Länderspiel

Für Fuchs Pevnov geht der große Traum in Erfüllung

Berliner Kreisläufer bestreitet sein erstes Länderspiel

- Evgeni Pevnov ist voller Vorfreude. "Da geht ein Traum von mir in Erfüllung", sagt der Handballer von den Füchsen Berlin. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Silvio Heinevetter, Sven-Sören Christophersen und Markus Richwien ist er von Bundestrainer Martin Heuberger für die beiden Länderspiele am Sonnabend in Schwerin und am Sonntag in Rostock jeweils gegen Vize-Europameister Serbien nominiert worden. Der Berliner Kreisläufer wird sein Debüt in der Nationalmannschaft geben. "Das ist eine super Sache."

Dass der Füchse-Profi bei den Testländerspielen dabei sein kann, begründet Bundestrainer Martin Heuberger so: "Einige der arrivierten Spieler sind angeschlagen oder noch nicht richtig fit, das gibt mir Gelegenheit, jungen Akteuren eine Chance zu geben." Leuten wie eben Pevnov, die langsam in den Fokus rücken. Sowohl bei einem Lehrgang des B-Teams als auch der A-Nationalmannschaft war er schon dabei. In einem offiziellen Länderspiel hat er das deutsche Trikot allerdings bisher noch nie getragen. Mit der B-Mannschaft hatte er lediglich beim Allstar Game Anfang Februar 2012 das Vorspiel gegen den damaligen Drittligisten EHV Aue bestritten.

Seit Januar deutscher Staatsbürger

Erst am 12. Januar 2012 hat der 23-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. "Das war mir sehr wichtig." Pevnov ist in Taschkent geboren, kam aber mit seinen Eltern bereits als Einjähriger nach Deutschland. In jüngeren Jahren war er noch für die russische Junioren-Nationalmannschaft im Einsatz. Aus diesen Zeiten kennt er auch Heuberger noch, der Junioren-Bundestrainer war und 2008 in Russland mit der deutschen Mannschaft Spiele gegen das dortige Team bestritt. Der zwei Meter große und 114 Kilogramm schwere Pevnov weiß, dass er bei der Nationalmannschaft erst einmal nur reinschnuppern wird. "Es wäre Quatsch, wenn ich mich mit irgendwelchen Hoffnungen aus dem Fenster lehnen würde." Das nächste Großereignis, das für die deutsche Nationalmannschaft anliegt, ist die Weltmeisterschaft, die vom 11. bis 27. Januar 2013 in Spanien stattfinden wird.

Sein Hauptaugenmerk muss er sowieso auf die Füchse legen, wo er jetzt im zweiten Jahr unter Vertrag steht. "Im ersten Jahr habe ich erreicht, was ich mir vorgenommen hatte." Er musste sich sehr umgewöhnen. Denn vorher hatte er beim späteren Bundesliga-Absteiger TSG Friesenheim gespielt, wo er bester Torschütze war. In Berlin ging es wieder bei Null los. Gerade im letzten Drittel der Saison habe er jedoch immer mehr das Vertrauen von Trainer Dagur Sigurdsson gespürt, seine Einsatzzeiten nahmen zu. Und: "Ich habe mich an Torsten rangekämpft." Kapitän Torsten Laen, der für ihn Vorbild, aber auch in gewisser Weise Konkurrent ist. Die Hierarchie ist (noch) klar: "Ich bin hinter ihm der zweite Kreisläufer." Laen ist neun Jahre älter als Pevnov, der sagt: "Ich kann von ihm nur lernen." Menschlich und sportlich sei der Däne "ein Supertyp".

Pevnov ist sich aber auch bewusst, dass kontinuierlich mehr von ihm verlangt wird. Geschäftsführer Bob Hanning spricht in diesem Zusammenhang gern vom "nächsten Schritt", den junge Spieler machen müssten. Es herrscht ein großer Wettbewerb bei den Füchsen. Und Hanning macht auch Druck. So hatte er in den ersten Wochen der neuen Saison immer wieder - auch in der Öffentlichkeit - bemängelt, dass die "zweite Reihe" für zu wenig Entlastung sorge. Mark Bult, Iker Romero und eben Pevnov wurden von ihm explizit genannt. Dieses Trio hatte nun zuletzt mit einer starken Leistung beim 26:26 gegen Kiel die richtige Antwort gegeben. Pevnov beispielsweise hatte gerade in der Schlussphase für viel Wirbel am Kreis gesorgt und zwei Tore erzielt. Das Extra-Lob von Hanning für die Drei via Medien folgte sofort. "Kritik muss man als Profi aushalten", sagt Pevnov. Er hat da seine eigene Strategie: "Ich ziehe Motivation draus."