Volleyball

Endlich raus aus der Nebenrolle

Saisonstart der Volleyballer: Mit BR Volleys als Zugpferd soll sich die gesamte Liga professionalisieren

- Seit März 2011 halten die BR Volleys den Zuschauerrekord in der Volleyball-Bundesliga. 8045 Fans waren damals in der Schmeling-Halle dabei, als Berlin den VfB Friedrichshafen 3:1 besiegte. Jetzt behauptet Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys, allen Ernstes: "Ich würde mich freuen, wenn wir diesen Rekord verlieren."

Er sagt nicht etwa verbessern, mit Blick auf das Eröffnungsspiel der Bundesliga heute (19.30 Uhr) gegen denselben Kontrahenten am selben Ort, Meister gegen Serienmeister. Einen Tag nach den Herbstferien, am Montag zumal, ist mit solchen Zahlen kaum zu rechnen. Der Manager schaut, nicht nur in diesem Fall, voraus. Am nächsten Sonntag empfängt Generali Haching die Berliner, in einer Neuauflage des spannenden Meisterschaftsfinales der vergangenen Saison. Aber nicht wieder in der kleinen Arena in Unterhaching, in die nur 1500 Menschen passen. Sondern in der über 12.000 Fans Platz bietenden Olympiahalle in München. Ein Quantensprung für die Liga.

Ein Quantensprung? Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass bis Freitag rund 2000 Tickets verkauft waren. "Wir hoffen, dass es 4000 bis 5000 werden", gab sich Pressesprecher Jochen Wessels zurückhaltend. Auch eine solche Zahl wäre für den Vereinsvolleyball in Deutschland ein schöner Erfolg. Die 4215 Zuschauer, die in der vergangenen Spielzeit durchschnittlich zu den BR Volleys pilgerten, sind kein vernünftiger Maßstab und in ganz Europa unübertroffen; der Ligawert beläuft sich auf 1318. Selbst das waren so viele wie nie zuvor. Berlin, dessen zählbare Kundschaft vor drei Jahren noch in vergleichbaren Dimensionen dümpelte, ist seit dem Umzug von der Sömmeringsporthalle nach Prenzlauer Berg die Lokomotive einer Entwicklung, die erst beginnt. Beginnen soll.

Ziel ist die Titelverteidigung

"Das lässt sich nicht mehr sprunghaft steigern", warnt auch Niroomand. Ziel müsse kontinuierliches Wachstum sein. Hier und da passiert es schon, zaghaft. Zwei der zehn Bundesligisten treten diese Saison in neuen Hallen an: Der TV Bühl bietet jetzt 1700 Zuschauern Platz, der Moerser SC (mit Bestuhlung und Stehplätzen) 1800. Aufsteiger VC Dresden hat in der Margon-Arena gar eine Kapazität von 3500. "Man sieht auch, wie in die Mannschaften investiert wurde", sagt Berlins Manager. Der heutige Gegner Friedrichshafen und die Hachinger sowieso, aber auch Kontrahenten wie der TV Düren oder Bühl werden den Berlinern das Leben sehr schwer machen. Was an den sportlichen Zielen nichts ändert: "Sportler wollen Titel nie wieder hergeben", stellt Nationalspieler Felix Fischer klar, "nur das Erreichen des Finales wäre ja ein Rückschritt. Ziel muss die erfolgreiche Titelverteidigung sein."

Im organisatorischen Bereich wollen sich die Berliner erst recht nicht einholen lassen. "Bei den Standards müssen wir alle anderen das Fürchten lehren", wünscht sich Niroomand, "an jeder Schraube weiterdrehen und schauen: Was können wir noch verbessern?" Und gleich wurde losgelegt: In der Schmeling-Halle eine neue LED-Bande installiert, nach nur drei Jahren der Internet-Auftritt erneut modernisiert, als erster Bundesligaverein haben die BR Volleys neuerdings eine Smartphone-App. Stillstand ist Rückschritt.

Der neue Präsident schaut zu

Aber nicht nur Berlin bewegt sich - und nicht nur die Liga. Volleyball insgesamt hat positive Aufmerksamkeit erregt: durch das Beach-Duo Julius Brink/Jonas Reckermann vor allem, das Olympiagold in London gewann. Durch die Nationalmannschaft, die immerhin das Viertelfinale erreichte. Der Deutsche Volleyball-Verband hat seit August einen neuen, jüngeren Präsidenten. "Es ist sicher noch ein Weg zurückzulegen", sagt dieser Thomas Krohne, Sportökonom und ehemaliger Volleyballspieler, "aber mein persönliches Ziel ist es, dass Volleyball perspektivisch auf Augenhöhe mit Handball, Basketball und Eishockey wahrgenommen wird. Die Attraktivität des Volleyballs gibt das allemal her." Dass es so ist, davon will er sich heute in Berlin persönlich ein Bild machen. Alle sind so gespannt wie seit Jahren nicht mehr auf den Start der Saison. Eine weitere positive Nachricht: Auf DVL-live.tv werden ausgewählte Spiele, auch der Frauen-Bundesliga, live übertragen. Womit der Medienexperte Krohne zwar für den Moment, aber nicht für alle Zeiten zufrieden ist: "Der gesamte Volleyball muss sich nachhaltig professionalisieren, dann werden auch die Chancen für den Ausbau unserer Medienpräsenz steigen."

Volleyball gespielt wird natürlich auch noch. Erstmals sind mit Berlin, Haching und Friedrichshafen drei deutsche Männer-Teams in der Champions League am Start. Diesen drei wird auch am ehesten der Gewinn der Meisterschaft zugetraut. Der Gejagte ist mal nicht der 12-malige Champion vom Bodensee, sondern der Titelverteidiger. Für die BR Volleys sagt Trainer Mark Lebedew: "Wir sind besser als letztes Jahr. Es kann also nichts schiefgehen. Bis das erste Spiel kommt."