Doping

Im Radsport beginnt Prozess der Selbstreinigung

Immer mehr Fahrer und Funktionäre müssen gehen

- Die Lawine der Selbstreinigung rollt. Losgetreten durch die Doping-Enthüllungen um Lance Armstrong, erfasst sie beinahe täglich frühere Weggefährten des Amerikaners. Sportdirektoren, Trainer - zunehmend geraten ehemalige Aktive in die Kritik. "Der Radsport hasst die Transparenz wie der Teufel das Weihwasser", sagte etwa der deutsche Ex-Profi Jörg Jaksche bei "ServusTV": "Die Leute, die den Radsport regieren und dort maßgeblich handeln, haben nichts gelernt."

Gegen Anschuldigungen wie diese und für seine Glaubwürdigkeit muss der Radsport nun kämpfen - und schickt deshalb zahlreiche Sünder fort. Jüngstes Opfer ist Steven de Jongh. Der Niederländer räumte seinen Posten als Sportdirektor des Sky-Teams.

Knapp zwei Wochen, nachdem der Rennstall des souveränen Tour-Siegers Bradley Wiggins eine Null-Toleranz-Linie gegen Doping angekündigt hat, verlässt damit bereits der dritte Funktionär das Team. Die Briten gehen in die Offensive, die Gründe liegen wohl auch im Saisonverlauf. Wiggins und sein Rennstall fuhren 2012 in einer anderen Liga. Souverän gelang unter anderem der Erfolg bei der Tour de France, beinahe unantastbar waren seine Leistungen vor allem im Zeitfahren. Wiggins und Sky, das erinnerte 2012 an die Dominanz von Doping-Sünder Armstrong und seinem US-Postal-Team zwischen 1999 und 2005.

Hartes Durchgreifen bei Team Sky

Jegliche Vorwürfe hat das Team Sky weit von sich gewiesen. Der nächste Schritt ist nun die öffentlich kommunizierte Selbstreinigung. Der Rennstall verlangt eine schriftliche Erklärung von den Mitarbeitern, nach der sie weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit mit Doping zu tun hatten, ansonsten droht der Rauswurf.

Vor de Jongh hatte bereits Ex-Telekom-Profi Bobby Julich die Einnahme des Blutdopingmittels Epo zwischen 1996 und 1998 gestanden, er musste seine Trainertätigkeit beenden. In Sean Yates erklärte ein weiterer Sportdirektor bei Sky seinen Rücktritt, hier sollen aber persönliche Gründe den Ausschlag gegeben haben.

Auch bei anderen Teams mussten prominente Radsportgrößen ihren Hut nehmen. Bei RadioShack Nissan, dem Team der Deutschen Jens Voigt und Andreas Klöden, wurde Armstrongs früherer Teammanager Johan Bruyneel gefeuert. Der Australier Matt White gestand, als Fahrerkollege von Armstrong gedopt zu haben und stellte seine Posten als Sportdirektor bei Orica-GreenEDGE und im australischen Radsportverband zur Verfügung. US-Profi Levi Leipheimer wurde vom Team Omega Pharma-Quickstep entlassen - nur eine Auswahl des "Reinigungsprozesses".