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Armstrongs Doping-Betrug gefährdet den gesamten Radsport

Niederländische Rabobank trennt sich von ihrem Profiteam

Am Montag will der Weltverband UCI in Genf verkünden, ob er das Strafmaß der US-Anti-Doping-Behörde (Usada) gegen Armstrong - lebenslange Sperre und Aberkennung seiner sieben Siege bei der Tour de France - übernimmt. Doch wie auch immer die Entscheidung ausfällt, schon jetzt saugt der einstige Big Boss im Peloton die gesamte Branche mit in den Abwärtsstrudel. Wegen der schockierenden Dopingenthüllungen zieht sich der altgediente Sponsor Rabobank zum Jahresende aus dem Radsport zurück. "Uns tut das Herz weh, aber wir sind nicht mehr überzeugt, dass der Profiradsport zu einem sauberen und fairen Sport werden kann", sagte Bert Bruggink von der Rabobank. Dass sich in diesen Tagen ein neuer Geldgeber findet, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Die Nachwuchs-Abteilung, in der auch Erik Zabels Sohn Rick fährt, wird unter die Regie des niederländischen Verbandes gestellt.

Nicht jeder zeigt Verständnis für die Maßnnahme. "Ihr wart Teil des Problems. Wie kann man sich erdreisten, sich jetzt von euren jungen, sauberen Fahrern abzuwenden, die Teil der Lösung sind", twitterte etwa Garmin-Profi und Buchautor David Millar erbost. Er hatte sich nach seiner Verurteilung 2004 zu einem ernstzunehmenden Anti-Doping-Aktivisten gewandelt. Topsprinter Marcel Kittel aus dem Shimano-Konkurrenzteam hofft nun auf den "T-Mobile-Effekt" in den Niederlanden. "Denkt an T-Mobile. Die sind auch ausgestiegen, haben sich in Highroad umgewandelt und wurden DAS Topteam - das ist eine Chance", twitterte Kittel.

2008 musste Telekom eine hohe Ausstiegssumme zahlen, weil das Bonner Unternehmen vertraglich noch länger an das Radteam gebunden war, aber nach der Doping-Affäre Fuentes unbedingt raus wollte. Eine ähnliche Lösung ist jetzt auch bei Rabobank denkbar; die Niederländer waren 17 Jahre im Profiradsport aktiv.

Erst am Donnerstag war gegen den Rabobank-Profi Carlos Barredo aus Spanien ein Verfahren wegen Unregelmäßigkeit in seinem Blutpass eröffnet worden. Am meisten Aufsehen hatte Rabobank aber 2007 erregt, als das Team Michael Rasmussen im Gelben Trikot aus der Tour nahm, weil der Däne Dopingkontrolleure mehrmals über seinen Aufenthaltsort getäuscht hatte.

Der in der Affäre Armstrong selbst stark in die Schusslinie geratene Weltverband unterstrich in einer Reaktion auf den Rabobank-Rückzug, alles zu tun "im Kampf gegen Doping". Man wolle für "komplette Transparenz bei Verletzungen der Anti-Doping-Bestimmungen" sorgen. Mehrere Zeugen im Usada-Bericht hatten über Manipulationen der UCI zugunsten Armstrongs bei positiven Doping-Tests berichtet. Zudem hat die UCI bis heute nicht schlüssig erklärt, weshalb 2001 nach dem angeblich vertuschten Dopingtest bei der Tour de Suisse 125.000 Dollar von Armstrong an den Verband geflossen waren.

Zwei Tage nach André Greipel äußerte sich Tony Martin erstmals öffentlich zum Dopingfall Armstrong. "Ich habe ein paar Tage gebraucht, um die gesamte Dimension zu überblicken. Ich bin schockiert vom Ausmaß und der Systematik des Betruges", sagte der Wahlschweizer. "Jetzt ist es wichtig, dass das aufgearbeitet wird und wir jungen Fahrer wie André Greipel, John Degenkolb, Marcel Kittel oder ich eine faire Chance erhalten, weil wir damit nichts zu tun haben", erklärte Martin, der am Sonntag seine Saison beendet.