainer des 1. FC Union bin. Offenbach hat den Pokalfight als solchen angenommen, es hätte keinen anderen Sieger geben dürfen. Nach diesem Spiel können wir nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen." Mehr wollte der Coach nicht von sich geben, zu tief saß der Stachel, eine Riesenchance verpasst zu haben. Aus finanzieller Sicht, weil den Köpenickern allein gut 530.000 Euro an Prämien durch die Lappen gehen. Und, so Schäfer, "weil es schön gewesen wäre, kurz vor Weihnachten noch ein schönes Spiel zu haben."

Ein schönes Spiel - hätte man sich gestern Abend schon von den Unionern gewünscht. Neuhaus hatte dafür sein Team auf drei Positionen verändert. Zum einen verteidigte Fabian Schönheim links in der Viererkette, Patrick Kohlmann blieb dafür draußen. Der Deutsch-Ire, der zu Saisonbeginn wegen einer Bauchmuskelzerrung nur schwer in Tritt gekommen ist und seiner Bestform immer noch hinterher rennt, bekam eine Pause. Schönheims Platz in der Innenverteidigung übernahm Roberto Puncec. Dass der komplette Angriff ausgetauscht wurde, darf hingegen als kleine Überraschung gewertet werden. Silvio und Tijani Belaid durften sich versuchen, wobei Belaid eher aus dem Mittelfeld agierte. Simon Terodde und Adam Nemec saßen dafür zunächst auf der Bank. Für den Auftritt der Berliner bedeutete dies mehr spielerisches Element statt Robustheit und Durchsetzungsvermögen. Dabei hatte der Coach noch vor der Partie orakelt: "Das wird ein Kampf auf Biegen und Brechen."

Union spielte in ungewohnten grünen Trikots: In den ersten Minuten schien es, als sei der Favorit gar zu grün für den Sprung ins Pokal-Achtelfinale. Die Berliner agierten, unterstützt von rund 1000 mitgereisten Anhängern, in der Anfangsphase nervös. Nach dem Motto "Jeder darf mal" reihte die Defensive Fehler an Fehler und lud die Hausherren aus der Dritten Liga zu Chancen ein. Dass Mathias Fetsch nach exakt neun Minuten seinen Kopfball ein wenig überhastet neben das Tor von Daniel Haas setzte und Nicolas Feldhahn eine Vorlage von Ex-Herthaner Marc Stein aus zehn Metern über das Tor drosch (12.), war pures Glück.

Nur zwei Chancen für Union

Auf der anderen Seite taten sich die Berliner schwer, vor das Tor des Gegners zu kommen. Spielerisch war es durchaus gefällig, was die Neuhaus-Schützlinge auf den Rasen brachten. Doch der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ertrag. Erst in Halbzeit zwei, als die Offenbacher sich immer weiter zurückzogen, weil ihnen auch ein wenig die Kräfte schwanden, "lief es besser, weil wir mehr Platz hatten", sagte Christian Stuff. "Doch wir haben es nicht geschafft, in die gefährliche Zone zu kommen". Nur zweimal wurde es richtig brenzlig vor dem Kasten von Ex-Union-Keeper Robert Wulnikowski: Als Silvio nach einem Konter über Fabian Schönheim den Ball um einen Tick verfehlte (17.), und als Christopher Quiring eine feine Kopfball-Vorlage von Marc Pfertzel aus fünf Metern per Seitfallzieher über das Tor semmelte, statt sie mit dem Kopf zu vollenden.

Apropos Christian Stuff. War der Innenverteidiger in den vergangenen Wochen stets einer der besseren Unioner, so machte er diesmal bei beiden Gegentreffern eine unglückliche Figur. "Beim ersten Tor trifft er mit seinem Schuss erst meinen Fuß, von da geht der Ball unhaltbar rein", beschrieb Stuff das Anfang vom Ende aller Pokalträume. Er, das war Mathias Fetsch, der eine Flanke von Nicolas Feldhahn im Strafraum erst per Kopf mitnahm und dann volley verwertete, 0:1 (75.). Beim zweiten Treffer durch Stefan Vogler (85.) - Stuff überlegt einen Moment, ehe er gesteht: "Da kamen wir alle zu spät." In der letzten Spielminute hatten die Offenbacher sogar noch die Chance zum dritten Treffer, doch Haas war bei einem Schuss von Fetsch zur Stelle.

"Die Enttäuschung ist riesengroß", sagte Fabian Schönheim: "Ich habe von diesem Spiel doch sehr viel erwartet. Wir sind hier als schließlich als Favorit angereist."

Von dieser Rolle war über die 90 Minuten jedoch nur allzu wenig zu sehen beiden Berlinern. "Jeder muss sich an die eigene Nase fassen und schauen, ob er wirklich alles gegeben hat", sagte Mittelfeldmann Markus Karl mit leerem Blick. Und er fügte hinzu: "Es kann nicht sein, dass mit dem ersten Gegentor bei uns gleich wieder alles zusammenbricht."

Auf die Mannschaft wartet jedenfalls ein hartes Programm, denn schon am Sonntag geht es zum Ostderby bei Dynamo Dresden. Und an diesem Nachmittag wollen es die Unioner sein, die sich nach einem Sieg Unendlichkeit wünschen. Gestern hatten sie diese nicht verdient.