Golf

Zehn Millionen Dollar für den Sieg über sich selbst

Zehn Millionen US-Dollar. Das ist ein hübscher Batzen Geld.

- Was sich damit alles anfangen lässt! AOL-Chef Tim Armstrong zum Beispiel hat für diesen Betrag vor anderthalb Jahren 477.000 Aktien seiner eigenen Firma gekauft, um zu zeigen, dass sie gar nicht so marode ist, wie viele behaupteten. Oder Kirk Douglas: Der greise Schauspieler spendete zehn Millionen Dollar für obdachlose Frauen in Los Angeles. Zehn Millionen Dollar ist auch die Summe, für die die Bibliothek des US-Kongresses das letzte noch existierende Exemplar einer Weltkarte von 1507 bezahlte.

Brandt Snedeker (31) hätte die Karte auch erstehen können, theoretisch zumindest. Den Zehn-Millionen-Dollar-Jackpot (rund 7,7 Millionen Euro) nämlich erhielt der US-amerikanische Golfprofi für Platz eins in der Fedex-Cup-Rangliste. Und weil er die Tour Championship in Atlanta am Wochenende ebenfalls gewann, gab es noch 1,44 Millionen Euro obendrauf. "Das ist unglaublich", jubelte Snedeker, "das ist es, wofür du dein ganzes Leben arbeitest." Womit er den Sieg meinte, nicht den Jackpot. Er fügte hinzu:"Ich hatte noch nie mehr Selbstvertrauen als in den vergangenen fünf Wochen."

Nun hat Brandt Snedeker, ein Blondschopf mit rosa Poloshirt und blassem Gesicht, also endlich ein großes Turnier gewonnen. Der Engländer Justin Rose benötigte auf dem Par-70-Kurs als Zweitplatzierter drei Schläge mehr. Anstelle des Duells der hochgewetteten Tiger Woods (8.) und Rory McIlroy (10.) gab es ein anderes zu bestaunen: Snedeker gewann quasi gegen sich selbst.

Dass der Amerikaner, Neuling des Jahres 2007, einer der besten Putter der PGA-Tour ist, weist er seit langem nach. Bei sechs Turniererfolgen bislang fehlte ihm allerdings der große Durchbruch. Ein Grund mögen leise Zweifel an der eigenen Stärke gewesen sein, die immer just dann aufkamen, wenn es wirklich spannend wurde in der Vergangenheit. Das ist schon karrierehemmend. Nun stutzte Snedeker selbst über seine Souveränität im Feld, in dem sich 17 von 24 Ryder-Cup-Profis tummelten: "Ich bin einer der besten Spieler der Welt."

Lob vom Branchenführer

Seine Nominierung für das von Freitag an stattfindende Duell der Kontinentalmannschaften Europas und der USA hat Snedeker allemal gerechtfertigt. Teamkapitän Davis Love III billigte ihm ja eine Wildcard für den Ryder Cup zu. Der Weltranglistenerste McIlroy - einer von vier Spielern, die vor dem letzten der vier Turniere der Fedex-Cup-Serie noch Chancen auf den Jackpotgewinn hatten - lobte seinen Bezwinger: "Er hat sein Schicksal in den eigenen Händen gehalten, und er hat es geschafft. Deswegen verdient er es zu gewinnen."