Eishockey

Nächste Bauchlandung für die Eisbären

Auch in Ingolstadt setzt es für den Meister eine Niederlage - schon die dritte in dieser Saison

- So ein Wochenende hatte sich John Koslowski wohl vorher auch nicht träumen lassen. 18 Jahre ist der Stürmer alt und steht in seinem Leistungsvermögen irgendwo zwischen Deutscher Nachwuchs-Liga (DNL) und Deutscher Eishockey-Liga (DEL). Daher durfte er am Freitag mit dem Drittliga-Partner des EHC Eisbären, FASS Berlin, in Rostock spielen. Am Sonnabend lief er für das DNL-Team der Eisbären Juniors auf. Am Sonntag dann folgte der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere, Koslowski fuhr mit nach Ingolstadt, wo der EHC seinen vierten Saisonauftritt in der DEL und Koslowski sein Profi-Debüt absolvierte. Drei Tage, drei Spiele, drei Teams - eine recht beachtliche Wochenend-Bilanz.

Sportlich endete sie für den jungen Mann im Minus, Freitag gab es einen Sieg, danach zwei Niederlagen. In Ingolstadt unterlag der Deutsche Meister 4:5 (0:2, 2:3, 2:0), es war die dritte Niederlage der Berliner in der neuen Saison.

Nach Sven Ziegler, ebenfalls 18 Jahre, der am Freitag gegen Düsseldorf (2:0) seine DEL-Premiere erlebte, ist John Koslowksi der zweite Debütant. Junge Spieler heranzuführen ist zwar ein erklärtes Ziel des Titelverteidigers, aktuell ist es aber auch Ausdruck von Verletzungssorgen. Entsprechend glücklich war Trainer Don Jackson, bei den Bayern seinen Kapitän André Rankel nach abgesessener Sperre erstmals in der Saison an Bord zu haben. Die erhoffte Stabilisierung der jungen Truppe stellte sich dennoch nicht ein.

Wieder einer weniger

Koslowskis erste Aktion im Profi-Eishockey war die Rolle des Statisten. Tyson Mulock hatte wegen übertriebener Härte eine Spieldauerstrafe erhalten und musste in die Kabine, die fünfminütige Strafe saß der Debütant ab. Ein denkbar schlechter Start für den EHC, da erst im Spiel zuvor mit Jim Sharrow ein wichtiger Spieler ausgeschlossen worden war. Einen richtigen Rhythmus zu finden wird durch die notwendigen Veränderungen in Folge der Ausschlüsse nicht einfacher für das Team.

Die Situation verschärfte sich noch für die Berliner, bei denen Rankel sofort auffiel, weil er Initiative übernahm und auch die ersten guten Chancen hatte. Nach der Führung des ERC durch Jean-Francois Boucher (14.) beschwerte sich Verteidiger Jens Baxmann zu heftig, da dem Treffer ein Foul vorausgegangen war. Baxmann musste für zehn Minuten auf die Strafbank - als er zurückkehrte, stand es 1:4.

Seine Abwesenheit wirkte sich auf die Defensive aus, die jungen Spieler trugen noch mehr Verantwortung, John Koslowski etwa bekam einige Wechsel und sah bedingt durch seine Unerfahrenheit nicht immer gut aus. Erfreulich wenigstens war, dass Zugang Jamie Arniel sein erstes Tor für die Berliner erzielen konnte (32.). Allerdings antwortete Ingolstadt wie nach dem Treffer von Frank Hördler (38.) gleich mit einem weiteren Tor. Alle drei Gegentreffer im zweiten Drittel fielen per Konter, mit dem häufig ungestümen Spiel der jungen Berliner ging zu oft die Ordnung verloren.

Kämpferisch bot der Titelverteidiger dennoch viel. Trotz des eher aussichtslosen Spielstands arbeiteten sich die Eisbären wieder heran, erst traf Barry Tallackson in Überzahl (46.), dann wurde das hartnäckige Forechecking des EHC mit dem Anschlusstreffer durch Julian Talbot belohnt (52.). Da Ingolstadt eine der Mannschaften ist, die zu den Anwärtern auf die Meisterschaft zählt, kann die Leistung der Eisbären, die am Ende sogar ihre Abwehrprobleme in den Griff bekamen, angesichts der nicht wenigen Sorgen als gutes Zeichen gewertet werden.

Ein anderer Favorit tut sich zu Saisonbeginn ebenfalls sehr schwer. Mit drei glatten Niederlagen war der EHC Wolfsburg gestartet, in Düsseldorf gab es nun immerhin den ersten Punkt für die Niedersachsen, die 1:2 (0:0, 1:1, 0:0, 0:0, 0:1) nach Penaltyschießen verloren. Die erste Niederlage musste der bisherige Tabellenführer Adler Mannheim einstecken, 4:5 (1:0, 2:3, 0:1) unterlagen die Kurpfälzer bei den noch ungeschlagenen Augsburger Panthern. Weniger gut verlief auch die Rückkehr von Christian Ehrhoff, der den Lockout in Nordamerika bei seinem Heimatklub in Krefeld verbringt. Die ersten beiden Spiele mit dem Star-Verteidiger der Buffalo Sabres verloren die Pinguine, nach dem 1:3 gegen Hamburg folgte ein 2:3 (1:0, 0:1, 1:2) in Straubing. Dennoch: "Die laute Anfeuerung der Fans gibt es drüben nicht. Das hat mir echt gefehlt. Es war toll", so Ehrhoff.