Zweite Liga

Mobbing-Opfer Pezzoni spielt bei Hertha vor

Verteidiger löste Vertrag in Köln nach Fan-Attacken

- Nach dem 3:0 gegen 1860 München haben die Profis von Hertha BSC heute und morgen frei. Wie immer in Länderspiel-Pausen sind dann einige Profis mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz (Roman Hubnik, Peter Pekarik, Änis Ben-Hatira). Dennoch wird Trainer Jos Luhukay bei der nächsten Trainingseinheit am Dienstag um 10 Uhr einen Neuen begrüßen. Die sportliche Leitung des Tabellen-Zweiten der Zweiten Liga hat aufgrund der prekären Lage in der Innenverteidigung ein 14-tägiges Kennenlernen mit Kevin Pezzoni (23) vereinbart. Der ist Innenverteidiger und hatte sich Ende August unter spektakulären Umständen mit dem 1. FC Köln auf eine Vertragsauflösung geeinigt. Pezzoni war in Köln in seiner Privatwohnung von Unbekannten aufgelauert und bedroht worden. Daraufhin hatte es bundesweit eine Diskussion gegeben über das Verhältnis der Fans zu den Vereinen und den Spielern.

Bei Hertha BSC ist durch die langfristigen Ausfälle von Maik Franz (drei Monate Pause nach Schulteroperation) und Felix Bastians (ein Monat Pause nach Teilanriss des Außenbandes am Knie) eine besondere Situation entstanden. Zumal der ebenfalls für das Abwehrzentrum vorgesehene Christoph Janker wegen Leisten-Problemen derzeit nicht trainieren kann.

Aktuell stehen Hertha mit (dem allerdings formschwachen) Roman Hubnik und John Brooks (19) nur zwei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Seit Wochen gibt Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger einen überraschend guten Aushilfs-Manndecker. Aber Trainer Jos Luhukay sagte: "Ich darf gar nicht daran denken, dass Fabian etwas passiert." Am Freitag gegen die "Löwen" hatte zunächst der erst 17-jährige Anthony Syhre im Aufgebot gestanden.

Daher sowie mit Blick auf die ausstehenden zehn Partien bis zur Winterpause sondierten der Trainer und Manager Michael Preetz den Markt derzeit vereinsloser Profis. Nicht in Frage kamen Spieler, die seit dem 30. Juni ohne Vertrag und daher mehr als drei Monate nicht im Spielbetrieb sind. Bei Pezzoni ist die Lage anders. Mit 1,93 Meter und 91 Kilo bringt er ein Gardemaß für einen Manndecker mit. Er ist Deutscher, hat mit Bundesliga-Absteiger Köln die gesamte Vorbereitung absolviert und im August noch zwei Zweitliga-Einsätze bestritten. Seither hält sich Pezzoni bei seinem ehemaligen Verein Eintracht Frankfurt fit.

In Gesprächen zwischen Manager Preetz und Pezzoni wurde vereinbart, die Länderspiel-Pause zum gegenseitigen Kennenlernen zu nutzen. Erst am Ende dieser Zeit soll eine Entscheidung fallen, ob Hertha BSC den Verteidiger unter Vertrag nimmt.