Boxen

Klitschko-Bezwinger bei einer Familienfeier getötet

Südafrikaner Sanders stirbt nach einem Schuss in den Bauch

- Wladimir Klitschko schien wie immer unbeeindruckt von seinem Gegner und dem Spektakel in der Messehalle in Hannover. Auch, dass ihn der damalige Ringsprecher Karsten Speck als "Dr. Vitali Klitschko" ankündigte, schien die Konzentration des Ukrainers auf den bevorstehenden Kampf nicht zu tangieren. Jenem Boxkampf am 8. März 2003 gegen den Südafrikaner Corrie Sanders, der innerhalb von gerade einmal 3:27 Minuten die Schwergewichtsszene auf den Kopf stellte. Denn der damals bereits 37 Jahre alte Ex-Polizist - er galt zwar als schlagstark, aber trainingsfaul und konditionsschwach - hatte den jüngeren der Klitschko-Brüder im Verlauf der nicht einmal zwei Runden viermal auf die Bretter geschickt.

Sanders, der US-Amerikaner Ross Puritty (1998 in Kiew) und dessen Landsmann Lamon Brewster (2004 in Las Vegas) sind bislang die einzigen Profiboxer, die gegen Wladimir Klitschko den Ring als Sieger verlassen konnten.

Ärzte kämpfen vergeblich

In der Nacht zum Sonntag ereignete sich ein Drama, das auch Wladimir Klitschko betroffen gemacht hat. Corrie Sanders wurde in Brits in der Nähe seiner Heimatstadt Pretoria in einem Restaurant erschossen. Der 46 Jahre alte Ex-Profi, der seine Karriere 2008 beendet hatte, erlitt einen Bauchschuss. Nach Aussage des südafrikanischen Musikers Kurt Darren, einem Freund der Familie Sanders, den das Online-Portal "Eyewitness News" zitiert, ist der Ex-Weltmeister gegen vier Uhr am Sonntagmorgen seinen Verletzungen erlegen. Zuvor hatten die Ärzte im Kalafong Hospital in Pretoria rund acht Stunden um sein Leben gekämpft. Grund für den Restaurantbesuch soll der 21. Geburtstag von Sanders' Tochter gewesen sein. "Die Männer haben geschossen und dann das Handy seiner Tochter und die Tasche eines anderen Gasts mitgenommen", wird ein Polizeisprecher von der Nachrichtenagentur Sapa zitiert. Es sollen drei Täter gewesen sein. Weitere Verletzte hatte es nicht gegeben. "Unfassbar. Corrie Sanders war für Vitali und mich immer ein fairer Sportsmann und ein toller Mensch. Mein Mitgefühl ist bei seiner Familie", sagte Wladimir Klitschko "Bild", als er auf dem Münchner Oktoberfest von der tragischen Nachricht erfahren hatte. Und der 36-Jährige fügte hinzu: "Er war damals ein fairer Gegner. Er hat mich getröstet und mir nach dem Kampf gesagt: Das war nun mal dein Verlierertag. Du bist jung, du wirst zurückkommen - was richtig nett war." Das war ehrlich gemeint.

Rückkampf kam nicht zustande

Dennoch gab sich Sanders nach seinem Coup selbstbewusst. "Ich hatte gar nicht vor, in der ersten Runde zu gewinnen", erklärte der Routinier nach dem Duell, "Aber die Chance ergab sich einfach und die habe ich genutzt. Mir hat auch Ross Puritty sehr in meiner Vorbereitung auf den Kampf geholfen."

Eine Revanche zwischen Wladimir Klitschko und Sanders hat es nie gegeben. Dafür "rächte" Vitali Klitschko den kleinen Bruder am 24. April 2004 in Los Angeles. Sanders hatte zuvor auf die anstehende Pflichtverteidigung seines Titels nach Version der World Boxing Organization (WBO) gegen Lamon Brewster verzichtet und stattdessen das finanziell lukrative Herausforderungsrecht gegen Vitali, Champion des World Boxing Council (WBC), wahrgenommen. Ringrichter John Schorle (USA) stoppte das zunehmend von Klitschko dominierte Duell 14 Sekunden vor Schluss der achten Runde.

Sanders arbeitete nach seiner Boxkarriere (im Schnitt dauerten seine Profikämpfe 3,7 Runden) bei der südafrikanischen Absa Bank. Er schleppte Autos von Kunden ab, die ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten. Ursprünglich wollte er Golfprofi werden. Sein Boxer-Credo lautete: "Ich gehe nicht in den Ring, um zu boxen. Ich gehe in den Ring, um so schnell wie möglich wieder rauszukommen."