Eishockey

Eisbären holen NHL-Stars Briere und Giroux

Heute schwere Aufgabe für den Meister in Nürnberg

- Gute Eishockeyspieler, die nach Europa kommen wollen, gibt es derzeit viele in Nordamerika. In der NHL findet gerade ein Arbeitskampf statt. Wann die Liga in die Saison startet oder ob sie es überhaupt tut, steht in den Sternen. Das eröffnet sogar deutschen Zweitligisten ungeahnte Möglichkeiten, nach dem ETC Crimmitschau greifen nun auch die Bietigheim Steelers zu: T.J. Galiardi von den San Jose Sharks verstärkt die Schwaben.

Gutes Personal kann auch der Deutsche Meister EHC Eisbären angesichts von Verletzungen noch gebrauchen, und nach einigem Zögern hat Manager Peter John Lee offenbar aus dem großen Angebot auch zugegriffen - und zwar mächtig. In Claude Giroux kommt der drittbeste Punktesammler (93 Zähler, 28 Tore und 65 Vorlagen in der Hauptrunde) der vergangenen Saison nach Berlin. Er bringt seinen Teamkollegen von den Philadelphia Flyers mit, den zweifachen NHL-All-Star Daniel Briere. Laut dem US-Sportsender ESPN hat der Spielervermittler Pat Brisson, der beide Profis vertritt, den Transfer der Mittelstürmer für die Zeit des Lockouts in der NHL bestätigt. Einen Kommentar des EHC, der am Freitag bei den Nürnberg Ice Tigers antritt (19.30 Uhr, live bei laola1.tv), gab es bis zum Donnerstagabend noch nicht.

Es wäre ein riesiger Transfercoup, zwei Spieler dieser Kategorie unter Vertrag zu nehmen. Briere (34) ist mit 921 NHL-Partien ein sehr erfahrener Mann und dazu mit 752 Punkten (330 Tore, 422 Vorlagen) noch ein überaus gefährlicher Angreifer. Zweimal war der Kanadier Weltmeister. Giroux ist erst 24 Jahre alt und hat 335 Spiele absolviert, doch er gilt als einer der Profis, die die NHL in den nächsten Jahren prägen werden. Sowohl in diesem als auch im vergangenen Jahr wurde der Kanadier, der bislang 298 Punkte (99 Tore, 199 Vorlagen) sammelte, zu den NHL-All-Stars berufen. Vergangene Saison spielte Giroux mit der tschechischen Legende Jaromir Jagr zusammen, der sieht in dem Mittelstürmer nun einen neuen Mario Lemieux. "Er ist ein kleiner Genius", sagt Jagr über Giroux. Gemeinsam mit Briere, der sieben Millionen Dollar pro Jahr verdient (Giroux 3,5 Millionen), stand er 2010 im Finale um den Stanley Cup, verlor dort aber gegen die Chicago Blackhawks.

Angesichts der Problemlage der Berliner, die vor allem in der Abwehr ein Defizit haben, überrascht ein wenig, dass nun gleich zwei Center kommen sollen. "Der Verstand sagt ja, aber man weiß nie", sagte Lee kürzlich auf die Frage, ob er eher in der Defensive oder der Offensive reagieren würde. Andererseits müsse er sehen, welche Spieler verfügbar seien. Und mit spielstarken Stars wie diesen beiden kann das Spiel der Berliner wohl leicht mehr in die Offensive verlagert werden. Tendenziell benötigt die Abwehr dennoch Unterstützung, vor allem langfristig.

Wie lange das Engagement der Kanadier dauert, ist offen. Die ersten Spiele der Saison werden in der NHL definitiv ausfallen, aber eine Einigung kann auch schnell erfolgen. Etwas Glanz aus der großen Eishockeywelt hätten beide dann trotzdem in Berlin verbreitet.