Interview mit Sandro Wagner

"Ich komme bei den Fans gut an"

Sandro Wagner über seinen Einstand bei Hertha, das System von Trainer Luhukay und seine Rückkehr nach Kaiserslautern

- Elf Spiele, null Tore. Die Bilanz von Sandro Wagner beim 1. FC Kaiserslautern war düster. Nachdem der 24-Jährige in der vergangenen Bundesligarückrunde von Werder Bremen an die "Roten Teufel" ausgeliehen wurde, pfiffen ihn die FCK-Fans aus. Mit Morgenpost-Mitarbeiter Jörn Meyn sprach Wagner über Höhen und Tiefen im Profigeschäft, die Einfühlsamkeit seines Trainers und die Konkurrenz bei seinem neuen Klub Hertha BSC.

Berliner Morgenpost:

Herr Wagner, in unserem Blog "ImmerHertha" gab es kürzlich eine Abstimmung, welcher Transfer sich für Hertha BSC am meisten auszahlen wird. Dabei waren Sie mit 41 Prozent gemeinsam mit Sami Allagui ganz weit vorne. Wie wichtig ist für Sie das Vertrauen der Fans?

Sandro Wagner:

Es ist natürlich schön, wenn man Zuspruch bekommt, und ich glaube, dass meine Spielweise gut bei den Fans ankommt, weil ich auf dem Platz immer alles gebe. Aber ich weiß auch, dass es im Fußball immer sehr schnell hoch und auch wieder runter gehen kann. Deshalb hebe ich nicht ab, wenn es gut läuft und vergrabe mich nicht, wenn es mal nicht so doll läuft.

Zuletzt wurde Ihr Kollege Adrian Ramos von den eigenen Fans ausgepfiffen. Wie haben Sie das empfunden?

Adrian ist das beste Beispiel, an dem man sehen kann, wie schnell es im Fußball hoch und runter geht. Man hat gemerkt, dass es enorm an seinem Selbstbewusstsein gekratzt hat. Aber wir haben ihm immer gesagt, dass auch wieder bessere Zeiten kommen und er irgendwann belohnt wird, wenn er weiter hart an sich arbeitet. Zum Glück hat er gegen Aalen getroffen. Wir brauchen so einen Spieler wie ihn, um aufzusteigen.

Auch Sie kennen ja die Situation, von den eigenen Fans ausgepfiffen zu werden. Wie schwer war die Zeit in Kaiserslautern?

Ich habe mir damals nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Ich war ja nur drei Monate dort und es lief so schlecht für den FCK zu dieser Zeit, dass wohl auch ganz andere Spieler dort keinen Erfolg gehabt hätten. Letztlich aber war ich froh, als ich dort weg war. Es hat nicht gepasst - aber auch daraus kann man lernen.

Mit welchen Gefühlen kehren Sie denn am Sonnabend mit Hertha zurück auf den Betzenberg?

Das ist für mich ein Spiel wie jedes andere. Ich habe zu dem Verein null Bezug und null Identifikation, weil ich insgesamt einfach zu kurz da war. Für mich ist nur wichtig, dass wir als Herthaner dort eine gute Leistung abliefern. Wir wollen möglichst unsere Siegesserie fortsetzen. Ich weiß auch, dass es auf dem Betzenberg schnell unruhig wird, wenn es für das eigene Team nicht läuft. Zuhause ist Kaiserslautern oft gehemmt und ängstlich. Und genau das müssen wir ausnutzen.

Nachdem die Saison holprig begann, lief es zuletzt mit drei Siegen gut. Warum?

Es dauert immer etwas, bis sich eine Mannschaft findet und das System des Trainers vollkommen umsetzt. Aber so langsam greifen die Mechanismen. Dennoch haben wir noch sehr viel Luft nach oben, spielen uns noch viel zu wenige Chancen heraus und wir Stürmer hängen insgesamt noch ein bisschen zu sehr in der Luft. Das muss sich schnell ändern.

Hängt die Siegesserie auch mit Ihnen selbst zusammen? Jedes Mal, wenn Sie in der Startelf standen, hat Hertha schließlich in der Liga gewonnen.

Daran denke ich überhaupt nicht. Ich freue mich natürlich, wenn es läuft, aber es geht hier nicht um mich.

Welche Rolle spielt der Trainer Jos Luhukay? Es scheint, als hätte er ein besonderes Händchen im Umgang mit den Profis.

Auf jeden Fall. Er geht auf jeden einzelnen Spieler ein, ist sehr ehrlich und konsequent. Es ist ihm egal, ob einer 200 Bundesligaspiele hat oder aus der eigenen Jugend kommt. Er behandelt jeden Spieler gleich, führt viele Einzelgespräche und gibt immer Feedback. Und das ist für einen Spieler extrem wichtig, damit er weiß, wo er steht. In dieser Form habe ich das noch nie erlebt bei einem Trainer.

War Luhukay der Hauptgrund, warum Sie sich für Hertha entschieden haben?

Ja, er war - neben den guten Gesprächen mit dem Management - einer der Hauptgründe, warum ich nach Berlin gekommen bin. Er macht die Spieler besser, und ich bin froh, dass ich unter ihm trainieren darf.

Hertha ist mit Ihnen, Allagui und Ramos im Sturm für einen Zweitligisten überdurchschnittlich gut besetzt. Machen Sie sich Sorgen, dass Sie Ihren Stammplatz verlieren könnten, wenn Pierre-Michel Lasogga zurückkommt?

Überhaupt nicht. Bis dahin ist noch viel Zeit. Ich habe auch bei Bayern München, Bremen und Duisburg immer mit guten Stürmern zusammen gespielt und kam dennoch auf meine Einsatzzeiten. Ich mache mir da überhaupt keine Sorgen.

Nachdem Ihre Karriere damals in Duisburg steil bergauf ging, stagnierte sie in Bremen und Kaiserslautern zuletzt. Ist Hertha Ihre letzte Chance?

Sagen wir es so: Hertha ist zumindest eine sehr gute Chance. Aber auch bei Bremen habe ich gute Zeiten gehabt. Man darf nicht vergessen, dass sie damals ohne meine Tore abgestiegen wären. Aber für mich ist jetzt nur wichtig, dass wir mit Hertha aufsteigen. Und wenn uns das gelingt, dann habe auch ich meinen Teil dazu beigetragen.