EHC Eisbären

Jetzt braucht nur noch die Abwehr einen Star

NHL-Profi Claude Giroux schießt sein erstes DEL-Tor, dennoch verlieren die Eisbären gegen den Tabellenführer Kölner Haie

Ein bisschen nervös waren wohl alle, einige sogar etwas mehr. Superstars wie Claude Giroux und Daniel Briere, die wegen des Arbeitskampfes in der NHL nun für die Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielen, sind eben Raritäten hierzulande. Da bekam selbst die Hallenregie in der O2 World feuchte Hände. In Erwartung eines Offensivspektakels der beiden Weltklassestürmer ruhten die Finger wohl permanent auf dem Kopf, der die Einspielmusik für EHC-Tore auslöst. Das "Berlin, Halleluja Berlin" ertönte nun selbst dann schon mal, wenn der Puck knapp daneben ging - oder die Kölner Haie ein Tor schossen. Es bleibt also festzuhalten: Die NHL-Stars sorgen definitiv für Aufregung in Berlin.

Spektakulär war auch das Spiel zwischen dem verstärkten Meister und dem Tabellenführer, mit zig Offensivaktionen. Die Unterstützung aus Nordamerika führte dabei jedoch nicht zu einem Erfolg für den Titelverteidiger, die Berliner unterlagen 5:6 (1:1, 1:1, 3:4) und mussten erkennen, dass die Haie in dieser Saison ein sehr schwieriger Gegner sind.

Von der Qualität von Giroux und Briere musste sicher niemand überzeugt werden. Die Frage lautete viel mehr: Wie viel davon würden die sie in der ersten DEL-Partie zeigen können? Schließlich haben sie den Sommer über nicht gespielt und gerade einmal drei Tage mit den Berlinern trainiert. Etwas wenig, um gleich die ganz große Chemie zu entwickeln mit Sturmpartner André Rankel.

In der Startformation standen sie natürlich trotzdem. Das Publikum wirkte dankbar, euphorischer als sonst, als wollte es demonstrieren, dass in der mit 14.200 Zuschauern ausverkauften O2 World mehr los ist als in Philadelphia. Dort drehen Giroux und Briere sonst ihre Kreise und spielen die Gegner schwindelig. So richtig gelang ihnen das im ersten Auftritt erwartungsgemäß noch nicht. Aber sie deuteten an, dass noch eine Menge zu erleben sein wird. Bei einem der ersten Angriffe eroberte Claude Giroux den Puck, passte ihn zu Mark Katic, der gab ihn weiter zu Daniel Briere. Briere verzögerte zunächst, wartete, bis Katic in Schussposition kam, spielte ab und bejubelte das 1:0 durch den Verteidiger (7.). Ein starker Auftakt, der allerdings umgehend egalisiert wurde von den Haien. Ein Konter der Berliner wurde nach einem Fehler von Laurin Braun abgefangen, den Gegenkonter vollendete Charles Stephens (8.).

Da war schon zu erahnen, dass die Partie schwer werden würde. Eigentlich hatten die Kölner sich zuletzt vom Spitzeneishockey verabschiedet, doch die Durststrecke veranlasste die Sponsoren der Haie, mehr Geld locker zu machen. Folglich wurde das Team im Sommer enorm verstärkt. Der frühere Bundestrainer Uwe Krupp ließ die Mannschaft zudem einen Monat früher als die Konkurrenz mit dem Training beginnen. Das zahlt sich nun aus.

Sehr gut eingespielt wirken die Haie, ihre Kombinationen laufen flüssig, sie gehen früh und aggressiv auf den Gegner. Gegen den EHC sah so aus, als wollten sie der neu formierten Abwehr der Berliner - die Stürmer Julian Talbot und Travis Mulock waren von Trainer Don Jackson nach der Ankunft von Giroux und Briere umfunktioniert worden - keine Gelegenheit geben, sich abzustimmen.

Viel Wert auf die Defensive wurde ohnehin auf beiden Seiten nicht gelegt, es war ein Spiel der Sturmreihen, die sich teilweise einen epischen Schlagabtausch lieferten. Im Hochgeschwindigkeitstempo ging es hin und her, Chancen ergaben sich reihenweise. Die Führung für die Gäste erzielte dabei EHC-Stürmer Florian Busch, der den Puck ins eigene Tor bugsierte (37.). Doch es war ein Tag der schnellen Antworten, Laurin Braun traf umgehend zum 2:2 (38.). Als John Tripp erneut vorlegte für die Haie (46.), zog Claude Giroux nach ein paar schnellen Täuschungen mit dem Schläger ab und erzielte das 3:3 (47.). Das 3:4 (50.) konterte Braun aber bereits mit etwas Verzögerung (52.). Nach dem 5:4 durch Tripp (53.) ließen die Haie den Eisbären in den hektischen Schlussminuten keine Zeit und trafen durch Philip Gogulla gleich zum 6:4 (53.). Die Antworten gingen den Berlinern da noch nicht aus, doch der Anschluss durch Talbot erfolgte zu spät (57.). Nach drei Siegen in Folge mussten die Eisbären damit wieder eine Niederlage hinnehmen - ausgerechnet zum Debüt der neuen Stars. "Eine interessante Erfahrung, hier läuft einiges anders als in der NHL", staunte Giroux. Aber Siege sind bei sechs Gegentreffern auch in Deutschland selten. Ob nun nervös oder nicht.