Hertha BSC

Lustenbergers ewige Suche nach einem Stammplatz

Herthas Schweizer muss wohl wieder Hubnik weichen

- Wenn Lucien Favre noch Trainer von Hertha BSC wäre, er könnte derzeit mal wieder einen Begriff aus der Rumpelkiste des deutschen Fußballjargons hervorzaubern, der unwiderruflich mit seinem Namen verbunden ist: Polyvalenz. Der Schweizer pflegte diese Wortprägung in seiner Zeit bei den Berlinern (2007 bis 2009) immer dann zu verwenden, wenn er die Vielseitigkeit eines Profis beschreiben wollte. Polyvalente Spieler also sind solche, die auf dieser oder jener Position ebenso gut zurechtkommen, wie auf einer anderen und je nach Spielsituation beliebig oft umschalten können.

Fabian Lustenberger ist ein solcher Spielertyp. Dass ihn bisher bei Hertha noch niemand als "polyvalent" beschrieben hat, ist nur dem Umstand geschuldet, dass mit Jos Luhukay mittlerweile ein weniger kauziger Trainer die Geschicke leitet. Denn Lustenberger hat in der laufenden Zweitligasaison in vier Einsätzen für die Berliner bereits auf drei unterschiedlichen Positionen gespielt. So begann er beim Saisonauftakt gegen Paderborn (2:2) auf seiner eigentlichen Stammposition im defensiven, zentralen Mittelfeld, rückte gegen Regensburg (2:1) nach seiner frühen Einwechslung in die Innenverteidigung und wusste beim Derbysieg gegen Union Berlin (2:1) gar auf der rechten Außenverteidigerposition zu überzeugen. "Ich habe immer gesagt, dass ich am liebsten auf der Sechs spiele", gibt der 24-Jährige zu, "aber schlussendlich entscheidet der Trainer, wo er mich brauchen kann".

Am vergangenen Wochenende gegen den VfR Aalen (2:0) konnte ihn Luhukay mal wieder im Abwehrzentrum brauchen, setzte dafür sogar den tschechischen Nationalspieler Roman Hubnik auf die Bank und sah sich dank einer starken Leistung des Schweizers bestätigt: "Gegen Aalen war er sehr gut", sagt Luhukay, der sich von Lustenberger gegen einen tief stehenden Gegner zusätzliche Impulse beim Spielaufbau versprach. Ob er beim Auswärtsspiel am kommenden Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern aber wieder auf den blonden Lockenkopf in der Innenverteidigung setzt, ließ der 49-Jährige noch offen: "Im Moment sagte ich nicht nein, aber auch nicht ja."

Leidenszeit vorerst beendet

Für den Cheftrainer ist das eine komfortable Situation: Tut sich irgendwo in seinen Planspielen ein Loch auf, ist der Schweizer zur Stelle. Lustenberger ist Herthas "Mister Vielseitig" und das ist für ihn Fluch und Segen zugleich: "Auf der einen Seite sind die Chancen zu spielen natürlich größer, wenn man auf vielen Positionen einsetzbar ist. Auf der anderen Seite wird man aber auch ein bisschen hin und her geschoben", sagt der U 21-Vizeeuropameister von 2011. Während sich andere auf einer Position festspielen, könnte er am Ende sogar aus der Mannschaft rotieren.

Dabei ist der im schweizerischen Wollhusen geborene Allrounder, den Lucien Favre 2007 für 1,5 Millionen Euro aus Luzern nach Berlin holte, erst einmal froh, überhaupt wieder auf dem Platz zu stehen. Immer wieder warfen ihn in der Vergangenheit Verletzungen zurück. Zuletzt fiel Lustenberger gar die gesamte Bundesligarückrunde mit einer komplizierten Fußprellung aus. Die Leidenszeit soll jedoch nun ein Ende haben: "Ich bin einfach nur glücklich, dass ich momentan wieder voll trainieren und mitspielen kann", sagt Lustenberger. Er glaubt, dass Luhukay auch beim Abstiegsduell in Kaiserslautern auf ihn setzen wird: "Ich versuche im Training zu zeigen, was ich kann und hoffe, dass ich auch am Samstag spiele". Und wie es sich für einen polyvalenten Spieler gehört, fügt er an: "Wo, ist mir dann egal."