Kommentar

Ausstieg eines positiven Egoisten

Matthias Brzezinski über einen schweren, aber richtigen Entschluss

Man kann zu Michael Schumacher stehen wie man will - doch der 43-Jährige ist einer der ganz wenigen deutschen Weltsportler der letzten zwanzig Jahre. Er hat der Formel 1 hierzulande zu einer nicht für möglich gehaltenen Popularität verholfen. Alle zwei Wochen war Schumacher-Zeit. Selbst bei Menschen denen die Formel 1 nicht den sportlichen Lebensmittelpunkt markierte. Schumi war Kult. Auch noch bei seinem Comeback. Doch, und das ist typisch für die Deutschen und ihre Sporthelden, fällt Kritik so überhart aus wie der Jubel überschwänglich zelebriert wird. Schumacher konnte bei Mercedes nicht gewinnen, die ihm zugebilligte Geduldsphase war vergleichsweise kurz. Unbestritten eigene Fehler, ein nicht wirklich siegfähiges Arbeitsgerät - und schon blätterte der Lack am Denkmal Schumacher. Der, stets ein wenig reserviert, phasenweise schon unnahbar, hat nun seine Entscheidung getroffen. Der Rückzug aus der Königsklasse fällt ihm garantiert schwer. Schwerer aber wäre es für den positiven Egoisten (wer das nicht ist, wird nichts im Hochleistungssport) gewesen, nur noch Teilnehmer zu sein. Deswegen sein richtiger Entschluss. Der Rekordweltmeister hat es definitiv verdient, in positiver Erinnerung zu bleiben.