DFB-Pokal

München ist nicht Hoffenheim

Berliner AK verpasst beim 0:3 gegen die Löwen eine weitere Sensation im DFB-Pokal und tröstet sich mit einem Vereinsrekord

- Glücklich sah Jens Härtel natürlich nicht aus. Sein Team hatte verloren, nicht ganz unerwartet, aber eben doch so, dass vielleicht etwas mehr drin gewesen wäre. Gut, ein 0:3 (0:1) lässt im ersten Augenblick nicht darauf schließen, aber es war ein Spiel, in dem der Gegner den Sieg jedenfalls nicht geschenkt bekam. Das war Härtel wichtig, das hat ihn auch zufrieden gemacht, obwohl man das in seinem Gesicht nicht unbedingt ablesen konnte. "1860 musste richtig etwas anbieten, um hier weiterzukommen", sagte der Trainer des Berliner AK nach dem Zweitrunden-Spiel im DFB-Pokal gegen die Münchner.

Wenn ein Zweitligist bei einem Viertligisten einiges investieren muss, um die nächste Runde zu erreichen, hat der unterklassige Herausforderer vieles richtig gemacht. Das fand sogar Reiner Maurer, der Trainer von 1860. "Der BAK hat immer wieder versucht, nach vorn zu kommen und schönen Fußball geboten", so Maurer. Doch die Sensation, die den Berlinern in der ersten Runde gelungen war, als sie den Bundesligisten 1899 Hoffenheim mit einem grandiosen 4:0 aus dem Wettbewerb warfen, von der war der BAK diesmal ein gutes Stück entfernt.

Ministerpräsident sagt ab

Ein kleines bisschen der ganz großen Aufregung hatte sich schon lange vor dem Spiel gelegt. Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan hatte sich überlegt, die Partie im Jahn-Sportpark zu besuchen. Er ist ohnehin gerade in Berlin, weil ein Teil der türkischen Botschaft eingeweiht wurde. Und weil der BAK ja auch zu einem guten Teil ein türkischer Verein ist, hätte das gut gepasst. Doch Erdogan hatte zeitgleich einen Termin im Berggruen-Institut, dort stand eine Rede von ihm auf dem Programm, die sagte er nicht ab.

Getrübt hat das die Stimmung nicht. Im Gegenteil, es sah so aus, als hätte der BAK plötzlich eine große Fanbasis. Zum Erstrunden-Duell gegen Hoffenheim waren ja nur knapp 1500 Besucher erschienen. Diesmal waren es 2403, zum größten Spiel der Vereinsgeschichte ein Rekord, wenn auch nicht im erhofften Rahmen. Als Kulisse hatte der Klub auf 5000 Besucher gehofft. Wobei der Platz im Stadion so schon nicht gut genutzt wurde und einige lieber in den bereits voll besetzten Blöcken die Treppen zum Missfallen der Polizei blockierten. Selbst die Ansage, dass es türkische Spezialitäten wie Köfte an den Ständen gibt, veranlasste nur wenige, die Treppen zu räumen.

Dafür erwies sich das Publikum als sehr lautstark. Wer wegen des BAK im Stadion war, ging leidenschaftlich mit, als die Berliner um die nächste Sensation kämpften. Ein bisschen erinnerte der Beginn des Spiels dann auch an die Partie gegen Hoffenheim. Metin Cakmak, der gegen die Badener die frühe Führung erzielt hatte, prüfte 1860-Torhüter Timo Ochs wieder früh mit einem Kopfball (7.). Es war das Zeichen, dass der BAK an seine Chance glaubt. Obwohl es in der Liga bislang nicht so gut lief und Trainer Jens Härtel einige Verletzungssorgen zu beklagen hat.

Der Sieg gegen Hoffenheim hatte dem Berliner Team viel Aufmerksamkeit gebracht. Respekt auch, 1860 ließ den BAK gleich viermal beobachten. "Wir waren gewarnt", sagte Maurer. Welche Erkenntnisse genau sie daraus zogen, blieb lange unklar, denn die Münchner verhielten sich abwartend. Härtels Spieler hatten dadurch viel Raum, so viel, dass Cakmak sogar die Zeit fand für ein kleines Kabinettstückchen. Er spielte einen Münchner aus, indem er den Ball mehrmals jonglierte. Das zeigte den Mut der Gastgeber, die wegen des fehlenden Flutlichts vom Poststadion umgezogen waren in den Jahn-Sportpark. Ihr bis dahin letztes Spiel dort war die Fahrkarte zu diesem Auftritt, im Berliner Pokalfinale setzte sich der BAK gegen den SC Gatow durch und qualifizierte sich für den DFB-Pokal.

Im Jahn-Sportpark war nun auch Endstation - weil es diesmal nicht gelang, die Chancen zu nutzen. Justin Gerlach hatte die Führung auf dem Fuß, traf den Ball aber nicht richtig (26.), kurz darauf verzog Christopher Blazynski (27.). "Wir müssen in Führung gehen, dann läuft so ein Spiel ganz anders", haderte Härtel.

Durchaus ansprechend sah es dennoch aus, was der BAK zeigte, 1860 tat nicht übermäßig viel, versuchte es zunächst überwiegend mit langen Bällen in den Strafraum. Als sie es über Dominik Stahl einmal mit einem kurzen Pass in die Mitte probierten, traf Moritz Stoppelkamp zur Führung für die Gäste (38.). Danach brachten die Münchner viel Routine ins Spiel, der BAK hingegen gab sich verzweifelt Mühe, das Ergebnis zu korrigieren, versuchte dabei aber meist zu viel. Genauigkeit und Kaltschäuzigkeit, welche die Berliner noch gegen Hoffenheim gezeigt hatten, fehlten diesmal.

Stoppelkamp trifft zweimal

"In der zweiten Halbzeit haben wir alles versucht", sagte Härtel. Aber trotz der besonderen Maßnahmen für diesen besonderen Tag - die Mannschaft war erstmals zuvor über Nacht in ein Hotel gezogen, um sich in Ruhe vorzubereiten - blieb dem BAK das besondere Resultat verwehrt. Stoppelkamp (62.) und Ismael Blanco (89.) erhöhten zum 3:0 für 1860.

Immerhin, einen Zweiklassen-Unterschied, den konnte Härtel nicht feststellen. Dafür benannte der Trainer gleich das Problem, das die Berliner schon länger verfolgt. "Wenn man aus so vielen Möglichkeiten kein Tor macht, sieht man, wo der Schuh drückt." Vielleicht helfen die Einnahmen aus dem DFB-Pokal den Berlinern, diese Probleme für die Zukunft zu lösen. Mit den 300.000 Euro, die die Teilnahme an der zweiten Runde einbrachte, lässt sich doch schon etwas anfangen.