Handball

FC Barcelona erteilt den Füchsen eine Lehrstunde

Berliner Handballer kassieren deftige erste Saisonniederlage

- Vor dem Anwurf wurde in einer Schweigeminute eines großen Handballspielers gedacht. Erhard Wunderlich, Weltmeister von 1978, war Mitte der Woche im Alter von nur 55 Jahren gestorben. Auch in Spanien erinnert man sich noch sehr gut an den blonden Deutschen, er hatte Mitte der 80er-Jahre das Trikot des FC Barcelona getragen. Doch dieser Moment der Besinnung kann kaum als Erklärung dafür genommen werden, welch traurige Vorstellung die Füchse Berlin in der katalanischen Hauptstadt ablieferten. Der Bundesliga-Tabellenführer verlor sein Gruppenspiel in der Champions League beim FC Barcelona 23:34 (10:15). Es war die erste Berliner Saisonniederlage im zehnten Pflichtspiel.

Spaß wolle er haben, hatte Füchse-Star Iker Romero vor der Rückkehr an seine ehemalige Wirkungsstätte voller Optimismus gesagt. Trainer Dagur Sigurdsson wusste zwar, "dass es schwer wird, aber wir rechnen uns Chancen aus". Da können beide nicht geahnt haben, was für freudlose sechzig Minuten ihnen bevorstanden. Zwar brachte Bartlomiej Jaszka die Berliner mit 1:0 in Führung, doch es blieb der einzige Vorsprung, den die Gäste bejubeln durften. Danach erhielten sie eine wahre Lehrstunde vom siebenmaligen Champions-League-Sieger, der allerdings nicht einmal eine großartige Leistung dafür abrufen musste.

In Sigurdsson brodelte es

Oft kopfschüttelnd, doch äußerlich ruhig betrachtete Sigurdsson das Treiben seiner Schützlinge. Man konnte nur vermuten, dass es in ihm brodelte wie in einem isländischen Geysir. Was er sah, muss ihn schwer enttäuscht haben. In der Abwehr wirkten die Berliner unentschlossen, wenig zupackend, niemals wie eine Einheit. Vermutlich war der Respekt einfach zu groß. Allzu leicht kamen die Spanier zu ihren Treffern. Was gewiss nicht an Torwart Silvio Heinevetter lag - der hielt, was zu halten war. Doch oft prallte der Ball nach gelungenen Paraden zurück, ein Spieler der Gastgeber verwandelte im zweiten Versuch, während die Berliner sich mit der Zuschauerrolle begnügten. Was Heinevetter verständlicherweise fuchste.

Neben den Schwächen in der Defensive lief auch im Angriff wenig zusammen. Denn anders als ihre Kontrahenten verteidigten die Katalanen aufopferungsvoll. Anspiele an den Kreis oder über die Außenpositionen hatten so Seltenheitswert, die Berliner waren zu Würfen aus dem Rückraum gezwungen. Entweder sie zielten schlecht, oder der bullige Arpad Sterbik im Barca-Kasten, ein gebürtiger Ungar mit serbischem und spanischem Pass, raubte ihnen den letzten Nerv. Und so wurde aus einem 4:5-Rückstand innerhalb weniger Minuten ein 4:10. Der FC Barcelona wechselte jetzt bereits fröhlich durch; wer immer ins Spiel kam, durfte sich am Trefferreigen beteiligen. Zugleich war diesem Wechselspiel geschuldet, dass auch die Spanier nicht heißliefen und der Abstand bis zur Pause sich noch in erträglichem Rahmen hielt. So schien in Halbzeit zwei zumindest ein Heranpirschen aus Füchse-Sicht durchaus möglich.

Trostlose Reisen nach Spanien

Aber nicht so, wie sie sich präsentierten, denn so zerschlugen sich alle Berliner Hoffnungen sehr schnell. Nun wurden in der Abwehr sogar giftige Worte gewechselt, wenn wieder einmal Gegentreffer kassiert wurden, bei denen sich der FC Barcelona kaum ins Zeug legen musste. Der wackere Heinevetter konnte einem beinahe leid tun. Nach nicht einmal 40 Minuten betrug der Vorsprung der Gastgeber erstmals zehn Tore (22:12), sechs Treffer in Folge sorgten für die frühe Entscheidung. Nicht einer Steigerung der Füchse, sondern einem nun deutlichen Nachlassen der siegessicheren Hausherren war zu verdanken, dass die Niederlage nicht noch demoralisierender ausfiel. Wie in der vergangenen Saison bei den Champions-League-Auftritten bei Atletico Madrid (27:32) und Ademar Leon (23:34) erwies sich die Reise nach Spanien erneut als ernüchternder Ausflug. Der als einiger von wenigen Füchsen nie aufgebende Iker Romero, der acht Jahre lang für die Katalanen gespielt hatte, war mit vier Toren noch bester Berliner Werfer.