Eishockey

So schlecht waren die Eisbären schon lange nicht mehr

Meister blamiert sich sogar gegen Schlusslicht Hannover

- Peter John Lee, der Manager des EHC Eisbären, erzählt diese Annekdoten immer gern. Sein oberster Chef, der US-Milliadär Philip F. Anschutz, Besitzer der Anschutz Entertainment Group, zu der die Berliner gehören, interessiere sich sehr für den Klub. Regelmäßig informiere er sich über Wohl und Wehe des EHC in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), tue seine Anteilnahme in elektronischen Botschaften kund und freue sich über die Versorgung mit Neuigkeiten aus Übersee. Nächsten Sonntag, wenn der Stanley Cup, den sein Eishockeyteam aus Los Angeles in der nordamerikanischen Profiliga NHL gewann, in Berlin präsentiert wird, soll er sogar leibhaftig zugegen sein.

Wahrscheinlich wird er sich dann darauf einsgestellt haben, an diesem Tag nicht zu viel von seinem Lieblingsspielzeug zu erwarten. Sonst schwappen ja immer nur gute Nachrichten rüber nach Amerika, derzeit aber gibt es von den Eisbären kaum Gutes zu erzählen. Die Mannschaft vergeigt die ersten Wochen der Liga gerade in einem Ausmaß, das die Fans sehr lange nicht erleben mussten. Gegen den bisherigen Tabellenletzten, die Hannover Scorpions, unterlag der Titelverteidiger mit 2:4 (1:1, 0:2, 1:1). Es war die vierte Niederlage im sechsten Saisonspiel.

Bislang konnten die Berliner wenigstens gegen Mannschaften gewinnen, die hinter ihnen in der Tabelle stehen. Doch gegen die bis dahin sieglosen Niedersachsen war nicht einmal mehr das drin. Obwohl nach dem Erfolg gegen München (3:2) am Freitag etwas mehr Selbstvertrauen hätte vorhanden sein sollen. Und mit dem nach seiner Sperre zurückgekehrten Jimmy Sharrow ebenso etwas mehr Routine in der Abwehr. Doch beides traf nicht zu. "Wir haben zu viele Fehler gemacht", sagte Trainer Don Jackson.

Momentan befindet sich der Meister in keiner guten Verfassung. Von Beginn an lief nicht viel zusammen gegen die Scorpions. Die haben ein Team, das mit geringen Mitteln zusammengestellt worden ist. Das genügt derzeit, um die Eisbären zu überfordern. Klare Spielzüge gelangen ihnen nur selten, das 1:0 etwa passierte eher zufällig. Julian Talbot hatte den Puck verloren, fuhr einfach weiter durch das Drittel der Gäste, bekam die abprallende Scheibe zurück und bediente Tyson Mulock (17.).

Derart unkoordiniert ging es weiter, vorn wie hinten. "In den ersten beiden Dritteln haben wir nicht so gespielt, wie wir es wollten", sagte Torhüter Rob Zepp. Kurz vor der ersten Pause verteidigten Sharrow und Zugang Jamie Arniel nicht richtig, was Marin Hlinka zum Ausgleich nutzte (20.). Kaum zurück auf dem Eis stand Ivan Ciernik völlig frei und brachte die Scorpions in Führung (21.). Nach einigen von Hannoveraner Defensivfehlern begünstigten Chancen, die jeweils in einer Art vergeben wurden, die fassungslos machte, weil die Berliner jeweils mit zwei Spielern ungehindert vor dem Scorpions-Tor standen, traf Scott King zum 3:1 für die Gäste (31.). Wieder erwischte die Abwehr einen finsteren Moment.

Dass den Eisbären dann auch noch Julian Talbot ausfiel, der bei einem Zusammenprall an der Bande eine Rückenprellung erlitt, war den Comeback-Bemühungen nicht zuträglich. Immerhin gelang Florian Busch noch der Anschluss (50.), aber Hlinka stellte den alten Abstand wieder her (59.).

Also erneut keine guten Nachrichten aus Berlin für Herrn Anschutz. Der hatte ja zuletzt angekündigt, die Entertainment Group samt allen Klubs und Arenen, also auch Eisbären und O2 World, verkaufen zu wollen. Es wurde spekuliert, dass dies im Zusammenhang stehen könnte mit einem Projekt in Los Angeles. Dort zog sich die Genehmigung für den Bau eines Football-Stadions hin, am Freitag stimmte der Stadtrat dem 1,2 Milliarden Dollar teuren Geschäft nun zu. Anschutz hat also, was er wollte. Vielleicht mindert das die Verkaufsabsichten wieder.