Eishockey

Eisbären ernüchtert: "Nicht gut genug für die Spitze"

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Marcel Stein

Krisen-Mannschaft muss in Krefeld neuen Mut schöpfen

- Furcht flößen die Eisbären ihren Gegnern aktuell nun wirklich nicht ein, und die neuen Handschuhe werden auch kaum dazu beitragen, dass sich das ändert. Pink ist die Farbe, die die Berliner im Oktober öfter tragen. Das sieht ein bisschen mädchenhaft aus, ein wenig also wie gerade auch das Spiel des Titelverteidigers in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Doch der gute Zweck, den die Farbe symbolisiert, nämlich das Engagement im Kampf gegen Brustkrebs, heiligt in diesem Fall die Mittel.

Spielerisch erscheinen die Eisbären gerade als etwas mittellos. Mannschaften wie die Hannover Scorpions, die am Sonntag als Tabellenletzter nach Berlin kamen und kaum große Ambitionen pflegen, erweisen sich als zu hohe Hürden für den Meister. 2:4 unterlag der EHC, schon zum vierten Mal in sechs Saisonspielen gab es keinen Sieg. "Da kann man nicht mehr von Pech reden", sagt Verteidiger Jens Baxmann. Es empfiehlt sich eher, von Krise zu reden. Von einer tiefen Krise, denn so schlecht starteten die Berliner seit 13 Jahren nicht mehr.

Noch 46 Hauptrundenspiele

Es ließe sich alles leicht wegwischen mit dem Verweis auf 46 weitere Hauptrundenspiele, das erste davon am Dienstag in Krefeld. Das hieße aber auch, die Augen vor der Realität zu verschließen. "Wir sind nicht so schlecht, wie wir dastehen", sagte Manager Peter John Lee und fügt hinzu: "Gut genug für die Spitzengruppe sind wir aber auch nicht."

Eine bittere Einsicht für eine Mannschaft, die sechs Titel in den vergangenen acht Jahren gewonnen hat und auch diesmal nicht freiwillig auf den Meisterpokal verzichten will. Die Gründe "liegen in einer Kombination aus mehreren Dingen", sagt Torhüter Rob Zepp. Offensichtlich sind die Auswirkungen. "Zurzeit fällt es uns sehr schwer, unseren Rhythmus zu finden, unser Spiel zu gestalten", sagt Baxmann, "uns gelingt es nicht, den Gegner unter Druck zu setzen. Stattdessen eiern wir nur vor dem eigenen Tor herum." Sie sind zu selten in der Lage, ihren eigenen, offensiven Siegerstil zu pflegen und verfallen zu oft in die Spielart, die den Schwachen eigen ist.

Offenbar wiegt der Verlust an Erfahrung im Sommer zu schwer. Mit Richie Regehr und Nick Angell verließen zwei wichtige Defensivkräfte den Klub. Wobei Angell erst kurz vor Trainingsstart auf eigenen Wunsch ausschied. "Hätte ich das früher gewusst, hätten wir uns anders aufstellen können", sagt Lee. So ist die Stelle noch immer vakant, und für Regehr kam ein 23-Jähriger (Mark Katic), der zwar läuferisches Talent hat, aber sichtlich um Orientierung ringt. Auch die beiden neuen Stürmer, Jamie Arniel (22) und Matt Foy (29), bringen die Mannschaft nicht voran. Das Risiko, das Lee bei den Transfers eingegangen ist, Foy und Katic waren in den vergangenen Jahren mehr verletzt als spielfähig, scheint sich nicht auszuzahlen.

Auf der anderen Seite fehlen in Constantin Braun, Darin Olver und Sven Felski noch wichtige Profis wegen Verletzungen. Das hat den Berlinern früher nie viel ausgemacht. "Uns zeichnete in schwierigen Situationen aus, dass wir als Mannschaft gespielt haben. Das fehlt uns im Moment so ein wenig", sagt Baxmann. Die Eisbären funktionieren als Einzelspieler nicht, weil einige außer Form sind, und auch nicht als Team, weil die neuen und die vielen jungen Spieler nicht in der Lage sind, die Idee des anspruchsvollen Berliner Spiels umzusetzen. Sie haben kaum Zeit, sich zu entwickeln, sondern sind gleich als vollwertige Mitglieder einer Meistermannschaft gefragt. Dieser Ansatz hat deutliche Schwächen.

Neuer Spieler soll kommen

Auch erscheint die Mannschaft ein wenig führungslos, zu wenig angetrieben von starken Persönlichkeiten. "Ich hätte bestimmt schon einen Papierkorb zerlegt", sagt Sven Felski, der am Montag den Verdienstorden des Landes Berlin erhielt. Aber er ist nicht in der Kabine, der Rest der alten Führungsriege ist Geschichte. Und die neuen Anführer müssen offenbar noch etwas in ihre Rolle hineinwachsen.

Trainer Don Jackson sieht nicht viel, was er tun kann. "Wir müssen Vertrauen in unser System finden", sagt er. Das verlange Geduld, "eine andere Antwort haben wir nicht", so der US-Amerikaner. In den nächsten Tagen könnte ein neuer Spieler kommen, der Manager ist sehr aktiv. Ein erfahrener Mann würde helfen, die Sorgen zu lindern. Zumal Julian Talbot vorläufig wegen einer Rückenprellung ausfällt. "Mal 60 Minuten konstant zu spielen, wäre schon ein Erfolg", sagt Jens Baxmann. Von konstant gut jedenfalls sind die Berliner derzeit weit entfernt.