Motorsport

Mit Vollgas auf die Zielgerade der Saison

Weltmeister Sebastian Vettel ist rechtzeitig in Topform und startet in Suzuka von der Poleposition

- Pünktlich zum Titel-Endspurt in der Formel 1 sind der Vettel-Finger und das Lachen des Champions zurück. Mit breitem Grinsen, mit zur Faust geballter Hand und schließlich seinem Markenzeichen, dem gestreckten Zeigefinger, feierte Sebastian Vettel am Sonnabend in Suzuka die 34. Poleposition seiner Karriere. "Das war vielleicht perfekt. Das Auto fühlte sich von Beginn an fantastisch an", jubelte Vettel nach der Qualifikation zum Großen Preis von Japan am Sonntag (8 Uhr/RTL und Sky). Mit gerade einmal 25 Jahren ist der Heppenheimer damit in der Bestenliste der Fahrer auf Poleposition alleiniger Dritter.

Red Bull dominiert die Konkurrenz

Allerdings wurde die eindrucksvolle Demonstration der neuen Red-Bull-Stärke erst nach über zwei Stunden Beratungen der Rennkommissare bestätigt. WM-Spitzenreiter Fernando Alonso (194 Punkte) fühlte sich beim Versuch einer schnellen Runde vom Gesamtzweiten Vettel (165) behindert. Um 18.13 Uhr Ortszeit konnte der Champion aufatmen und sich ganz auf die Fortsetzung seiner WM-Aufholjagd am Sonntag konzentrieren. Er kam mit einer Verwarnung der Rennrichter davon. Alonso muss von Platz sechs starten. "Heute war ein guter Schritt, aber Punkte gibt es dafür noch keine. Daher kommt die Hauptaufgabe erst morgen", mahnte Vettel dennoch.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner warnte indes die Konkurrenz des Doppelchampions. "Sebastian ist in Topform", befand der Engländer, der auch durch den zweiten Startplatz von Vettels Teamkollegen Mark Webber allen Grund zur Freude hatte. Die Red Bulls präsentieren sich derzeit deutlich stärker als McLaren und Ferrari. "Besser kann man es nicht machen. Red Bull ist absolut top", lobte auch TV-Experte Niki Lauda.

Vettel profitierte vom Pech seiner WM-Kontrahenten Alonso, Kimi Räikkönen (Lotus) und Lewis Hamilton (McLaren). Als Alonso zu einer schnellen Runde ansetzen wollte, landete der WM-Dritte Räikkönen (149) nach einem Dreher im Kies. Durch die folgende Gelbe Flagge wurde der Spanier unfreiwillig ausgebremst und fühlte sich zusätzlich von Vettel behindert. Für den WM-Vierten Hamilton (142) reichte es am Ende nur zum neunten Platz in der Startreihenfolge.

"Das ist zu wenig. Die heutige Qualifikation war eine der enttäuschendsten des ganzen Jahres", haderte Hamilton, und Alonso schwante: "Das wird ein schwieriger Sonntag für uns. Wir brauchen jetzt eine gute Strategie." Denn Vettel winkt nun der dritte Sieg im vierten Jahr in Suzuka. Damit würde er seinen 29-Punkte-Rückstand auf Alonso weiter verkürzen.

Platz drei in der ewigen Rangliste

Durch die vierte Poleposition in seinem vierten Japan-Rennen ist der 25-Jährige ein kleines Stück an die Legenden Michael Schumacher (68 Polepositions) und Ayrton Senna (65) herangerückt, Alain Prost aus Frankreich sowie Jim Clark aus Großbritannien (jeweils 33) hat er übertroffen. Der Heppenheimer sieht sich aber nicht auf der Jagd nach diesem Rekord. "Es ist nicht so, dass ich an solche Dinge denke, wenn ich in den Wagen springe", sagte der Red-Bull-Pilot, "und die beiden sind ja auch noch ein ganzes Stück voraus." Schumacher, der am Donnerstag seinen endgültigen Rücktritt zum Saisonende angekündigt hatte, erlebte mit Mercedes einen bitteren Nachmittag. Der Rekordweltmeister startet am Sonntag aus der letzten Reihe, Teamkollege Nico Rosberg von Platz 13. "Katastrophe, um es auf den Punkt zu bringen", wetterte der künftige Mercedes-Aufsichtsratschef Lauda, der kritische Fragen an Teamchef Ross Brawn ankündigte. "Das ist nicht der richtige Weg. Michael hat im Rennen null Chancen. Wenn Nico die gleichen Probleme hat wie heute, wird es auch nicht weiter nach vorn gehen", schimpfte Lauda.

Zum dritten Mal in dieser Saison verpassten die Silberpfeile damit die Top Ten. Schumacher war eigentlich auf Platz 13 gefahren, darf wegen seines Auffahrunfalls beim vergangenen Rennen in Singapur allerdings nur von Rang 23 aus beginnen. "Das Auto war irgendwie nicht schnell genug, und dann hatte ich auch noch ein bisschen Verkehr. Dass ich dann auch noch strafversetzt werde, ist natürlich schade", haderte der 43-Jährige.

Die übrigen Deutschen Nico Hülkenberg und Timo Glock starten von den Plätzen 15 und 19. Hülkenberg wurde ein Unfall im Abschlusstraining zum Verhängnis, bei dem das Getriebe seines Force India beschädigt wurde und gewechselt werden musste. Dadurch wurde der Emmericher um fünf Startplätze zurückversetzt.