Boxen

Klitschko fordert Huck zum Kampf

Manager Bönte: "Wir sind sofort bereit für das Duell Wladimir gegen Marco"

- Wladimir Klitschko (36) bemühte sich redlich, stets lächelnd und geduldig, der ausgewählten Zuhörerschar bei einem PR-Termin eines seiner Sponsoren die Geheimnisse des (Box)Trainings zu vermitteln. Derweil machte Manager Bernd Bönte Nägel mit Köpfen. "Wir bieten Marco Huck einen Kampf gegen Wladimir an. Marco ist einer, der in die Landschaft passt. Er macht Betrieb, er verkauft sich klasse. Das wollen die Leute sehen. Der Kampf bringt zehn Millionen Fans vor den Fernseher", argumentierte der Hamburger, der dabei selbstredend TV-Partner RTL im Sinn hatte, fast schon ein bisschen euphorisch.

Der jüngere der Klitschko-Brüder - er verteidigt am 10. November in Hamburg seine diversen Titel gegen den Polen Mariusz Wach (32) - will zunächst "den kommenden Kampf abwarten", sieht in dem Berliner Huck aber keineswegs ein Opfer, weil dieser eigentlich kein Schwergewichtler ist. "Mein Bruder und ich haben schon über Marco gesprochen, als er gegen Alexander Povetkin geboxt hat. Nie im Leben würde ich ihn unterschätzen. Sicher, er ist kleiner und leichter, aber er ist schnell, und er hat einen Plan, den er umsetzt, wenn er kämpft."

Zeit und Ort ist egal

Marco Huck, Weltmeister im Cruisergewicht nach Version der World Boxing Organization (WBO), muss eine Woche vor Klitschko seinen WM-Gürtel gegen den bereits 41 Jahre alten Ex-Champion Firat Arslan (Süssen) verteidigen. Gelingt das Unterfangen in Halle/Westfalen, wäre dem 27-jährigen Berliner alles recht, was zu der größten Chance seines Lebens führen kann. "Egal, was es für einen Termin oder Ort gibt, ich werde da sein. Ich möchte unbedingt gegen Wladimir antreten. Mein Traum ist das Schwergewicht. Ich freue mich, dass mich die Klitschkos ernst nehmen. Sie sind die Superstars, und es wird Zeit, im Schwergewicht ein bisschen was aufzumischen", freute sich Huck über das Angebot.

Wladimir Klitschko, der sich ab dem 1. Oktober wieder - "Ich glaube schon seit zehn Jahren" - ins Stammtrainingslager nach Going/Tirol zurückziehen will, würde dann zwei extrem unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen haben. Mariusz Wach ist 2,02 Meter groß, Huck ist 1,86. "Mariusz ist der erste Boxer, der größer ist als ich. Ich habe mir einige Videos von ihm angesehen, wo er beim Krafttraining zu sehen ist. Das hat mich schon beeindruckt", so Klitschko. Aber er fügt mit einem Lächeln hinzu: "Für mich ist Boxen wie Schach. Deswegen versuche ich immer, einen K.o.-Erfolg zu schaffen. Denn wie beim Schach gilt, je länger es dauert, je mehr Figuren verliert man. Im Boxen bedeutet das: Man kann öfter getroffen werden. Gegen Wach und alle anderen Gegner geht es immer zuerst um Technik, Taktik und Strategie. Nach einem Punkturteil, weil es oft knapp ist, gibt es auch immer sehr lange Diskussionen." Die Devise ist gut, denn von seinen 58 Siegen als Boxprofi sicherte sich der Superchampion 51 vorzeitig. Dabei überlässt er bei seinen Vorbereitungen nichts dem Zufall.

Zum Training von Klitschko gehört immer ein intensives Video-Studium: "Immer, wenn ich im Trainingscamp in den Ring steige, laufen auf den Bildschirmen rund um den Ring Kämpfe meiner Gegner. So kann ich ständig schauen: Wo sind ihre Fehler? Wie kann ich sie schlagen?"

Fragezeichen hinter Vitali

Während sich die eigene sportliche Zukunft vergleichsweise klar abzeichnet, steht hinter weiteren Boxkämpfen seines Bruders Vitali (41) ein Fragezeichen. "Vitali befindet sich mitten in einem Kampf. Dem Wahlkampf. Er ist der Vorsitzender der UDAR, und er möchte Erfolg haben bei der Wahl am 28. Oktober in der Ukraine. Danach wird er entscheiden", so Wladimir. Das würde auch den von Manuel Charr (27) geforderten Rückkampf betreffen. Der Kölner war am 8. September in Moskau durch eine Augenverletzung in Runde vier aus dem Ring genommen worden und so einem sicheren K.o. entgangen. Dennoch hatte er gegen die Wertung protestiert. "Ein Rückkampf spielt überhaupt keine Rolle in unseren Planungen. Wenn Charr will, kann er zu mir ins Trainingslager kommen und seine Kräfte ausprobieren", bot Wladimir Klitschko an. Und er erklärte die Sicht der Brüder: "Man kann Vitalis Kampf gegen Lennox Lewis 2003 nicht mit dem Charr-Kampf vergleichen. Damals hatte Vitali eine Augenverletzung und wurde, ich glaube es war richtig, aus dem Ring genommen. Aber Vitali lag in Führung, bei ihm war die Situation ganz anders als bei Manuel Charr, der jede Runde verloren hat. Deswegen wird der Protest von ihm und seinen Leuten auch nichts einbringen."