Neue Biografie

Neureuther stichelt gegen Maria Riesch

Skistar lästert über Biografie: "Hat noch nicht mal meine Mutter gemacht"

Felix Neureuther sah zum Wochenanfang mitgenommen aus. Er hatte einen großen Kratzer mitten auf der Nase, ein Andenken ans Wochenende. Da nämlich war Neureuther auf dem Oktoberfest. Er sagte, es sei ein alter Freund gewesen, der ihn aus Wiedersehensfreude zu heftig begrüßt und ihm dabei die Nase ramponiert habe.

Früher wäre ihm so etwas nicht passiert. Früher ging Neureuther nämlich gar nicht erst dorthin. "In den vergangenen Jahren hätte ich mir einen Wiesn-Besuch nie erlaubt", sagte er, "da habe ich mich zu sehr verbarrikadiert und viel falsch gemacht. Jetzt sehe ich das lockerer", sagt er. Eine neue Gelassenheit als Folge vieler bitterer Erfahrungen.

Wie jedes Jahr Anfang Oktober lud der Skiverband zum Medientag. Nicht wie sonst irgendwo in die Alpen nahe der Trainingsgletscher, sondern in die DSV-Zentrale in Planegg bei München. Das war anders, und auch der Felix, der dort auftrat, war irgendwie neu. Gereifter, gestandener, auch klarer in seinen Ansichten. Über sich selbst und über andere Dinge. Wie etwa über das Buch einer Teamkollegin.

Keiner der Alpinfahrer wollte sich äußern zur Autobiografie von Maria Höfl-Riesch mit dem Titel "Geradeaus - Höhen und Tiefen meines Lebens". Einzig Neureuther machte klar, was er davon hielt. Nämlich herzlich wenig. "Meine Mama (Doppel-Olympiasiegerin Rosi Mittermaier, d. Red. ) ist 62 und hat auch noch nicht über ihre Höhen und Tiefen geschrieben. Ich werde das auch nicht tun, ich weiß nicht, ob es die Leute interessiert, dass sie mich als Kind gehänselt haben, weil ich Neureuther heiße."

Auf die Frage, ob er das Buch doch noch lesen werde, sagte er unmissverständlich: "Ich glaube, es gibt interessantere und wissenswertere Lektüre." Dann ging es noch um die Passage, in der Höfl-Riesch den Weltcup-Zirkus wegen munterer Nächte in den Mannschaftshotels als "Porno-Zirkus" beschrieb. Neureuthers Kommentar dazu: "Ich hatte im Sommer ja schon Entzugserscheinungen." Maria Höfl-Riesch war auch da beim Medientag. Auch sie sagte etwas zu der Passage über den Porno-Zirkus: "Das ist von den Medien aufgebauscht worden." Das war schon bemerkenswert.

Bemerkenswert war auch zu beobachten, wie unterschiedlich sich Riesch und Neureuther entwickelt haben. Hier der perfekt geschminkte Werbestar. Daneben der unaufgeräumt wirkende Neureuther, mit Nasen-Narbe, roten Wangen und zerzaustem Haar so etwas wie ein Anti-Riesch.

Auch von den Erfolgen her. Zwei Weltcup-Siege in zehn Jahren, das hatte er sich anders vorgestellt. Und auch hier sprach er nun Klartext: "Ich wollte alles perfekt planen, mich hundertprozentig vorbereiten, nichts dem Zufall überlassen." Wie etwa bei der Heim-WM 2011, die dann wie so viele Großereignisse im Frust endeten. "Daraus habe ich gelernt. Ich darf mich nicht mehr kaputt machen", sagte er. "Ich möchte den Kopf freier haben." Für die WM im Februar in Schladming. Und für die letzten Jahre seiner Karriere.