Interview

"Union ist der Global Player im Osten"

Cottbus-Sportdirektor Christian Beeck über seine Rückkehr an die Alte Försterei und Erstligaträume

- Rund sechs Jahre war Christian Beeck (40) in diversen Funktionen beim 1. FC Union tätig. Dann wurde er als Sportdirektor der Köpenicker im Mai 2011 freigestellt, wegen der"Neuausrichtung der Lizenzspielerabteilung", wie es offiziell hieß. Nach einer Arbeitsschutzklage, einem Jahr Pause und der Vertragsauflösung bei Union zum Juni 2012 heuerte Beeck zu Saisonbeginn bei Energie Cottbus als Sportdirektor an. Morgenpost-Redakteur Michael Färber sprach mit dem Ex-Profi vor dem Duell der Zweitligisten heute (13 Uhr) in der Alten Försterei.

Berliner Morgenpost:

Freuen Sie sich auf Ihre Rückkehr an die Alte Försterei, oder ist es eher ein Stück Frustbewältigung?

Christian Beeck:

Ich freue mich sehr. Vor allem darauf, viele Menschen wiederzusehen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Es war ja eine Station, die mir unheimlich viel gegeben hat. Auf der anderen Seite ist da natürlich meine Freistellung. Aber so ist das nun mal in dem Geschäft, das gehört dazu.

Ist der Ärger über Ihren Rauswurf schon komplett verraucht?

Ja, das Gras darüber ist schon ziemlich lang.

Mit dem Abstand von knapp eineinhalb Jahren betrachtet: Ist die Trennung für Sie heute nachvollziehbar?

In gewisser Weise schon, das Miteinander hatte einige Kratzer bekommen. Eine Entscheidung des Präsidiums, nach Rücksprache mit den anderen handelnden Angestellten, gegen mich war dann wohl der einzige Ausweg. Was am Ende ja auch völlig in Ordnung ist.

Und wenn Sie am Sonnabend Union-Präsident Dirk Zingler oder Trainer Uwe Neuhaus begegnen, werden Sie...

... ganz normal "Guten Tag" sagen.

Sie dürften dennoch die Entwicklung von Union verfolgt haben. Sind Sie überrascht, dass die Berliner im Ligakeller festhängen?

Das wundert mich schon. Denn was Union an Bedingungen und Personal entwickelt hat, ist schon herausragend. Der Klub hat einen gewaltigen Etat von 18 Millionen Euro erarbeitet und ist somit Global Player im Osten Fußballdeutschlands. Wir geben 13 Millionen aus. Da reden wir ja eigentlich schon von unterschiedlichen Ligen. Dass es immer gute und schlechte Phasen gibt, weiß jeder. Union hatte zum Auftakt eine schwächere. Das kann uns auch immer wieder treffen. Die Qualität bei Union ist allerdings ausgesprochen hoch und wird auch wieder abgerufen, da muss man kein Hellseher sein. Ich hoffe, nicht schon am Sonnabend...

Sind Sie ein wenig überrascht, dass Cottbus auf einem Aufstiegsplatz steht?

Eigentlich nicht. Wenn man sich beim Personal punktuell verbessert, gute Vorgaben macht, sich intensiv mit Fußballinhalten beschäftigt, neue Spieler schnell zu integrieren versucht, viel redet und nach klaren Regeln handelt, dann ist man mit der fußballerischen Qualität, die Energie besitzt, oben dabei. Voraussetzung ist natürlich, dass alle Spieler gesund bleiben, charakterlich gefestigt sind und im Erfolg nicht abheben.

Was macht denn die Energie-Elf derzeit so stark, abgesehen vom derzeit besten Torschützen Boubacar Sanogo?

Wir hatten in der vergangenen Saison erhebliche Probleme im Offensivspiel. Da haben wir uns nicht nur in der Quantität entwickelt, sondern auch Qualität erhalten. Am Ende spiegelt die Leistung der Mannschaft am Spieltag die akribische, aufmerksame und intensive Arbeit im gesamten Verein derzeit jedenfalls sehr realistisch wider.

Man könnte auch sagen: Kaum ist Christian Beeck zurück in Cottbus, geht es wieder bergauf. Wie groß ist denn der Anteil des neuen Sportdirektors am Aufschwung?

Erstens sagt das niemand. Und zweitens ist es im Fußball nie möglich, Dinge allein wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Bekommt ein Unternehmen einen neuen leitenden Angestellten, der mit Herz und Seele dabei ist, seine Erfahrung aus den vorherigen Stationen einbringt, seinen Job gewissenhaft macht und nicht nur an sich denkt, dann kann es durchaus passieren, dass Abläufe und die dann folgenden Ergebnisse in der Summe wieder positiver ausfallen. Voraussetzung ist allerdings, dass sich zwischen den handelnden Personen eine Vertrauensbasis entwickelt. Ich denke, da liegen wir aktuell ganz gut im Rennen.

Darf man denn in der Lausitz schon von der Bundesliga träumen?

Um Gottes Willen. Ich sage noch einmal: Wir haben einen 13-Millionen-Euro-Etat und die vergangene Saison als mahnendes Beispiel vor Augen, als wir erst am letzten Spieltag gegen Union den Klassenerhalt geschafft haben. Union hat also indirekt dazu beigetragen, dass Energie Cottbus weiter im Profifußball dabei ist. Man sollte immer den Ball flach halten. Aber es ist schon unglaublich, wie schnelllebig der Fußball ist und was in nur vier, fünf Monaten passieren kann.

Ein Vater des Aufschwungs ist sicher Trainer Rudi Bommer. Was zeichnet ihn aus?

Er hat ganz klare Vorstellungen vom Fußball, was das System, Trainingsinhalte und Fitness betrifft. Auch was die geistige Verfassung der Spieler angeht, da hilft ihm seine Erfahrung aus vielen Jahren als Spieler und Trainer. Er war und ist immer sehr konsequent in seinen Vorstellungen. Wenn die nicht eintreffen, nimmt er sich immer die Freiheit zu sagen: Das ist jetzt nicht mehr meins. Außerdem gibt er sich so, wie er ist. Absolut authentisch. Er geht auf Menschen zu und baut keine unnötigen Drucksituationen auf, um damit Autorität zu erzielen. Jeder weiß, woran er bei ihm ist, er strahlt zudem die notwendige Transparenz aus. Das ist sehr wichtig, wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Und die Leute brauchen Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen, um hundert Prozent Leistung zu bringen. Wir bezahlen ja auch hundert Prozent an unsere Spieler. Da brauchen wir auch jemanden, der sie entsprechend bespaßt (lacht).

Bei Union werden ob der anhaltenden Talfahrt schon Stimmen laut, die sagen: Mit Beeck wäre das nicht passiert. Freut Sie so etwas, oder sehen Sie das als normale Reaktion, wenn man unten steht?

Das ist das normale Stammtischgerede. Die Gesellschaft neigt ja zu solchen Aussagen, wenn Dinge nicht mehr funktionieren. In der vergangenen Saison, in der Union Platz sieben erreichte, hat bis auf wenige Ausnahmen niemand solche Zusammenhänge in den Raum gestellt.

Könnten Sie sich denn vorstellen, irgendwann wieder zu Union in einer Funktion zurückzukehren und wenn ja, welche Voraussetzungen müssten dafür geschaffen werden?

(lacht) Meine berufliche Planung läuft noch gefühlte zehn Jahre, und dann möchte ich eigentlich aufhören. Obwohl man natürlich nie nie sagen soll. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir das allerdings nicht vorstellen.