Eishockey

Fortschritte im Teamspiel

Die Eisbären finden sich als Mannschaft und empfangen heute die Hamburg Freezers

- Jeff Tomlinson jedenfalls meckerte: "Wir wollen zwar schönes und offensives Eishockey spielen, aber das war heute zu wild für mich." Man kann ihn sogar verstehen, er ist Trainer der Nürnberg Ice Tigers. Die spielten am Freitag zwar sehr angriffsorientiert und erzielten auch fünf Tore. Nur muss das nicht zwangsläufig ausreichen, wenn der Gegner genauso stürmisch ist und dazu noch einen Tick mehr daran denkt, dass zu einem Spiel auch die Abwehrarbeit gehört. So traf der EHC Eisbären sechsmal und gewann.

Noch zu Beginn der Woche wäre das kaum für möglich gehalten worden. Die Berliner, immerhin Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), taumelten von Personalproblemen geplagt und etwas zu jugendlich aufgestellt vor sich hin. An den Bedingungen hat sich grundsätzlich nichts geändert, dennoch gelangen in Krefeld (4:2) und Nürnberg, ein designiertes Spitzenteam, erstmals zwei Siege in Folge in der neuen Saison. "Unsere Spieler haben ihren Willen und die Konzentration nicht verloren", sagte Trainer Don Jackson in Nürnberg.

Zuletzt hatte der US-Amerikaner Geduld angemahnt. Wegen der großen Veränderungen in der Mannschaft fehlten den Spielern das Vertrauen und die Fähigkeit, das offensive System der Berliner adäquat umzusetzen. Nun gewöhnen sich sowohl die neuen als auch die jungen Profis mehr und mehr daran. "Wir spielen wieder mehr als Mannschaft", sagt Kapitän André Rankel. Das genügt zwar noch nicht, um die Aussetzer in der Defensive zu minimieren. Aber es ist ein Anfang. In Nürnberg wirkten die Berliner sogar teilweise wie besessen im Verlangen, die Partie nach einem 2:4-Rückstand noch zu gewinnen. Das mutete an wie der Martinez-Effekt, von dem kürzlich beim Fußball-Rekordmeister FC Bayern die Rede war. Mit dem 40-Millionen-Transfer im Anmarsch wirkte das ganze Ensemble wie aufgedreht und zeigte Spitzenleistungen. Beim DEL-Rekordmeister stehen nun gleich zwei Superstars aus Kanada vor der Tür, die die Zeit des Arbeitskampfes in der NHL in Berlin verbringen wollen.

Die Nachricht, dass Claude Giroux, drittbester Scorer der vergangenen NHL-Saison, und Daniel Briere in Kürze auftauchen sollen, hat sich schnell in der Mannschaft verbreitet und einigen wohl Beine gemacht. Schließlich möchte niemand seinen Platz im Angriff freiwillig hergeben. Frank Hördler betrifft das nicht, er ist Verteidiger. "Ich kenne mich da drüben nicht so aus, habe aber gehört, dass das zwei Kanonen sein sollen. Ich freue mich darauf", sagt der Nationalspieler. Am Sonntag kann er schon mal sehen, worum Giroux und Briere so kämpfen. Gegen die Hamburg Freezers wird die NHL-Trophäe, der Stanley Cup, in der O2 World ausgestellt (16.30 Uhr).