Handball

Füchse sind einsame Spitze

Handball: Berliner bauen mit dem Sieg über Balingen ihre Tabellenführung aus. Torhüter Stochl stark

- Und immer wieder glänzte Petr Stochl. Mal beim Sprung in den Hürdensitz, dann wieder mit hochgerissenen Armen. Oder auch im dynamischen Flug gen Werfer, alle Viere nach vorn gestreckt. Die 6579 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle hielt es bei den Paraden des Torhüters in Diensten der Füchse Berlin nicht auf ihren Sitzen, immer wieder skandierte die Fans des Handball-Bundesligisten den Namen ihres Helden. Mit seinen akrobatischen Rettungstaten ebnete Stochl seinen Füchsen den 27:26 (16:14)-Erfolg gegen HBW Balingen-Weilstetten. Die Berliner bleiben damit in der Saison ungeschlagen und bauten ihre Tabellenführung in der Eliteklasse aus. Sie liegen mit 14:2 Punkten klar vor dem Deutschen Meister THW Kiel (11:1), der jedoch zwei Spiele weniger bestritten hat.

Es war zwar keine Gala, die die Füchse am Mittwochabend in der Schmeling-Halle zeigten, "aber am Ende haben wir die zwei Punkte geholt", sagte Matchwinner Stochl, der mit insgesamt 17 Paraden überzeugte. "Wir wissen, dass wir zurzeit nicht so schön spielen, aber wir haben Erfolg." Seine Leistung wollte der bescheidene Tscheche nicht so sehr in den Vordergrund rücken, gefreut hat er sich über den Zuspruch der Fans freilich dennoch. "Das ist fantastisch für mich und auch einer der Gründe, warum ich bis 2016 bei den Füchsen bleibe."

Sichtlich erleichtert war nach dem Abpfiff auch die Chefetage des Bundesligaklubs. "Das war ein hartes Stück Arbeit", sagte Trainer Dagur Sigurdsson, "es macht immer viel Spaß, gegen Balingen zu spielen, das ist ein bisschen wie Schach, und ich bin zufrieden mit den zwei Punkten." Gleiches galt natürlich auch für Bob Hanning, obgleich der Geschäftsführer erneut die fehlende Leichtigkeit und Lockerheit kritisierte. "Wir führen mit zwei, drei Toren und schaffen es nicht, uns abzusetzen. Allerdings ist die Mannschaft in den entscheidenden Momenten immer voll da." Es seien Kleinigkeiten, die ihm derzeit nicht gefallen würden und die nun intern besprochen werden müssten, sagte Hanning und schmunzelte: "Das ist jetzt Jammern auf allerhöchstem Niveau." Am Sonnabend steht die nächste Aufgabe an, dann treten die Berliner in der Champions League beim FC Barcelona an.

Körperbetontes Duell

Noch konsequenter im Torabschluss als zuletzt in der Champions League gegen Minsk wollten die Füchse gegen Balingen agieren. Doch das gelang zu Anfang nicht wirklich gut. Nach fünf Minuten lagen die Platzherren bereits mit 2:5 zurück, so dass Trainer Sigurdsson eine Auszeit nahm, um seine Mannen noch einmal zu justieren. Spiele gegen Balingen, die sich selbst als "die Gallier von der Alb" bezeichnen, sind stets körperbetont und hart umkämpft, das war auch dieses Mal so. Die Berliner taten sich schwer damit, und im Tor bekam Silvio Heinevetter keine Hand an den Ball. Folglich holte Sigurdsson den deutschen Nationalkeeper vom Feld und brachte in der 9. Minute Petr Stochl. Wenig später zeichnete sich der Tscheche mit einem gehaltenen Siebenmeter aus, was einer Initialzündung gleichkam. Denn jetzt kämpften sich die Berliner Tor um Tor heran, Ivan Nincevic gelang durch einen schönen Sprungwurf von Linksaußen der Ausgleich zum 9:9 (18.), kaum eingewechselt erzielte Iker Romero unter dem Jubel der Fans mit dem 12:11 (23.) die erste Füchse-Führung der Partie. Dabei tankte sich der Publikumsliebling eindrucksvoll durch die Balinger Abwehr durch und hämmerte den Ball vom Kreis aus unhaltbar ins Tor. Kurz vor der Pause schaffte Börge Lund sein erstes Heimspieltor für die Füchse.

Nach dem Seitenwechsel schienen die Füchse nun endgültig Regie zu führen im Duell mit dem Tabellen-15. Und zwischendrin bewies immer wieder Stochl seine Klasse. Bei seiner Parade in der 49. Minute erhob sich sogar der verletzte Konstantin Igropulo auf der Tribüne und klatschte Beifall. Mitte des zweiten Durchgangs wurde es noch einmal eng, Balingen schaffte den Ausgleich zum 22:22 und witterte die Sensation. Zehn Minuten vor Schluss nahm Gäste-Trainer Rolf Brack seinen Torhüter zugunsten eines siebten Feldspielers heraus. Das macht er immer wieder gern und diese Taktik ist für den Gegner stets eine besondere Herausforderung. "Doch die Füchse haben sich sehr gut auf die 7:6-Situation eingestellt", sagte Brack und zollte den Gastgebern seinen Respekt. "Die Füchse haben in der Crunchtime Ruhe bewahrt und ihre ganze Klasse gezeigt", sagte Brack, "und sie hatten mit Stochl einen klaren Vorteil auf der Torhüterposition."