Eishockey

Freitag spielt der erste NHL-Star in der DEL

Wegen des Lockouts wechselt Christian Ehrhoff nach Krefeld

- Es hat nicht lange gedauert, der Erste ist schon da, und am Freitag, wenn die Krefeld Pinguine gegen die Hamburg Freezers spielen (19.30 Uhr), dann wird er schon auf dem Eis stehen: Christian Ehrhoff, der teuerste deutsche Eishockeyspieler aller Zeiten, tritt wieder in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) an. Zum ersten Mal, seit er den Klub 2003 nach dem Gewinn der Meisterschaft in Richtung Nordamerika verlassen hat.

Am Dienstag wurde der Verteidiger in Krefeld vorgestellt. Normalerweise spielt er bei den Buffalo Sabres in Nordamerikaa Profiliga NHL. Dort aber haben die Klubbesitzer im Streit um die Aufteilung der Gewinne mit der Spielergewerkschaft die Profis ausgesperrt. "Es ist ein frustrierendes Gefühl", sagt der 30-Jährige, "wir sind arbeitslos und dürfen das Vereinsgelände nicht mehr betreten. Für mich ist es der logische Schritt, zurück nach Hause zu fliegen." Vergangene Saison war er mit zehn Millionen Dollar Gehalt der bestbezahlte Verteidiger der gesamten NHL gewesen.

Ehrhoff ist sehr verbunden mit Krefeld, er stammt aus Moers, begann bei den Pinguinen seine Karriere. Inzwischen hat er sich dort ein Haus gebaut. "Bei solchen Rahmenbedingungen ist es einfach, bei einem Lockout einen NHL-Spieler zu holen", sagt Peter John Lee, Manager des EHC Eisbären. Leider gibt es keinen Profi in der NHL mit einem solchen Berlin-Hintergrund. Aus reiner Herzensnähe wird sich also kein NHL-Profi bei den Eisbären blicken lassen. Zumindest kein so guter. Mit Mark Olver (24) spielt der Bruder von EHC-Angreifer Darin Olver bei Colorado Avalanche, NHL-Partien hat er aber erst 42 absolviert.

Der Krefelder Rückkehrer, der vergangenes Jahr einen Zehn-Jahres-Vertrag über 40 Millionen Dollar unterschrieben hat, kommt auf 639 NHL Spiele. Was noch wenig ist im Vergleich zu anderen Europa-Ausflüglern. Joe Thornton (1191 Spiele) zieht es nach Davos in die Schweiz, dort kommt die Familie seiner Frau her. Das tschechische Idol Jaromir Jagr (1526) schließt sich dem HC Kladno an, es ist nicht nur sein Heimatverein, der Klub gehört ihm inzwischen auch. Die Liste der Profis, die nach Europa kommen, wird stündlich länger. Fast alle Schweizer haben sich inzwischen Klubs in der Heimat angeschlossen, viele Russen wie die Starspieler Jewgeni Malkin (Magnitogorsk) und Ilja Kowaltschuk (St. Petersburg) überbrücken die Zeit des Lockouts bei russischen Vereinen. Ebenso viele Tschechen zieht es heim.

Gehaltsverzicht gehört dazu

Viele dieser Akteure kommen den Klubs entgegen, zumindest in nicht ganz so gut betuchten Ligen wie in Deutschland oder Tschechien. Sie verzichten auf Gehälter. Trotzdem müssen die Pinguine monatlich gut 20.000 Euro aufbringen, um die Versicherung für Ehrhoff zu decken. Über Sponsoren und Fanaktionen soll das gestemmt werden. "Wir haben immer gehofft, dass er irgendwann zurück nach Krefeld kommt. Er hätte in Russland, Schweden oder Finnland spielen können. Dass er sich für uns entschied, macht uns stolz", sagt Wolfgang Schulz, der Aufsichtsratsvorsitzende der Pinguine.

Wie lange Ehrhoff bleibt, ist nicht absehbar. Beim letzten Lockout fiel die gesamte Saison 2004/05 aus, so weit soll es diesmal nicht kommen. Aber: "Ich glaube nicht an kurzfristige Einigung", sagt Ehrhoff, der nicht der einzige Lockout-Spieler bleiben wird. Mannheim ist an Jochen Hecht, Marcel Goc und Dennis Seidenberg dran. Sie werden es bis Freitag aber wohl nicht schaffen. Ehrhoff gibt dann nach über neun Jahren ein DEL-Gastspiel. "Normalerweise gibt es für einen Spieler mit meiner Erfahrung wenig, was ihn nervös macht - aber am Freitag werde ich nervös sein", sagt er.