Handball

Norweger Lund steht bei den Füchsen unter Druck

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Nach Verletzungen kämpft der 33-Jährige um den Anschluss

- Die Stunden mit seinem Lukas genießt Börge Lund sehr. Mal geht der Rückraumspieler der Füchse Berlin mit seinem Filius auf den Spielplatz oder der Sechsjährige zeigt seinem Vater im neuen Haus in Reinickendorf voller Stolz, was er wieder in der Schule gelernt hat. "Der Anfang in Berlin war hart, aber jetzt hat sich alles normalisiert", sagt Lund und lächelt: "Ich kann mich jetzt endlich voll auf meinen Job konzentrieren."

"Endlich", das mögen sich auch die Verantwortlichen in der Chefetage des Bundesligisten sagen, sie teilen die Erleichterung mit dem norwegischen Handball-Profi. Und hoffen, dass Lund nun bald auch auf dem Spielfeld zur Normalität zurückfindet. "Es wird jetzt Zeit, dass er seine Leistung bringt", sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, "wir geben ihm jetzt noch den Oktober Zeit, aber im November muss es dann passen. Da muss er eine klare Hilfestellung für die Mannschaft sein." Schon heute Abend hat Lund die große Chance, sich auszuzeichnen, wenn die Füchse in der dritten Pokalrunde beim Liga-Konkurrenten TuS N-Lübbecke antreten (19.30 Uhr, live bei Sport1).

Sehnsucht nach dem ersten Titel

In den vergangenen sieben Partien gegen die Ostwestfalen verließen die Füchse stets als Sieger das Feld, auch heute sind sie wieder Favorit. Der Pokal ist nach Liga und Champions League der dritte Wettbewerb für die Berliner - und für Manager Hanning eine Möglichkeit, "eventuell den ersten Titel der Vereinsgeschichte in die Hauptstadt zu holen. Wir wollen uns auf alle Fälle den Nimbus sichern, auch dieses Jahr im Pokal wieder gegen Kiel zu spielen - am liebsten natürlich im Finale." In den vergangenen drei Jahren schieden die Füchse im Pokal jeweils gegen den deutschen Rekordmeister vorzeitig aus.

Da war Lund freilich noch nicht in Berlin. Im Sommer kam der 33-Jährige von den Rhein-Neckar Löwen, unterschrieb einen Vertrag bis 2014 mit dem Anspruch, den Füchsen im Angriff und in der Abwehr entscheidend zu helfen. Doch der Start für den Familienvater war schwer, weil er gleich zu Beginn von Schulterproblemen geplagt wurde. Als diese Malaise auskuriert war, warf ihn eine Bauchmuskelzerrung zurück. "Das war schon ganz schön frustrierend", sagt Lund, dem die Zuschauerrolle überhaupt nicht behagte.

Doch gerade wegen Lunds Krankenakte werden sie im Fuchsbau jetzt nicht nervös. "Er konnte ja keine richtige Vorbereitung absolvieren", erklärt Trainer Dagur Sigurdsson, "und immer wenn er auf einem guten Weg war, dann gab es einen neuen Rückschlag." Es sei daher auch schwer, ihm Spielzeit zu geben, sagt der Coach. Immerhin aber bringt Sigurdsson zu Entlastung des gesetzten Sven-Sören Christophersen, der nach seiner Daumenverletzung heute wieder mit dabei ist, meist Lund statt Iker Romero. Dabei hat der Spanier seine Rolle als Joker stets mit Toren gut genutzt. Im Gegensatz zu Lund. "Auch deshalb muss Börge Lund jetzt in Form kommen, allein für Iker, der sich stets in den Dienst der Mannschaft stellt. Börge muss das Vertrauen des Trainers rechtfertigen", sagt Hanning.

Wäre der Manager jetzt noch einmal in der Situation, würde er sich aber wieder für den 33 Jahre alten Lund entscheiden. Hanning: "Denn dahinter steht der Gesamterfolg des Vereins." Erfüllt Lund die Erwartungen nicht, müssten Sigurdsson und Hanning erstmals einen Fehleinkauf eingestehen. Aber soweit ist es noch lange nicht. Hanning: "Ich bin völlig entspannt und überhaupt nicht böse. Weil ich die Hoffnung habe, das mit Börge Lund alles gut wird."

In der Bundesliga hat Lund vor seiner Zeit bei den Füchsen schon in Nordhorn, beim THW Kiel und eben den RN Löwen gespielt. Aber nie zuvor hat er sich so wohl gefühlt wie in Berlin. "Man merkt, dass hier keine Egoisten zusammen sind, sondern das ist eine echte Mannschaft, das war auch ein Grund für den Wechsel", sagt Lund. Fehlt nur noch, dass er auch sportlich bei den Füchsen einschlägt.