Privatleben

Schwimm-Star Britta Steffen verlässt Berlin

Umzug zum Freund nach Halle überrascht Verband

Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen (29) hat auf ihrem weiteren Karriereweg eine Wende vollzogen - und damit sogar den Verband überrascht. Statt mit ihrem langjährigen Coach Norbert Warnatzsch wird die Goldmedaillengewinnerin von Peking künftig mit Frank Embacher, dem Trainer ihres Freundes Paul Biedermann, zusammenarbeiten. "Nach Abwägung der Gründe dafür oder dagegen, hat die Liebe den ausschlaggebenden Punkt ergeben. Für beide ist es der Schritt in die Gemeinsamkeit und irgendwie auch in die Selbstständigkeit, denn gerade für Paul wird ein eigenes Heim eine neue Herausforderung sein", sagte Embacher.

Steffen, die in Berlin-Grünau ein Haus besitzt, wird nach Jahren des Pendelns mit Freund Paul in Halle/Saale zusammenziehen. Gemeinsam starten die beiden am Wochenende beim Kurzbahn-Weltcup in Stockholm. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) war von seiner Top-Athletin oder den Trainern nicht informiert worden. "Ich habe bis zur Pressemeldung nichts von diesem Wechsel gewusst", sagte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. Vom 65-jährigen Warnatzsch, der nach Olympia in London aus Enttäuschung über die Leistung seiner Trainingsgruppe den Rücktritt angekündigt und dann auch nach öffentlicher Fürsprache Steffens doch weitergemacht hatte, gab es keine Stellungnahme.

"Ich werde 29 Jahre alt. In diesem Alter möchte ich die Zeit unter der Woche nicht mehr im Haus der Athleten verbringen. Die letzten drei Jahre meines privaten Glücks habe ich dem Sport untergeordnet. Jetzt möchte ich mit Paul keine Wochenendbeziehung mehr führen. Aufgrund dieser Umstände werde ich nicht mehr in Berlin trainieren und zusammen mit Paul meine sportlichen Ziele in Halle verfolgen", hieß es in einer vom Management verbreiteten Erklärung Steffens, die ihre Beziehung zu Biedermann im März 2010 öffentlich gemacht hatte.

Als Steffen vor einem Monat ihre Karrierefortsetzung bis 2014 erklärte, hatte alles noch nach einer Zukunft mit Warnatzsch geklungen. Unter ihm wurde sie Weltmeisterin und Olympiasiegerin, musste aber zuletzt auch Enttäuschungen verkraften. "Norbert und ich arbeiten seit zehn Jahren sehr intensiv zusammen. Egal wie: Wir werden uns auf gar keinen Fall verloren gehen. Natürlich wünsche ich mir, dass es eine gemeinsame Zukunft gibt." Laut Embacher überlässt Warnatzsch für den weiteren Weg wichtige Unterlagen, er wird auch weiter für Ratschläge zur Verfügung stehen.

Schwimmpalast ohne Topsportler

Die neuerliche Wende dürfte insbesondere dem DSV bitter aufstoßen, der intern schon nach Wegen gesucht hatte, wie und wo Warnatzsch vertraglich eingebunden werden könnte. Neben Warnatzsch war auch Psychologin Friederike Janofske ein Fixpunkt Steffens in Berlin. Der dortige Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen, trotz der Schwimmhalle am Europapark vor kurzem erst für 35 Millionen Euro renoviert, verliert nach Tim Wallburger (zu Ex-Bundestrainer Dirk Lange) und Dorothea Brandt (nach Essen) nun auch seine prominenteste Schwimmerin.

Generell herrscht große Unsicherheit im Schwimmverband Seine Situation sei "erst mal nur bis Ende Dezember geklärt, da der DSV die vertraglich festgelegten Gespräche mit seinen Trainern um Vertragsverhandlungen per Brief abgesagt hat", kritisierte Embacher, dessen Vertrag wie bei anderen Stützpunkttrainern auch zum Jahresende ausläuft. Die meisten Trainer haben sich daher beim Arbeitsamt zum 1. Januar arbeitslos gemeldet oder auf offene Stellen beim Landessportbund beworben. Ob bis den DSV-Präsidiumsneuwahlen am 9./10. November ein Bundestrainer benannt wird, ist fraglich. Offenbar lässt DSV-Chefin Christa Thiel diesen nun auch im Ausland suchen.