René Adler

Neue Konkurrenz für die van der Vaarts

René Adler wird zum Star der Geburtstagsgala beim Hamburger SV

Man könnte jetzt einwenden, es war die Geburtstagsgala des nun 125 Jahre alten Hamburger SV, und Uli Stein, der ehemalige HSV-Torwart oder auch Olli Dittrich, der Comedian, sind nun mal treue Anhänger des Klubs. Aber jene Elogen, die sie am Sonnabend während der Feierlichkeiten auf René Adler (27) anstimmten, waren selbst abseits der bierseligen Stimmung angebracht. Auch wenn dem so Gepriesenen das ganze Tamtam dann doch ein wenig unangenehm war.

Mit 1:0 (1:0) hatten die Hamburger zuvor gegen Hannover 96 gewonnen. Genau genommen hatte nach dem Tor von Artjoms Rudnevs (20.) vor allem Adler die abendliche Party gerettet. Hannover rannte an, Haggui, Abdellaoue oder Ya Konan, sie alle hatten beste Chancen, sie alle scheiterten an Adler. "Der Sieg geht auf sein Konto", sagte dann auch Rafael van der Vaart. "Er ist unglaublich."

Im Sommer wechselte Adler von Leverkusen nach Hamburg. Eine "neue Chance" nennt er sein Engagement. Er hat zwei Jahre hinter sich, in denen sich die Welt gegen ihn verschworen zu haben schien. Im Frühjahr 2010 war Adler ganz oben, als deutsche Nummer eins sollte er die WM in Südafrika bestreiten, dann brach er sich die Rippen, Manuel Neuer nutzte seine Chance. Im vergangenen Sommer folgten eine Knieoperation mit entsprechend langwieriger Genesungsphase und die Ansage der Leverkusener Verantwortlichen, dass sie auf Bernd Leno statt auf Adler setzen werden. "Die Verletzungspause war hart", sagt Adler heute, "hat mich als Persönlichkeit aber weitergebracht. Ich bin gereift in dieser Zeit, setze mich nicht mehr so sehr unter Druck und genieße einfach den Moment." Über all die Konjunktive, über das was wäre wenn, denke er sowieso nicht mehr nach.

Am Sonnabend während der Gala standen Adler und seine Freundin Lilli Hollunder im Mittelpunkt. Der Torwart und die TV-Schauspielerin könnten eine echte Konkurrenz für Rafael und Sylvie van der Vaart werden, dem Glamourpaar der Hansestadt. Denn nach Rafael van der Vaart ist es keinem Zugang mehr gelungen, sich so schnell und intensiv die Sympathien zu erspielen. Es waren nicht nur seine Paraden gegen Hannover, schon zuvor beim Sieg über Dortmund und selbst bei den drei Auftaktniederlagen wurde René Adler mit Bestnoten bedacht. "Er ist ein reiner Titan", sagte Comedian Dittrich ("Dittsche") im Fan-Duktus.

Wieder ein Thema für Löw

"Er ist der Topmann der Liga", sagte Trainer Thorsten Fink. Und Ex-Torwart Stein sieht ihn nun folgerichtig zu Höherem berufen. Ein Mann für die Nationalmannschaft sei er. Bald steht die Nominierung für die WM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Schweden an: "Wenn es nach Leistung geht, sollte er dabei sein." Es mag Ironie des Schicksals gewesen sein, dass am Sonnabend sein Gegenüber, Nationaltorwart Ron-Robert Zieler, beim 0:1 patzte. Zu seinem DFB-Comeback sagte Adler: "Ich verfolge die Debatte, beteilige mich aber nicht daran. Aber es ist das Größte, für sein Land spielen zu dürfen." Auch wenn ihm die Nominierung eine organisatorische Änderung abverlangen würde: "Ich müsste meine Planung umwerfen, eigentlich will ich in dieser Zeit meinen Bruder besuchen."