Zweite Liga

Immer wieder Mattuschka

Wie der Union-Kapitän in den vergangenen vier Partien zum Aufschwung des Zweitligisten beigetragen hat

- An Superlativen wurde nicht gespart. Von Traumtor war die Rede, von Tor des Monats, sogar des Jahres. Auch am Tag nach dem 2:2 des 1. FC Union beim FC St. Pauli gab es nur ein Gesprächsthema: der fulminante Ausgleichstreffer von Torsten Mattuschka. Nur der so hoch Gelobte wollte kein allzu großes Brimborium um sein drittes Saisontor machen. "Zum Glück ist mir der Ball abgerutscht, und wir haben endlich mal was auf St. Pauli geholt", sagte also der Kapitän des Berliner Fußball-Zweitligisten.

Es ehrt den seit Donnerstag 32-Jährigen, dass er sich auch in solchen Momenten nur als ein Rädchen innerhalb der Mannschaft sieht. Doch nach den vergangenen vier Partien kann die Frage schon erlaubt sein: Erleben wir derzeit den besten Mattuschka aller Zeiten? "Na ja, man sollte ihn jetzt mal nicht in den Himmel loben", bremste Trainer Uwe Neuhaus und meinte mit einem Augenzwinkern: "Warum nicht gleich so? Jedes Spiel zwei Tore, dann würden wir ganz woanders stehen."

Doch auch dem Coach dürfte nicht entgangen sein, dass es einen Grund gibt, warum man an der Alten Försterei nach nun vier Spielen ohne Niederlage endlich wieder in Richtung Liga-Mittelfeld schielen kann - Torsten Mattuschka. Die Statistik bringt es an den Tag: In den vergangenen vier Partien war "Tusche" an fünf der acht Union-Treffer direkt beteiligt. Siegtor gegen Köln (2:1), je eine Vorlage zur Führung in Aue (1:1) und gegen Cottbus (3:1), nun der Doppelpack am Millerntor - in der Phase, in der Union sich endlich aus dem Tabellenkeller zu befreien versuchte, war der Kapitän zur Stelle, wertvoller als je zuvor. Und wenn schon nicht vom eigenen, so gab es eben Lob vom Trainer des Gegners. "Solche Tore sind in seiner Karriere ja schon häufiger vorgekommen. Er hat eben diese riesige Qualität", sagte Thomas Meggle.

Wichtig sei, "dass wir uns als Mannschaft belohnt haben", sagte Mattuschka, der mit insgesamt 23 Toren auch Unions Rekordtorschütze in der Zweiten Liga ist, vor Steffen Baumgart und Sreto Ristic mit jeweils 22 Treffern. Denn wieder einmal haben es die Berliner nicht verstanden, auswärts einen Vorsprung auch ins Ziel zu retten. Im Gegenteil, wie schon zuvor im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus war gleich nach der Pause die Führung dahin. "Das ist unfassbar. Wir sitzen ja in der Kabine und sagen uns: Kommt Jungs, der Gegner wird drücken in der erste Viertelstunde, wir müssen alles reinhauen, jedes Körperteil, egal was. Und dann bekommt man mit der ersten Standardsituation das 1:1", erklärte Mattuschka. Auch sein Coach hatte sich nach der durchaus guten ersten Halbzeit gewünscht, "dass wir das über 90 Minuten durchziehen können. Doch wir haben nach der Pause zu viele Fehler gemacht und zu häufig die Mitte offen gehabt".

Solche Druckphasen gleich nach Wiederbeginn zu überstehen, noch dazu in solch einem Hexenkessel wie auf St. Pauli, liegt offensichtlich immer noch außer Reichweite der Köpenicker Kicker. So wie Mattuschkas Schüsse am Freitagabend außer Reichweite von St.-Pauli-Torwart Philipp Tschauner gewesen sind.