2. Bundesliga

In Köln ist der Erfolgsdruck noch größer als bei Union

Die Morgenpost erklärt, wie die Köpenicker den Bundesliga-Absteiger bezwingen können

- 1. FC gegen 1. FC - nicht nur vom Namen her ähneln sich die beiden Fußball-Zweitligisten, die am Freitagabend in der Alten Försterei (18 Uhr, Sky live) aufeinander treffen. Auch der Saisonverlauf ist mit einem bzw. zwei Punkten nahezu identisch. Der Vorletzte Union empfängt den Drittletzten Köln zum Kellerduell. Die Morgenpost zeigt die fünf Komponenten auf, auf die es ankommen wird.

Defensive. Ein Blick auf die bisherigen fünf Spiele bestätigt: Union hat mit zehn Gegentreffern die zweitschlechteste Abwehr, nur Duisburg ist noch schlechter (14). Auch die Anzahl der Torschüsse, die auf den Union-Kasten abgegeben wurden, sind mit insgesamt 70 alles andere als erbaulich. "Wir schaffen es nicht, als Kollektiv mal zu Null zu spielen", sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus. Kleiner Trost: Die Kölner sind kaum besser dran. Zwar ließ der Erstliga-Absteiger nur 44 Torschüsse zu, doch in den entscheidenden Momenten zappelte der Ball auch im Kölner Netz. Erst gegen St. Pauli gelang am Montag ein Zu-Null. Zu wenig für einen Wiederaufstiegskandidaten. Urteil: unentschieden.

Offensive. "Elf Spieler haben den Auftrag, ein Gegentor zu verhindern. Elf Spieler haben den Auftrag, für uns ein entscheidendes Tor zu erzielen", forderte Neuhaus. Leichter gesagt als getan. Denn gerade beim Herausspielen von Tormöglichkeiten tun sich die Köpenicker sehr schwer. Kommt der Ball dann doch einmal gefährlich vor das Tor, wird die Chance zu oft kläglich vergeben. 54 Torschüsse führten lediglich zu fünf Treffern. In Köln würde man sich bei dieser Ausbeute dagegen schon die Hände reiben. Ein mageres Törchen brachte die Geißbock-Elf bislang zustande - bei 90 Torschüssen. Seit drei Partien ist Köln ohne eigenen Treffer, zuletzt wurde gegen St. Pauli die Abschlussschwäche überdeutlich. Dennoch nahm FC-Coach Holger Stanislawski sein Team in Schutz: "Was meine Jungs investiert haben, macht Freude." Muss nur noch getroffen werden. Urteil: Vorteil Köln.

Kader. 20 Abgängen stehen in Köln 21 Zugänge gegenüber. Dass bei einem komplett umgekrempelten Team auch nach fünf Spieltagen die wichtigen Automatismen noch nicht funktionieren, ist nachvollziehbar. Für Union-Coach Neuhaus hat Köln dennoch den "Kader einer Spitzenmannschaft". Dies kann man von den Berlinern nicht behaupten. Aber dass das Zusammenspiel noch viel zu oft nicht über Ansätze hinaus kommt, verwundert dann doch. Ein Grund ist sicher die Verletztenmisere. Gegen Köln fallen Michael Parensen (Haarriss im Wadenbein), Patrick Zoundi (Muskelfaserriss), Felipe Gallegos (Mittelfußbruch) und Björn Kopplin (Schambeinentzündung) sicher aus, Björn Jopek (Adduktorenprobleme) ist zudem fraglich. Nicht umsonst bezeichnet Neuhaus als größte Baustelle derzeit "die Mannschaft". Urteil: Unentschieden.

Fans. "Die Fans sind ein Pfand, den wir in jedem Spiel haben", sagte Unions Defensivmann Christoph Menz. Selbst bei Niederlagen feiert der treue Anhang die Mannschaft. Trainer Neuhaus weiß, wie am Freitag ein Sieg gelingen kann: "Wir müssen totale Leidenschaft und Präsenz in jeder Situation zeigen, sowohl dem Gegner als auch dem Publikum." Solche Geduld haben die Fans am Rhein nicht. Ganz zu schweigen von dem Vorfall um Ex-Kölner Kevin Pezzoni, den einige FC-Chaoten sogar angegriffen haben. Die Partie ist mit 16.750 Zuschauern jedenfalls ausverkauft. "Das spricht Bände", sagte Neuhaus. Urteil: Vorteil Union.

Trainer. Neuhaus bekommt bei Union die Zeit, um das Team aus dem Keller zu führen. Das schafft Ruhe im Umfeld. Schon vor zwei Jahren rechtfertigte er das Vertrauen der Klubführung um Präsident Dirk Zingler. Mit der Ruhe wird es in Köln bald vorbei sein, wenn sich kein Erfolg einstellt. Gerade der erste Bundesliga-Meister sieht sich stets als Teil der Eliteliga. Und Stanislawskis erste Mission, ein Spitzenteam zu formen, endete 2011/12 mit der Entlassung in Hoffenheim am 20. Spieltag. Urteil: Vorteil Union.

Fazit. Union geht mit leichtem Vorteil ins Kellerduell. Die Spieler sind am Freitag aufgefordert, daraus Nutzen zu ziehen.