Russland

Jetlag ist der schlimmste Feind der BR Volleys in Sibirien

Deutscher Meister reist über 5000 Kilometer nach Nowosibirsk

- Es gibt verschiedene Formen des Heimvorteils. Meist gelten die Fans als entscheidender Faktor. Nur sind die im Falle des russischen Volleyball-Pokalsiegers Lokomotive Nowosibirsk weder sonderlich zahlreich noch heißblütig. Hitze kann eine Rolle spielen - aber in Sibirien? Okay, dann die Kälte! Wieder falsch, in Nowosibirsk herrschen derzeit ähnliche Temperaturen wie in Berlin. Was den Gästen zu schaffen macht, ist ihre Anreise. Über 5000 Kilometer mussten die BR Volleys zurücklegen, sechs Zeitzonen überwinden. Als sie am Dienstagvormittag tief im Osten landeten, war es dort 9 Uhr und taghell, aber für ihre sensiblen Sportler-Körper erst 3 Uhr und tiefste Nacht. Dementsprechend müde waren sie. "Der Jetlag wirft einen aus der Bahn", sagte Manager Matthias Klee, Leiter der Berliner Reisegruppe. Gespielt wird heute um 13 Uhr deutscher Zeit (live auf www.laola.tv).

Die Auslosung Ende Juni hatte dem Deutschen Meister den weitesten Trip beschert, den die Champions League zu bieten hat. In der vergangenen Saison erwischte es Generali Haching. Die Bayern verloren in der Fremde 0:3 und unterlagen auch daheim 1:3. "Dort haben noch nicht viele gewonnen", schwant dem Berliner Nationalspieler Felix Fischer. Die Russland-Erfahrung des 29-Jährigen ist allerdings überschaubar: Als Junior war er mal in St. Petersburg. Immerhin - wenige in der Mannschaft können da mitreden. Gute Tipps müsste Robert Kromm auf Lager haben; er spielte ein Jahr in der russischen Superleague für Ural Ufa. Klingt auch schon sehr nach Osten, liegt aber 1700 Kilometer westlich von Nowosibirsk. Und bei der Reise war Kromm seinerzeit wegen einer Verletzung nicht dabei gewesen.

Viel weiß man nicht über den Gegner. Aber Russland ist Olympiasieger, und einer der Goldmedaillengewinner von London, Alexander Butko, steht im Lok-Team. Ansonsten ein Slowake, ein Schwede, ein Finne, der Rest sind Russen. Zuletzt zweimal wurden die Sibirer Pokalsieger im Riesenreich, dazu Vierter in der Superleague. Das Final Four der Champions League haben viele russische Mannschaften erreicht, Lokomotive noch nie. Das klingt so schrecklich also nicht, die Berliner haben nach vier Siegen in vier Saisonspielen auch großes Selbstbewusstsein. Obwohl Geschäftsführer Kaweh Niroomand meint: "Die Russen sind in unserer Gruppe der große Favorit."

Jedenfalls geht es zwischen diesen Beiden um Platz eins der Gruppe B. Berlin (gegen Budweis/Tschechien) und Nowosibirsk (gegen Budva/Montenegro) gewannen ihre ersten Spiele 3:0. "Wenn wir die Strapazen und den Jetlag gut verkraften und an unsere bisherigen Leistungen anknüpfen, haben wir eine Außenseiterchance", glaubt Volleys-Kapitän Scott Touzinsky. Fischer erwartet: "Auf jeden Fall wird es schwer. Ein Punkt wäre ein großer Erfolg." Einen Zähler gäbe es im Falle einer 2:3-Niederlage, der Sieger erhielte dann statt drei nur zwei Punkte. Dieses kleine Volleyball-Einmaleins könnte noch einmal wichtig werden im Kampf um die Top-12-Plätze. Denn dort wollen die Berliner auch noch hin - wenn sie doch sogar schon in Sibirien waren!