Motorsport

Vettel ist zurück im Rennen

Der Titelverteidiger und Red Bull schöpfen nach dem Sieg in Singapur wieder Hoffnung in der Formel-1-WM

- Seit ihrer Kollision beim Großen Preis von Malaysia ist das Verhältnis zwischen Sebastian Vettel und Narain Karthikeyan schwer belastet. Der Deutsche zeigte dem indischen HRT-Piloten wütend den Mittelfinger und beschimpfte ihn anschließend als "Gurke, die im Straßenverkehr nichts verloren" habe. Später behauptete er, Karthikeyan habe sich bei ihm für den Unfall entschuldigt, was der 35-Jährige weit von sich wies, im Fahrerlager gehen sie sich seither aus dem Weg. Nach dem Grand Prix in Singapur sollte der Heppenheimer seine Ablehnung jedoch noch einmal überdenken: Gut möglich, dass ihm Karthikeyan dort zu weit mehr verholfen hat als nur dem ersehnten zweiten Saisonsieg.

33 Runden waren beim einzigen Nachtrennen des Jahres gefahren, als Karthikeyan mit seinem Boliden ohne Fremdeinwirkung in die Streckenbegrenzung krachte. Die Rennkommissare schickten umgehend das Safetycar auf den Kurs, um das Wrack von der Straße transportieren zu können. Größter Profiteur dieser rund zehnminütigen Neutralisation war Vettel, der von da an unbehelligt vor Jenson Button und seinem spanischen Rivalen Fernando Alonso ins Ziel fuhr. Wie ein Lichtschweif rauschte sein Red Bull durch die schwül-heiße Dunkelheit von Singapur.

"Das war eines der härtesten Rennen überhaupt. Ich denke, es war ein aufregender Grand Prix für alle Beteiligten mit dem besten Ende für uns. Das Auto scheint endlich konkurrenzfähig zu sein. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir dranbleiben", sagte Vettel und gab gleichzeitig die Zielsetzung für die kommenden Rennen zu Protokoll. Leidtragender war Ferrari-Pilot Alonso, der drei Runden vor Karthikeyans Crash zum zweiten Mal seine Reifen gewechselt hatte, diesen Vorteil wegen des Überholverbots während der Safety-Car-Phase aber nicht nutzen konnte.

Der 31-Jährige büßte im WM-Klassement rund ein Viertel seines Vorsprungs ein und liegt nun nur noch 29 Punkte vor Vettel. "Am vergangenen Wochenende in Monza ist Sebastian ausgeschieden, diesmal hat er gewonnen. So schnell geht das in der Formel 1, deswegen hoffe ich, dass ich demnächst auch mal wieder dran bin." Seit dem Großen Preis von Deutschland Ende Juli konnte der Mann aus Oviedo kein Rennen mehr für sich entscheiden.

Überhaupt werden die verbleibenden sechs Rennen zum Zweikampf zwischen dem Weltmeister der vergangenen beiden Jahre und dem Champion von 2005 und 2006. Lewis Hamilton, in Singapur noch Trainingsschnellster, schied wegen eines Getriebeschadens aus. "Das ist sehr frustrierend", sagte er nachher Allerdings beträgt sein Rückstand auf Alonso schon 64 Punkte. Das Zwischenhoch von Hamiltons McLaren-Kollege Button, der drei der vergangenen fünf WM-Läufe auf einem Podestplatz beendete, kommt zu spät (95 Zähler Rückstand).

Strafe für Schumacher

Das Mercedes-Duo Michael Schumacher und Nico Rosberg sorgte in Singapur für die kuriosen Momente. Zuerst profitierte der 43-Jährige im Qualifying von seiner Startnummer sieben, die ihn auch ohne gewertete Zeit den Startplatz vor seinem Stallgefährten einnehmen ließ. Auf dem Auto von Rosberg, der im Schlussabschnitt ebenfalls keine volle Runde mehr zustande brachte, klebt die Nummer acht - Schumacher beharrte vor der Saison entgegen der üblichen Verteilung auf einer ungeraden Ziffer. Der Rekordweltmeister durfte deswegen als Neunter ins Rennen gehen, Rosberg blieb nur Rang zehn. Kurz vor dem Startschuss verpasste Schumacher dann die Gedenkminute für den kürzlich verstorbenen langjährigen Rennarzt Sid Watkins. "Ich muss mich entschuldigen, ich war noch auf dem WC", gestand er bei RTL: "Aber meine Gedanken waren bei Sid." 39 Runden später misslang ihm am Ende der Start-Ziel-Geraden ein Überholmanöver; nahezu ungebremst rauschte er dem vor ihm fahrenden Jean-Eric Vergne ins Heck.

Da er als "Wiederholungstäter" gilt, entschieden die Rennkommissare, dass Schumacher beim nächsten Lauf in Japan zehn Startplätze verlieren wird. Die Strafe wurde damit begründet, dass es der zweite Vorfall in diesem Jahr gewesen sei.

Schumacher hatte in Singapur zu spät gebremst und war auf Toro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne aufgefahren. In Barcelona hatte er zuvor in einer ähnlichen Situation Bruno Senna (Williams) gerammt. Schumachers Mercedes-Team hatte vergeblich versucht zu belegen, dass der Unfall die Folge eines Bremsdefektes gewesen sei.

In der Mitteilung gaben die Stewards zudem an, Schumacher habe seinen Fehler eingestanden. Er habe zugegeben, dass er den fehlenden Reifengrip nach der Safety-Car-Phase unterschätzt habe. Unmittelbar nach dem Rennen hatte Schumacher noch seine Schuld abgestritten.