Volleyball

Ein Idol werden wie Rödl für Alba oder Felski für die Eisbären

Warum Robert Kromm nach Berlin zurückgekehrt ist

- Als die Kellnerin den Cappuccino bringt, beantwortet sich die Frage beinah von selbst: Gibt es etwas, das er so richtig vermisst, wenn er an Italien denkt? Immerhin sechs Jahre lang hat Robert Kromm dort gelebt, die Sprache gelernt, professionell Volleyball gespielt, zwischendurch auch einfach mal sein Dasein genossen. Der 28-Jährige lächelt. Natürlich, Essen und Trinken waren ein Erlebnis, aber vor allem: "Das Wetter! Bis in den November hinein war es warm." Da kann sich der Berliner Oktober strecken, wie er will - in Rom sind es immer noch 25 Grad, die Menschen sitzen in sommerlicher Kleidung in den Cafés und flirten hinter Sonnenbrillen.

Geht es nach Kromm, wird das eine schöne Erinnerung bleiben. Und er in Berlin. Blauer Himmel oder nicht, alle Wetter: "Ich fühle mich sehr wohl und kann mir vorstellen, lange hier zu spielen." Schon einmal war der gebürtige Schweriner in Berlin gelandet, als talentierter Riese, war Deutscher Meister geworden mit dem SCC, der inzwischen als Berlin Recycling Volleys antritt. Es war nur eine Zwischenlandung, damals entschied sich der 2,12 Meter große Schlaks, die Volleyball-Welt zu erkunden. Da war er 21 Jahre jung. Nun ist er zurück, als Familienvater, und hat sehr konkrete Vorstellungen, was hier in den nächsten Jahren geschehen soll. Berlin ist für ihn nicht mehr irgendeine Karrierestation. Was Henrik Rödl oder Wendell Alexis für Albas Basketballer wurden, Sven Felski oder Stefan Ustorf für die Eisbären, das möchte er für die BR Volleys sein: "Das ist ein Traum von mir: Ich möchte wichtig werden für die Mannschaft, wichtig für den Verein."

Damit untrennbar verbunden ist, das weiß er, dass man sportlich erfolgreich ist. Kromm glaubt, in Berlin hervorragende Bedingungen dafür gefunden zu haben. Als er damals die Stadt verließ, hätte er diese enorme Entwicklung des Vereins nicht für möglich gehalten. Damals wurde eher beklagt, wie groß doch die Konkurrenz in der Metropole sei. Nun hat sich die Sportart in Berlin etabliert, neben Eishockey, Basketball, Handball.

Die Mannschaft, in der er jüngst zum Vizekapitän ernannt wurde, gibt aus seiner Sicht ebenfalls Anlass zu großen Hoffnungen. "Eine super Truppe", sagt Kromm, der sich prächtig aufgenommen fühlt. Eine gute Struktur sei da, weil zehn von zwölf Meisterspielern gehalten wurden. Zwei, nämlich Felix Fischer und Aleksandar Spirovski, kennt er sogar noch aus seiner früheren Berliner Zeit - mit ihnen hat er 2004 schon einen Titel gewonnen. Die Hierarchie sei flach, alle würden gleich behandelt. Und die beiden US-Amerikaner im Team, Kapitän Scott Touzinsky und Kawika Shoji, seien das ganz spezielle Element. Sie würden mit ihrer Offenheit alle Probleme aus der Welt reden, bevor sie groß würden: "Sie sprechen viel, um alles zu klären. Das ist sehr positiv."

Andere emotionale Bindung

Alles scheint auf gutem Wege. Die Freundin konnte endlich die Ausbildung zur Erzieherin beginnen, die sie immer schon machen wollte, die aber wegen Italien warten musste. Der gemeinsame Sohn fühlt sich in der Kita ebenso wohl wie seine Eltern im Schöneberger Kiez. Und Robert Kromm hat Ruhe gefunden, sich von dem "Schlag ins Gesicht" zu erholen, der ihn traf, kaum, dass er in der alten Heimat wieder heimisch geworden war. Als letzter Spieler der Nationalmannschaft wurde er im Mai ausgerechnet in Berlin aus dem Olympiakader gestrichen. "Das hat genagt. Ich brauchte Abstand." Die folgende Einladung zur EM-Qualifikation hat Kromm dankend abgelehnt - er mochte nicht dabei sein, wenn die Kollegen sich fröhlich über ihre London-Erfahrungen austauschten, "das brauchte ich nicht. Aber jetzt will ich auch da unbedingt wieder angreifen".

So spricht niemand, der sich nach aufregenden Jahren im Ausland nun auf geruhsame Zeiten einstellt. Sehr ehrgeizig sei Robert Kromm, hat BR Volleys-Trainer Mark Lebedew zufrieden in der Vorbereitungszeit festgestellt, "motiviert und ein Leistungsträger. Er will hier was erreichen". Was, das erklärt der Gelobte gern noch mal: "Titel gewinnen, guten Volleyball spielen in der eigenen Stadt." Ein Idol werden, das neue prägende Gesicht der BR Volleys. Ist so jemand noch nervös vor dem ersten Spiel? Kromm lacht: "Klar bin ich nervös, da wird richtig was los sein in der Schmeling-Halle." Und wenn die Fans erst laut werden, "das ist doch ein ganz anderes Feeling als im Ausland, eine andere emotionale Bindung. Das wird sich noch vertiefen." Kein Vergleich zu Italien.