Formel-1

Nur Sauber bietet einen attraktiven Platz für Schumacher

Wechsel wäre eine kleine Rückkehr in die Ferrari-Familie

Berlin - Der spektakuläre Piloten-Wechsel bei Mercedes lässt nicht nur Formel-1-Interessierte einigermaßen ratlos zurück. Auch Insider wissen sich auf das vermeintliche Karrierende von Michael Schumacher und den vermeintlichen Abstieg von Lewis Hamilton - vom Siegerteam McLaren ins momentane Durchschnittsteam Mercedes - keinen rechten Reim zu machen.

Einer, der oft eine Lanze für Schumacher gebrochen hat, sieht den 43 Jahre alten Rekordweltmeister noch nicht auf den Zuschauerrängen. Für Schumachers ersten Kurzzeit-Teamchef (beim Debüt am 25. August 1991 in Spa), Eddie Jordan, ist ein Wechsel des Kerpeners zu Sauber nicht unwahrscheinlich. Der 64-jährige Nordire ist überzeugt davon, "dass Michael weiter fahren will". Und das schweizerische Sauber-Team ist durchaus für Podestplätze gut. Der Abgang von Sergio Perez (Mexiko) zu McLaren macht den Platz frei, den Schumacher einnehmen könnte - zugegeben, den einzig wirklich attraktiven in der Königsklasse.

Ein weiterer Grund liegt für Eddie Jordan darin, dass "Michael bei Sauber wieder mit einem Ferrari-Motor fahren würde. Ich sage Ihnen, das würde Luca di Montezemolo auch sehr gefallen, dem Chef seiner alten Liebe Ferrari. Der verloren geglaubte Sohn würde wieder nach Hause kommen, an den Ort seiner größten Triumphe. Und er würde der Formel 1 auf Dauer erhalten bleiben." Ein Michael Schumacher würde für das stets finanziell klamme Sauber-Aufgebot sicher auch einige Sponsoren-Türen öffnen. Bis hin zu einer möglichen Beteiligung des 91-maligen Grand-Prix-Siegers am Rennstall. Angeblich soll sogar WM-Spitzenreiter Fernando Alonso eine Empfehlung ausgesprochen haben. "Mit dem Sauber hätte Michael 2012 drei Rennen gewonnen", zitiert die Schweizer Zeitung "Blick" den spanischen Ferrari-Star. Apropos Ferrari: Ein Fahrer-Duo Alonso/Schumacher (auf Kosten des enttäuschenden Brasilianers Felipe Massa, dessen Vertrag ausläuft) würde nicht nur die italienischen Medien kollabieren lassen. Und Mercedes?

Sportchef Norbert Haug gab sich im Rahmen des DTM-Rennens in Valencia zugeknöpft. "Möglicherweise" werde man sogar weiter mit Schumacher zusammenarbeiten. "Er wird zu seinem Zeitpunkt sagen, was er wählt und was er weiter macht", erklärte Haug. Nach einem Plan klingt das aber nicht. Und die Einlassung von Teamchef Ross Brawn klingt fast schon grotesk. "Michael wusste immer von den Gesprächen (mit Hamilton, d. R.). Er ist froh, dass sich das Team so eine gute Alternative für die Zukunft gesichert hat", versicherte der Brite. Wer's glaubt...

Angeblich keine Nummer eins

Schwer zu glauben ist auch Brawns Einlassung, es gäbe keinen Nummer-1-Status für den 27-jährigen Briten Lewis Hamilton (20 Siege, Weltmeister 2008) gegenüber dem verbleibenden Stammpiloten Nico Rosberg (ein Sieg). Schwer zu verstehen, zumindest aus Sicht der englischen Zeitung "Guardian" - dort schreibt man von "sportlichem Selbstmord" - ist auch die Entscheidung von Hamilton. Der verlässt ein über Jahrzehnte erprobtes Siegerteam und kommt zu einem Rennstall, der drei Jahre mit vielen Tiefs und wenigen Höhen hinter sich hat.

Dazu muss der Weltmeister von 2008 die Sport- und Werbe-Ikone Schumacher ersetzen, der bei aller Kritik an seinen Leistungen auf der Strecke hinter den Kulissen wichtige Aufbauarbeit für Mercedes leistete. Vorher treten beide aber noch sechs Rennen lang im Saisonendspurt gegeneinander an. Eine skurrile Situation: Hamilton braucht im Titelrennen die Unterstützung des Teams, für das er nicht mehr fahren will. Schumacher braucht für einen ordentlichen Abschied die Hilfe des Teams, das ihn nicht mehr haben will.