Boxen

Wladimir Klitschko: "Haye lügt, wenn es nützlich für ihn ist"

Box-Champion kontert Schlappschwanz-Vorwürfe des Briten

Am Sonnabend kämpfen in Hamburg (22.15/ARD) der Russe Alexander Povetkin gegen die US-Amerikaner Hasim Rahman um die Schwergewichts-Weltmeisterschaft nach Version der World Boxing Association (WBA). Das Besondere an diesem Duell ist, dass mit Titelverteidiger Povetkin (33) lediglich ein 1-B-Champion gegen den sechs Jahre älteren Ex-Champion aus Baltimore in den Ring klettert. Die eigentliche Nummer eins bei der WBA ist Wladimir Klitschko, der als Champion mehrerer Verbände von der WBA aber zum Super-Champ gekürt wurde. Der Sieger des Duells soll dann gegen 36 Jahre alten Ukrainer antreten. Gegen Rahman hat Wladimir Klitschko 2008 schon vorzeitig gewonnen. Morgenpost-Redakteur Matthias Brzezinski sprach mit dem jüngeren Klitschko, der am 10. November, ebenfalls in Hamburg, gegen den Polen Mariusz Wach antritt, über seine Sicht der Dinge. Und auch über die jüngsten Aktivitäten des Briten David Haye.

Berliner Morgenpost:

Herr Klitschko, können Sie Alexander Povetkin als Weltmeister ernst nehmen?

Wladimir Klitschko:

Ich nehme den Sportler Povetkin ernst. Die Entscheidung, ihn als Weltmeister zu bezeichnen, hat die WBA getroffen. Ich finde das nicht so glücklich, weil ein Weltmeister ja eigentlich nicht zu übertreffen ist.

Sie sollten schon einige Male gegen Povetkin antreten. Bislang gab es immer irgendwelche Hinderungsgründe.

Das stimmt. Ich will mich damit aber nicht mehr beschäftigen. Ich war immer bereit zu kämpfen. Und daran ändert sich auch nichts, wenn das Ergebnis aus Povetkins Kampf gegen Rahman feststeht.

Noch bevor es soweit ist, hat sich David Haye wieder ins Gespräch gebracht. Er wirft Ihnen, aber noch mehr Ihrem Bruder Vitali vor, nur gegen Schlappschwänze zu boxen. Dabei bezieht er sich vor allem auf den letzten Kampf Ihres Bruders gegen Manuel Charr.

David Haye nimmt den Mund immer sehr voll. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum er glaubt, wir hätten ihn als Gegner nötig.

Haye sieht sich als einzig würdigen Herausforderer. Er behauptet ja auch, nur mit einem Fight gegen ihn wäre Vitalis Karriere komplett. Schließlich sei er der Boxer, der ihre gemeinsame Dominanz brechen könne. Sein Beweis: Er habe Dereck Chisora vorzeitig besiegt, Vitali musste gegen den Briten über die Runden gehen.

Jeder kann sich Davids Kampf gegen mich (am 2. Juli 2011 in Hamburg, d. R.) anschauen. Und jeder wird sehen, dass er wie ein Feigling zwölf Runden lang davongelaufen ist. Am Ende hat er noch seinem kleinen Zeh am rechten Fuß die Schuld gegeben, warum er verloren hat. Haye erzählt viel. Er lügt auch, wenn er glaubt, dass es ihm nützlich ist. Aber eigentlich macht er nur große Sprüche. Das war auch schon vor unserem Kampf so. Auch da hat er einige Male nicht die Wahrheit gesagt.

Trotzdem steht die Herausforderung von Vitali im Raum.

Und Vitali wird eine Entscheidung treffen. Jetzt hat er aber andere Pläne, denn in der Ukraine wird am 28. Oktober gewählt. Danach werden wir weitersehen.

Wünschen Sie sich, dass Ihr Bruder David Haye eine Lektion erteilt?

Das entscheidet Vitali. Aber ich wünsche mir, dass Boxer wie Haye nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was hat er gegen mich geleistet? Nichts. Er soll sich hinten anstellen und dann kann man sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Er weiß ja nicht einmal, ob er boxen will oder nicht. Er ist zurückgetreten, wieder zurückgekommen. Was will er?

Finanziell wäre so ein Duell aber sicher interessant.

Das stimmt. Aber es geht nicht nur um das Geld. Haye muss lernen, sich zu benehmen. Und dann richtig kämpfen. Das wäre für alle gut. Seine Sprüche nutzen keinem.