Basketball

"Der ist in echt ja noch viel größer als im Fernsehen"

Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks sind in Berlin gelandet. Als erstes weihten sie einen Basketballplatz in Köpenick ein

- Geduldig warten die Schüler auf dem Boden des weißen Zelts. Die blauen T-Shirts mit Aufdruck - zwei durch ein Herz verbundene Basketbälle - haben sie artig übergestreift. Alles ist vorbereitet für den Auftritt der Stars. "Bitte zur Seite, macht Platz für die Kameras", rufen die NBA-Mitarbeiter. Dann kommen sie, die Spieler der Dallas Mavericks. Sie tragen schlichte blaue Trainingsanzüge mit der Aufschrift "Mavs", keine Kappen, keinen Schmuck. NBA-Commissioner David Stern, der ebenfalls dabei ist, hat das 2005 verboten. Leises Getuschel und schließlich Applaus, als Dirk Nowitzki als letzter durch die Tür tritt, Jungen und Mädchen abklatscht und ein "Hallo, Servus!" in die Runde wirft. Er lächelt: "Es ist schön, wieder hier zu sein." Am Morgen war das Team in Berlin gelandet; es wohnt im Hotel Adlon. Standesgemäß.

Die NBA ist in Deutschland und rührt die Werbetrommel. Am Sonnabend spielen die Mavericks mit Zugpferd Nowitzki in der O2 World gegen Alba Berlin. Es ist das erste Mal, dass ein Team aus der NBA gegen eine deutsche Mannschaft antritt. Dann geht es weiter nach Barcelona. Dazwischen und drumherum: ein straff organisierter Terminkalender, der "schon ein bisschen anstrengend ist", wie Nowitzki zugibt. PR-Aktion reiht sich an PR-Aktion. Eine davon verschlägt die schillernde NBA-Welt an diesem trüben Nachmittag nach Köpenick in den Jugendklub Mellowpark, nur einen Steinwurf vom Gelände des 1. FC Union entfernt. Im Namen ihrer Wohltätigkeitsorganisation "NBA Cares" hat die Nordamerikanische Profiliga dort für 40.000 Euro einen Basketballplatz gebaut. Um einen "Ort zu schaffen, an dem Eltern und Kinder den Sport lernen können", wie es heißt.

Training fällt aus - wegen Regens

In die Wege geleitet wurde die außergewöhnliche Kooperation von Matthias Ramsauer. Der Schulsportreferent des Berliner Basketballverbands kontaktierte Stern und schlug den Bau des Platzes vor. "Die wollten ihn natürlich gleich am Brandenburger Tor bauen", sagt er. Doch Ramsauer hielt den Mellowpark für geeigneter. Innerhalb von zwei Monaten wurde die Anlage errichtet. Allerdings ohne Baugenehmigung des Bezirks. "Das hätte zu lange gedauert. Mein Motto ist: Just do it."

Doch bei seiner Einweihung steht der Platz unter Wasser. Für die rund 70 Berliner Schüler sollte es eigentlich eine "Players Clinic", ein Training mit den Profis, geben. Aber der immer heftiger werdende Regen macht der Aktion einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen dürfen die 12-16-Jährigen Fragen stellen. "Vince Carter, haben Sie noch andere Hobbies außer Basketball?", fragt ein Junge. Carter überlegt: "Ich bin ein Ballsport-Typ. Ich mag Golf, Tennis und Bowling." Teamkollege Bernard James findet das erstaunlich: "Bowling, seltsamer Typ." Gelächter in der Runde. Ein Mädchen will von Stern wissen, was ihm am meisten Spaß daran mache, NBA-Commissioner zu sein. "Ich kann zu vielen Spielen gehen und bekomme immer gute Plätze", sagt der 70-Jährige. Wieder wird gelacht. Dann wird er ernst: "Und weil ich die Chance habe, jungen Menschen wie euch diesen Sport näher zu bringen."

Seit 28 Jahren leitet der Jurist die Geschicke der größten Basketball-Liga der Welt. Unter seiner Führung expandierte die NBA weltweit. In 215 Ländern und 40 Sprachen sind die Spiele zu sehen. Mit Aktionen in Europa will Stern neue Märkte erschließen. "Hier gibt es großes Potenzial." Eine "Global League", an der auch deutsche Vereine teilnehmen könnten, hält er jedoch für unrealistisch. Noch. "Zunächst müssen die Grundvoraussetzungen geschaffen werden: Stadien, Sponsoren, eine größere Fan-Affinität."

Der Bau des Platzes ist ein kleiner Schritt in diese Richtung. Stephan Herwig, Vorsitzender des Berliner Basketballverbands, erhofft sich in den nächsten Jahren eine Verdopplung der Mitgliederzahlen auf 15.000. "Deshalb sind wir sehr froh über die Unterstützung der NBA", sagt er. Auch Lia und Ellen sind von dem Besuch der NBA-Stars begeistert. Die beiden Schülerinnen aus Zehlendorf spielen seit drei Jahren Basketball. Dass sie wegen des Regens nicht mit den Profis trainieren können, sei zwar schade, "dafür haben wir Dirk Nowitzki getroffen. Der ist in echt ja noch viel größer als im Fernsehen", staunt Lia. Obwohl sie ein gutes Stück von Köpenick entfernt wohnen, wollen sie demnächst mal vorbeischauen und spielen.

Sogar Ex-Nationalspieler Holger Geschwindner hält die Aktion für "eine gute Sache, um die Sportart in Deutschland zu promoten." Einen Seitenhieb kann sich der streitbare Nowitzki-Entdecker dann aber nicht verkneifen: "Vielleicht schafft es die Stadt Berlin ja noch, ein Dach über den Platz zu bauen. Dann kann man hier auch bei Regen spielen."