DFB-Pokal

Union und die neue Lust am Pokal

Gegen Offenbach nehmen die Berliner die Favoritenrolle an und wollen in die 3. Runde einziehen. "Können gut Geld verdienen"

- In grüne Latzhosen waren sie gekleidet und mit allerlei Utensilien bewaffnet. Mit Bohrmaschinen, Kettensägen und Schraubendrehern. Und mit jeder Menge Holz. Also sägten, bohrten und schraubten sie, bis sie ihr Tor verbarrikadiert hatten. Die Verbandsliga-Kicker des FC Schönberg wollten mit diesem Filmclip deutlich machen: Für euch, liebe Fußball-Profis vom VfL Wolfsburg, ist unser Tor heute wie vernagelt. Eine schöne Idee des Sechstligisten aus Mecklenburg-Vorpommern, die wahrlich von der Realität in der ersten Runde des DFB-Pokals überholt wurde, mit 0:5.

Greuther Fürth als Warnung

In Offenbach, beim dortigen FC Kickers, hat man sich nun einer ähnlichen Botschaft bedient. Man sieht Torwart Robert Wulnikowski und seine Mitspieler eine Mauer vor dem Tor errichten. Der Slogan dieses kurzen Filmchens ist eindeutig. "Bei uns beißen die Eisernen auf Granit." Den Eisernen aus Berlin, der Mannschaft des 1. FC Union, soll heute ab 19 Uhr das gleiche Schicksal widerfahren, das auch schon Bundesliga-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth in Runde eins in Offenbach ereilte: das Ende aller Pokalträume.

Nur für diejenigen, die es inzwischen schon wieder verdrängt hatten: Ja, Union steht tatsächlich in der zweiten Runde des nationalen Cupwettbewerbs und ist nicht, wie in all den Jahren zuvor unter Trainer Uwe Neuhaus, bereits zum Auftakt gescheitert. "Zweite Runde, da lasse ich mich mal überraschen, was da so kommt", flachste Christian Stuff. Doch der Innenverteidiger ist sich sicher: "Offenbach ist eine machbare Aufgabe."

Union findet mehr und mehr Geschmack am Gastspiel in Offenbach. Und es ist zu spüren, dass die Berliner längst noch nicht genug haben vom DFB-Pokal. Das Motto ist klar: Hinfliegen, am nächsten Tag zurückfliegen, und dazwischen bloß nicht rausfliegen. "Der Verein kann richtig gut Geld verdienen", verdeutlichte Kapitän Torsten Mattuschka, "und wir als Spieler natürlich auch." Mindestens 530.000 Euro warten auf jeden der 16 Vereine, die das Achtelfinale am 18. und 19. Dezember erreichen. Klar, dass Union gern dabei sein möchte.

Dafür aber muss ein Sieg her: "Doch das wird genau so schwer werden wie in Essen", schwant Mattuschka ein hartes Stück Arbeit am Mittwochabend. Bei Rot-Weiß Essen war Union erst durch einen Treffer in der letzten Minute der Nachspielzeit zu einem knappen 1:0 gekommen. "Wir hoffen, dass wir es dieses Mal schaffen, in 90 Minuten weiterzukommen", sagte Kapitän Mattuschka.

Was Union im neuen Stadion am Bieberer Berg erwartet? "Ich kenne ja bislang nur den alten Bieberer Berg, aber die Stimmung jetzt wird genau so gut sein, fußballfanatisch", glaubt Trainer Neuhaus. Die Arena (Fassungsvermögen: 20.500 Zuschauer) wird mit erwartet 12.000 Fans gefüllt sein. Und nicht nur Kapitän Mattuschka weiß, "was dort auf uns zukommt". Eine Mannschaft, die von ihrem Anhang frenetisch nach vorn gepeitscht wird. Und die vor Selbstbewusstsein strotzen wird.

Gleich ein Dutzend Spiele, inklusive des Pokalspiels gegen Greuther Fürth, haben die Offenbacher nicht mehr verloren. Anfang August setzte es mit einem 1:3 gegen Arminia Bielefeld die vierte und bislang letzte Niederlage. Seitdem folgten sieben Siege und fünf Unentschieden für den derzeitigen Drittliga-Achten. Und gegen einen höherklassigen Kontrahenten "haben die nichts zu verlieren. Jeder von uns muss an seine Grenze gehen", forderte Mattuschka.

Rückenwind für die Liga gewinnen

Union geht als Favorit ins Rennen. Das sieht auch Christian Stuff so. "Der Unterschied zwischen Dritter und Zweiter Liga ist zwar nicht so groß, aber wir nehmen die Rolle an. Weil wir unbedingt eine Runde weiter kommen wollen, auch wenn die Kickers zu Hause spielen und gute Fans hinter sich haben", verdeutlichte der Defensivmann. Sein Trainer sieht die Chancen derweil bei 50:50. "Das wird ein Kampf auf Biegen und Brechen", sagte Neuhaus. Und was ist mit der Favoritenrolle? "Natürlich, der Klassenunterschied, also 51:49 für uns."

Ein Weiterkommen hätte über das Finanzielle hinaus auch noch einen schönen Nebeneffekt. "Die Mannschaft würde Rückenwind für die Meisterschaft mitnehmen", meinte der Coach bereits mit Blick auf das Ostderby am Sonntag in Dresden. Selbst wenn sie dafür in Offenbach lange auf Granit beißen müsste.