Motorsport

"Dass er zu alt ist, glaube ich nicht"

Was Robert Harting und andere prominente Motorsport-Anhänger über Schumacher denken. Niki Lauda hat kein Mitleid

- Die Trennung von Michael Schumacher und Mercedes hat sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Manchen tut der Kerpener leid, andere glauben, dass sein Karriereende bevorsteht. Wieder andere halten den Schritt für richtig, auch vonseiten des Rennstalls. Besonders ausführlich äußerte sich Niki Lauda gegenüber der Berliner Morgenpost. Der dreimalige Weltmeister sagte: "Um ehrlich zu sein, kam es für mich nicht überraschend. Soweit ich weiß, wurde die Trennung einvernehmlich gelöst." Mitleid empfinde er nicht. In jedem Rennfahrerleben gebe es Hochs und Tiefs, Rücktritte und Comebacks. "Diese Dinge sind ganz normal." Der ehemalige Schweizer Formel-1-Pilot Marc Surer hingegen fand: "Michael erlebt jetzt bei Mercedes die gleiche Situation wie vor ein paar Jahren bei Ferrari. Damals musste er für Kimi Räikkönen Platz machen, jetzt für Hamilton. Die Tatsache, dass er selbst eine Entscheidung für Oktober angekündigt hatte, zeigt, dass er nicht ganz freiwillig geht. Er tut mir ein bisschen leid."

Der Österreicher Lauda stellte klar: "Dass Michael Schumacher uns allen in den vergangenen drei Jahren nicht zeigen konnte, wie gut er ist, lag allein an seinem Auto. Natürlich hat er auch Fehler gemacht, aber die waren nicht so gravierend. Daher hinken auch die Vergleiche mit Kimi Räikkönen." Der Finne liegt im ersten Jahr nach seinem Formel-1-Comeback in der WM-Wertung auf einem erstaunlichen dritten Rang. "Räikkönen hat bei Lotus ein Auto vorgefunden, das von vornherein schnell war. Das war bei Schumacher nicht der Fall", sagte der 63-Jährige, "die öffentliche Enttäuschung, die daraus entstanden ist, finde ich falsch. Wir dürfen nie vergessen, dass er sieben WM-Titel gewonnen hat."

Zugleich kann er die Mercedes-Entscheidung nachvollziehen. "Es ist logisch und verantwortlich für ein Team, einen Plan A und einen Plan B zu schmieden. Wenn man so will, war der Plan A nun die Verpflichtung von Lewis Hamilton." Gemessen an der Situation, in der sich Mercedes befindet, sei das sensationell. "Ihn als einen der drei schnellsten Fahrer von einem Rennstall wie McLaren wegzukriegen, ist ein Schritt nach vorn für Mercedes, weil das zukünftige Duo Hamilton/Nico Rosberg allein für eine riesige Motivation bei den Mitarbeitern sorgen wird." Schumacher zum völligen Rückzug aus der Formel 1 wollte er nicht raten: "Das ist allein seine Entscheidung. Ich kann auch gar nicht beurteilen, was er für Möglichkeiten hat."

Als sei mit der Trennung von Mercedes zugleich Schumachers Karriere beendet, reagierten zwei Berliner Olympiasieger. Robert Harting (27), der beste Diskuswerfer der Welt, sagte: "Michael Schumacher war mein erstes großes sportliches Vorbild und eine Identifikationsfigur. Ich bin neben meinem Vater auf der Couch gesessen und habe mitgefiebert." Auch jetzt sei er noch traurig gewesen, wenn Schumacher in einen Unfall verwickelt gewesen sei. "Dass er zu alt ist, glaube ich nicht. Es ist ja nur eine Sekunde, die ihm fehlt."

Beachvolleyballer Julius Brink hatte ähnliche Gefühle: "Er hat immer als Vorbild gedient, im Motorsport sicherlich noch mehr als für uns Athleten aus anderen Sportarten. Ich habe ihn immer bewundert, weil ihm sein Sport sehr viel Spaß macht", sagte der 30-Jährige. Wenn Schumacher nun ganz aufhören sollte, fände er das "schade. Wir würden jemanden verlieren, der über den Sport hinaus große Strahlkraft hatte. Obwohl er in unglaublichen Dimensionen gelebt hat, gab es nie Skandale, er kam immer geerdet und auf dem Boden geblieben rüber. Das hat mir immer sehr imponiert."