2. Bundesliga

Dynamo setzt auf seine Fremdenlegion

Wie Dresden den Verbleib in der Zweiten Liga schaffen will

- Das hatten sie sich in Sachsen etwas anders vorgestellt. Erst fünf Zähler hat Dynamo Dresden nach sechs Spieltagen in der 2. Bundesliga auf dem Konto. Dabei wollte und will die Mannschaft von Trainer Ralf Loose doch eine alte Fußballweisheit widerlegen, wonach das zweite Jahr nach dem Aufstieg besonders schwierig wird. "Nach der englischen Woche können wir ein erstes Fazit ziehen. Dann sehen wir, wo die Reise hingeht", hatte Verteidiger Sebastian Schuppan vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt gesagt. "Und dann fahren wir mit breiter Brust zu Hertha BSC." Die dürfte nach der 0:1-Niederlage gegen die Oberbayern nicht mehr ganz so breit sein.

Der Dynamo läuft noch nicht rund, die Partie am Mittwoch in der Hauptstadt kommt zum ungünstigen Zeitpunkt. Von Unruhe wie beim sächsischen Ligakonkurrenten Erzgebirge Aue ist bei den Schwarz-Gelben allerdings noch nichts zu spüren. Loose muss um seinen Job nicht bangen, daran würde auch eine Niederlage in Berlin nichts ändern. Viel zu groß ist der Bonus, den der gebürtige Dortmunder als Aufstiegsmacher immer noch genießt.

Nur 6,5 Millionen Euro Etat

Zusammen mit Sportdirektor Steffen Menze, der als Profi beim 1. FC Union seine erfolgreichste Zeit hatte, bildet Loose ein erfolgreiches Duo, das den Traditionsverein aus den Niederungen des deutschen Fußballs geholt hat. Und das mit bescheidenen Mitteln - 6,5 Millionen Euro beträgt der Etat für die Profimannschaft. Dynamo steht mit dieser Summe auf einem Abstiegsplatz in der Liga. Sportlich soll der Absturz unbedingt verhindert werden. "Wir hatten damit gerechnet, dass der Start angesichts des Programms schwierig werden könnte", sagt Menze.

Gemeinsam mit Loose holte er elf Neue, setzte erneut auf die französische Karte. Mit Mickael Poté (Nizza), Romain Brégerie, Cheikh Gueye (beide Metz), Anthony Losilla (Laval), Idir Ouali (Le Mans), Lynel Kitambala (St. Etienne) und Vujadin Savic (Bordeaux) stehen mittlerweile sieben Spieler aus den ersten beiden französischen Ligen im Kader - Dynamo hat eine kleine Fremdenlegion. Amtsprache ist bei den Sachsen offiziell Deutsch, auf dem Platz kommuniziert die Multi-Kulti-Truppe aber vor allem in Englisch.

Das Sprachproblem - der Verein schickt derzeit die meisten seiner Ausländer auf die Schulbank - ist aber nicht der Grund für den ausbleibenden Erfolg. Vielmehr fehlte zuletzt vor allem eines: Effektivität. Gegen Ingolstadt erspielte sich die Loose-Elf viele Chancen, nutzte aber keine einzige. Während der Gegner aus zwei Möglichkeiten einen Treffer machte. Dynamos Manko: Die Mannschaft ist zu sehr von Torjäger Poté abhängig. Der Nationalspieler des Benin traf zwar in den ersten vier Spielen, blieb in Sandhausen und gegen Ingolstadt aber ohne Treffer.

Der sprunggewaltige Mittelstürmer ist nach dem Weggang seines Angriffspartners Zlatko Dedic (zurück nach Bochum) oft auf sich allein gestellt. Einen echten Dedic-Ersatz fand Dynamo nicht. Poté, für den Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth mehr als eine Million Euro geboten hatte, konnte mit Mühe und einer kräftigen Gehaltserhöhung zum Bleiben überredet werden. Doch die gegnerischen Abwehrspieler machen dem Dresdner Publikumsliebling zusehends das Leben schwer. Auch Hertha wird sich von Poté kaum überrumpeln lassen - Ex-Dynamo Marvin Knoll dürfte seine Kollegen gewarnt haben.