EHC Eisbären

Schneller Zauber für Berlin

Gleich nach der Landung zeigen die neuen NHL-Stars der Eisbären, was sie mit dem Puck so alles anstellen können

- Es war sogar extra jemand da, der dafür sorgte, dass die beiden unversehrt wieder in der Kabine ankamen, der ihnen Platz verschaffte. Offenbar aber störte Daniel Briere und Claude Giroux der ganze Auflauf nicht, sie blieben stehen, lächelten, ließen sich fotografieren mit Fans, deren Augen vor Glück leuchteten. Gut 250 kamen, um die erste Trainingseinheit der beiden Stars mit den Eisbären, die sonst eher vor leeren Rängen üben, zu verfolgen.

Die ganze Nacht über waren sie geflogen, um 7.30 Uhr in Berlin gelandet und standen um 10.30 Uhr schon auf dem Eis. Sehenswertes konnten sie trotz der Strapazen sofort bieten. Wobei Julian Talbot sich wohl kaum mehr erinnern kann, was Giroux da bei einer Zweikampfübung mit ihm anstellte. So schnell ließ der NHL-Profi den Puck am Schläger von einer zur anderen Seite wandern, dass Talbot irgendwann im verzweifelten Versuch, den Bewegungen zu folgen, das Gleichgewicht verlor. "Sie sind eben nicht irgendwelche NHL-Spieler, sie sind Superstars", sagte Rob Zepp lächelnd.

Gespräche auf dem Eis

Der Torhüter des deutschen Eishockey-Meisters plauderte gleich ein bisschen ausführlicher mit Briere. "Ich will helfen, dass sie sich wohlfühlen hier", so Zepp. Zuvor hatte schon Trainer Don Jackson ein paar Minuten mit ihnen auf dem Eis zusammengestanden. "Sie wollten über unser Defensivspiel reden", sagte Jackson. Briere hatte das 6:5 gegen Nürnberg im Internet gesehen. "Und er hat gleich das Defensivspiel analysiert und einen Taktik-Vorschlag gemacht." Jackson grinste. Giroux wollte wissen, ob er denn in Überzahl spielen könne. Er darf.

Am Mittwoch setzen sich Jackson und die beiden Stürmer hin und reden ausführlich über die Spielweise der Eisbären. "Wie jeder neue Spieler müssen sie das System kennenlernen", so der Trainer. Bislang wissen Giroux und Briere nur Grundsätzliches. "Der Stil in der DEL ist ähnlich wie in der NHL", sagt Giroux. Briere hat gehört, dass die Liga recht gut sei. Ähnlich wie in der Schweiz. Dort war er, als die NHL die Saison 2004/05 ausfallen ließ, weil Spieler und Klubbesitzer uneins waren bezüglich der Verteilung der Einnahmen der besten Liga der Welt.

Jetzt sind sie es wieder, die NHL pausiert. "Aber ich bin ein Spieler und ich will spielen", sagt Briere. Er freue sich, dass er es nun in Berlin kann. "Ich habe so viele Angebote gesichtet, wie ich konnte. Als es hieß, wir könnten gemeinsam hier spielen, haben wir uns informiert. Dann war es eine leichte Entscheidung", erzählt Claude Giroux, der sonst wie Briere sein Geld bei den Philadelphia Flyers verdient. Bis zum 31. Dezember läuft ihr Vertrag, sollte die NHL vorher wieder spielen, kehren sie zurück. Pausiert sie weiter, dann will EHC-Manager Peter John Lee sie auch länger hier behalten.

Beide sind großartige Spieler, deshalb war die Stimmung am Dienstag sehr ausgelassen. Wahlweise wurde von einem Vergnügen gesprochen, mal von einem Geschenk, sie hier zu haben. Giroux und Briere kommen aber auch mit unterschiedlichen Perspektiven. Briere hat mit 35 Jahren schon viel erlebt. "Viele Kollegen sehen die Zeit, in der die NHL nicht spielt, als verlorene Zeit, in der sie viel Geld verlieren. Für mich geht es nicht ums Geld. Als ich den letzten Lockout in der Schweiz verbracht habe, war das eine tolle Erfahrung. Das kann man nicht bezahlen", sagt er. Derzeit liegt sein NHL-Gehalt bei sieben Millionen Dollar.

Giroux' große Zeit wird erst kommen, mit 24 Jahren zählt er zwar schon zu den Besten der NHL. Aber er findet sich noch nicht gut genug. "Ich bin sicher, dass es auch hier gute Trainer und Spieler gibt, so dass ich etwas lernen und mich verbessern kann", sagt er. Am Ende hätte er genauso etwas davon wie die Mannschaft, der er helfen will.

Sturm-Kollege Talbot hat seine private Lektion bereits bekommen. Aber direkter Kontakt war gar nicht nötig, um die Auswirkungen ihrer Anwesenheit zu spüren. "Im Training war schon ein anderer Zug drin, jeder macht einen Schritt mehr", stellte Kapitän André Rankel fest. Ansonsten fiel ihre Schnelligkeit auf, ihre guten Hände, ihre präzisen Pässe. Nationalspieler Rankel wird die Ehre zuteil werden, mit den beiden in einer Reihe zu spielen. "Ich freue mich darauf und werde mir Mühe geben, nicht die Bremse zu sein."

Jackson sagt schon lange, dass Rankel die Power hat, in der NHL zu spielen, jetzt bietet sich ihm eine interessante Probe, wie gut sein Niveau im Vergleich so ist. Die Eisbären als Organisation haben jedenfalls schon einen ganz ordentlichen Ruf in Nordamerika. "Wir haben nur Gutes gehört", sagt Claude Giroux. Man habe ihm erzählt, dass es einer der besten Orte ist, an denen man Eishockey spielen kann. Dazu kommen die Fans, die Arena. "Es gab viele Gründe, die uns nach Berlin geführt haben", erzählt Daniel Briere. Ein Gefühl dafür, wie lange der Lockout anhalten könnte, hat er nicht. "Die Verhandlungen gehen hin und her. Ich weiß nicht, was passieren wird."

Aus Sicht der Eisbären hoffentlich erst einmal nichts. Die Beiden sollen möglichst länger als nur ein paar Spiele in Berlin, das erste am Freitag gegen Köln (19.30 Uhr, O2 World und laola1.tv), verbringen. Manager Lee hat nächtelang durchgearbeitet, um den Transfer perfekt zu machen. Als er Giroux und Briere am Dienstagnachmittag endlich offiziell präsentieren konnte, sagte er: "Ich glaube, das ist ein großer Tag für die Eisbären." Müde sahen die Superstars da immer noch nicht aus, aber sie hatten schon mal gezeigt, was sie soweit gebracht hat. Sie waren trotz nächtlicher Reisestrapazen die Letzten, die vom Eis kamen.