EHC Eisbären

Angriff auf das europäische Finale

| Lesedauer: 5 Minuten

Eisbären gastieren mit der besten Offensive der DEL bei der besten Defensive Schwedens in Lulea zum letzten Trophy-Gruppenspiel

- Eine gemütliche Tour steht den Eisbären eher nicht bevor. Der Ort, an den sie reisen, weist eine Jahresdurchschnittstemperatur von 1,3 Grad Celsius auf. Für echte Polarbewohner wäre das noch viel zu warm, aber bei diesen Eisbären handelt es sich um Eishockeyprofis, und die mögen es doch lieber etwas wärmer.

Dafür kann der aktuelle Reisetross nun von sich behaupten, den Klub auf seinem nördlichsten Einsatz überhaupt begleitet zu haben. Vor ein paar Jahren spielte der Meister mal in der Champions League im finnischen Oulu, von da sind es noch über 200 Kilometer bis zum Polarkreis. Ihr letztes Gruppenspiel in der European Trophy führt die Berliner nach Lulea in Schweden. Wie Oulu liegt das Städtchen am nördlichsten Zipfel der Ostsee, aber noch gut 100 Kilometer näher am Polarkreis.

Als er vor zwei Wochen in Berlin ankam, sprach Daniel Briere davon, dass es eine unbezahlbare Erfahrung sei, die Spieler-Aussperrung in der NHL in Europa zu verbringen. Mit der Reise nach Lulea legen die Berliner ihm und Claude Giroux noch einen netten Erfahrungs-Bonus obendrauf. "Als wir den Spielplan gesehen haben, wussten wir nicht, warum wir nach Schweden fahren müssen. Aber die Teamkollegen haben uns alles über die European Trophy erzählt. Es ist ein wichtiges Spiel für den Klub", sagt Giroux. Für die Berliner geht es am Dienstag darum, sich für das Finalturnier der Trophy zu qualifizieren. Mit einem Punkt wären sie sicher dabei (Modus siehe Kasten).

Den zu holen wird allerdings schwer. "Es ist immer schwierig, wenn man Mannschaften nicht kennt", sagt Kapitän André Rankel. Ein Blick auf die Zahlen genügt, um die Qualität des Gegners zu erahnen. In der schwedischen Liga rangiert Lulea auf Platz zwei und hat dort die beste Abwehr. In der EHC-Gruppe liegt Lulea vor den Berlinern auf Rang eins, mit der besten Abwehr aller 32 Mannschaften im Turnier und als einziges Team ohne Niederlage. "Ich erwarte eine schnelle und sehr talentierte Mannschaft", sagt Trainer Don Jackson. Große Sorgenfalten sind bei ihm nicht zu sehen. Obwohl Manager Peter John Lee ein klares Ziel ausgibt: "Wir wollen unbedingt in die Endrunde." Die Mittel dazu hat er Jackson vor zwei Wochen an die Hand gegeben. Die NHL-Stars Briere und Giroux hieven den Berliner Angriff auf eine neue Ebene. Seit vier Partien mischen sie jetzt mit, nie erzielten die Berliner dabei weniger als fünf Treffer. Mit dem höchsten Saisonsieg am Sonntag gegen Iserlohn (7:1) gelangen den Eisbären 23 Tore mit Giroux und Briere. Die sammelten dabei fleißig Punkte, Briere elf (3 Tore, 8 Vorlagen), Giroux zehn (3/7).

Giroux und Briere geben Schub

Schlicht atemberaubend ist die Klasse der beiden Profis aus Philadelphia, die ihre Gedanken in grandiose Spielzüge, in phänomenale Pässe umwandeln. "Mit den Jungs ist es sehr einfach, sie treffen viele gute Entscheidungen auf dem Eis", sagt Verteidiger Jens Baxmann. Weniger leicht ist es für die Gegenspieler, die Giroux und Briere nie aus den Augen lassen dürfen. Das wiederum zahlt sich für die anderen in der Mannschaft aus. "Sie haben eine gewisse Aura. Die Gegner konzentrieren sich mehr auf sie, das schafft Räume für die anderen", so Abwehrspieler Baxmann. Gemeinsam mit dem Motivationseffekt, nicht hinter den Stars zurückstehen zu wollen, gelingt es den anderen auch, diese Freiheiten zu nutzen.

Für die Partie bei den Schweden ist die allgemeine Stärkung der Offensive, der nun besten der DEL, schon ein wichtiger Punkt. Aber nicht nur das war bei den Eisbären zuletzt qualitativ hochwertig. Lediglich zwei Gegentore mussten die Berliner in den vergangenen beiden Partien hinnehmen. "Wir haben gut gespielt, auch defensiv. Zweimal ist es uns jetzt gelungen, unser System über 60 Minuten konsequent durchzuhalten", sagt Kapitän Rankel. Aller guten Dinge müssten nun drei sein, dann wäre die Finalrunde nah.

Wenn die Torfabrik weiter so arbeitet wie bisher, muss die Torverhinderungsabteilung der Eisbären in diesem speziellen Fall aber gar nicht zwangsläufig ihr Niveau halten. Ab einem 6:7 würde dem EHC auch eine Niederlage mit einem Unterschied von einem Tor genügen für einen Finaleinzug und damit eine erfolgreiche Polartour. Dass die dortige Temperatur auch etwas Gutes haben kann, lässt sich kaum erahnen, ist aber so. Facebook will in Lulea sein erstes europäisches Datenzentrum errichten - weil die Server weniger gekühlt werden müssen.