Eishockey

Die NHL-Profis bleiben, der Erfolg kehrt zurück

Eisbären besiegen Augsburg mit 5:1. Kanadier Giroux und Briere zählen wieder zu den Besten

- Ein paar Heimspiele gab es schon in dieser Saison für die Eisbären, aber die waren nie so nach dem Geschmack der Berliner. Zumindest überzeugten sie dabei keineswegs in der Art, wie es der Serienmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gemeinhin tut. Durch die meisten Spiele haben sie sich irgendwie durchgewurschtelt, die anderen Partien gingen verloren. Gut, die personellen Probleme leisteten ihren Beitrag, waren aber eben auch keine Pauschalerklärung. Langsam jedoch scheinen sich die Eisbären daheim wieder wohlzufühlen. Im siebten Auftritt vor eigener Kulisse lieferten sie die bislang beste Leistung ab und gewannen 5:1 (2:0, 3:0, 0:1).

Dabei sahen die Bedingungen nicht optimal aus. Denn die Mannschaft von Trainer Don Jackson bekam es vor 14.200 Zuschauern in der O2 World mit den Augsburger Panthern zu tun. Die gehören zwar nicht per se zu den Kontrahenten, bei deren Erscheinen den Gegnern die Hände zittrig werden. Doch mit ihrer Auswärtsbilanz von fünf Siegen und nun zwei Niederlagen kann derzeit in der DEL niemand mithalten. Und weil sich drei neue Ausfälle (Florian Busch, Laurin Braun und Mark Katic) zu den bestehenden drei (Darin Olver, Dominik Bielke, Sven Felski) hinzugesellten, wendete sich auch personell nichts zum Besseren beim EHC. Doch inzwischen haben sich die Berliner stabilisiert, das System sitzt wieder - und Probleme müssen sich deshalb nicht unbedingt im Resultat widerspiegeln.

Mit ihren starken Auswärtsauftritten haben sich die Augsburger bis auf Platz drei der DEL vorgearbeitet, liegen damit also noch vor dem Titelverteidiger. Der tut sich daheim zwar selten schwer gegen die Panther, einfach ist es dennoch nie. "Es ist immer ein langer Kampf bis zu dem Punkt, an dem du sagen kannst, dass du alles im Griff hast", beschreibt Verteidiger Frank Hördler die Spiele gegen die Schwaben.

Diesmal schienen die Kollegen ihn allerdings widerlegen zu wollen. So engagiert und konzentriert hatten sich die Eisbären in dieser Saison dem eigenen Publikum zu Beginn eines Spiels noch nicht gezeigt. Den Eindruck bestätigte Stürmer Jamie Arniel, "das war das beste erste Drittel der Saison", sagte er sogar. Ein Spiel in eine Richtung zogen die Eisbären auf. Nur ab und zu erreichten auch die Augsburger das Tor von Rob Zepp. Der hatte dann allerdings wirklich höchste Not, denn die Konter waren überaus gefährlich. Doch Zepp zeigte sich in überragender Verfassung.

Die gelegentlichen Torszenen der Gäste erschütterten die Eisbären trotz deren Brisanz nicht, sie wurden nicht vorsichtiger, sondern erhöhten den Druck noch. Bis die Panther nicht mehr widerstehen konnten. Matt Foy gelang die Führung (11.), Jens Baxmann traf kurz darauf zum 2:0 (13.). Bedient hatte ihn Claude Giroux.

Eigentlich ist es fast schon müßig zu erwähnen, doch die Klasse der beiden NHL-Stars Giroux und Daniel Briere stach auch diesmal wieder hervor. Giroux erzielte das 3:0 (28.), assistiert von Briere. Der legte in Überzahl für André Rankel auch das 4:0 auf (30.). Ein wenig mussten die Fans der Eisbären ja bereits bangen, wie lange sie die beiden Puckartisten von den Philadelphia Flyers noch erleben dürfen. Denn Anfang der Woche hatte die NHL, die ihre Spieler wegen eines Gehaltsstreits ausgesperrt hat, ein neues Angebot vorgelegt. Danach sollten den Einnahmen der Liga jeweils zur Hälfte zwischen Klubs und Spielern geteilt werden. Am Donnerstag trafen sich Vertreter der Liga und der Spielergewerkschaft zu neuen Gesprächen.

Die dauerten jedoch nur etwa eine Stunde, kurz darauf gaben die Klubs bekannt, dass alle Spiele bis zum 1. November gestrichen sind. Zwar unterbreitete die Spielergewerkschaft gleich drei Gegenangebote, doch NHL-Commissioner Gary Bettman stellte fest: "Wir sprechen nicht die gleiche Sprache, das war in vielerlei Hinsicht ein Schritt zurück." Es sieht nun danach aus, als könnten Briere und Giroux noch länger hier bleiben. Ob die Saison in der NHL überhaupt noch anfängt, scheint derzeit fraglich.

Doch auch ohne die beiden können die Eisbären noch Tore erzielen. Vincent Schlenker war der Schütze des 5:0 (38.), vorbereitet hatten es Jens Baxmann und Daniel Weiß. Das Spiel war da längst gewonnen, Augsburg fand kein Mittel, sich dem Druck zu entziehen und die Abwehr der Eisbären ernsthaft zu testen. Die strahlte mehr Sicherheit aus als zuletzt, obwohl mit Katic ein Verteidiger fehlte. In Constantin Braun war nach langwieriger Knöchelverletzung allerdings ein Abwehrspieler zurückgekehrt. Zwar gestaltete es sich für ihn im ersten Saisonspiel nicht einfach, sich einzufügen, sein sehr solides Defensivverhalten half den Eisbären dennoch. Ohne Gegentor brachten die Berliner die Partie trotzdem nicht über die Bühne. Die Freude über den ersten wirklich souveränen Heimauftritt der Saison trübte das nicht. "So was hat man lange nicht gesehen", sangen die Fans.