Basketball

Emotionen und Kampfkraft: Das neue Alba-Team hat viel Herz

Der Stil von Trainer Obradovic ist schon deutlich erkennbar

- Die Szene sagte viel über die Intensität des Spiels: Zach Morley von Alba Berlin wurde unter dem Korb von Bayern München angespielt, sein Gegenspieler Jared Homan stürzte sich auf ihn, der Berliner Basketballprofi duckte sich - und Homan flog in weitem Bogen über dessen Rücken, landete krachend auf dem Boden. Im Vorbereitungsspiel zwischen Alba und den Bayern ging es teilweise zu wie in einem Play-off-Match. Kein Team gab auch nur einen Zentimeter Boden preis. Schließlich gilt München als Titelfavorit, und Alba will natürlich auch ein ernstes Wort um die Meisterschaft mitreden.

Wenn der 65:57 (33:30)-Erfolg der Berliner nur das Vorprogramm war, kann es in der am 3. Oktober beginnenden Bundesligasaison ja heiter werden. Die 8316 Zuschauer am Samstagabend in der O2 World waren auf alle Fälle begeistert von der Kampfkraft und den Emotionen, die die beiden Mannschaften zeigten.

"Das war wirklich kein normales Trainingsspiel", sagte Marko Pesic. Der ehemalige Alba-Profi arbeitet jetzt als Sportdirektor bei Bayern München. "Beide haben eine richtig gallige Defense gespielt." Allerdings merkte man den Mannschaften an, dass sie mitten in der Vorbereitung stecken. Es fehlten nicht selten Abstimmung und Präzision. "In zwei Wochen werden wir zwei Schritte weiter sein", versprach Alba-Center Yassin Idbihi.

Erst in den vergangenen Tagen sind bei München drei (Robin Benzing, Jan Jagla, Yotam Halperin) und bei Alba zwei Spieler (Heiko Schaffartzik, Nihad Djedovic) von der EM-Qualifikation zurückgekehrt, die nun noch integriert werden müssen.

Auf Berliner Seite machte dabei der Bosnier Djedovic bereits einen starken Eindruck. "Dafür, dass er erst ein paar Mal mittrainiert hat, war das schon sehr gut", lobte Albas Cheftrainer Sasa Obradovic. Er sei insgesamt "zufrieden, wobei wir noch sehr viel Arbeit vor uns haben". Obradovic gewann als Spieler mit Alba einst den Korac-Cup (1995), wurde Deutscher Meister und Pokalsieger (1997). Marko Pesic brachte es auf den Punkt: Obradovic lasse sein Team so spielen, "wie er selbst als Spieler war: verbissen im positiven Sinne, ganz aggressiv in der Verteidigung". Gerade mit der Einsatzbereitschaft war der Coach zufrieden. "Gute Jungs" seien im Team, "sie fighten - so kann man Spiele gewinnen".

Spieler sind sehr vielseitig

Obradovic hat bei der Zusammenstellung des Alba-Teams 2012/2013 darauf geachtet, dass die Spieler zum einen schnell und zum anderen variabel einsetzbar sind. Auffällig war auch, dass er sehr viel wechselte, mal eine kleinere, dann wieder eine größere Formation aufs Feld schickte. Was die Mannschaft schwer ausrechenbar macht und ihr in der Defensive die Möglichkeit gibt, permanent Druck auf den Gegner auszuüben.

Die neuen Spieler machten einen guten Eindruck. Allen voran Center Deon Thompson, mit 16 Punkten Topscorer. "Er ist einer, der oft gar nicht so auffällt, der aber am Ende sehr gute Statistiken hat." Was auch auf Morley (10 Punkte) und Nathan Peavy (sieben Rebounds) zutrifft. Aber auch Albert Miralles zeigte, was man von ihm erwarten darf: Acht Rebounds sicherte er sich, der spanische Center ist ein echter "Kanten", einer, der bei seinen Gegenspielern mit Sicherheit viele blaue Flecken hinterlassen wird.

Auf der Aufbauposition wechselten sich DaShaun Wood (12 Punkte, fünf Steals) und der aus Donezk gekommene Vule Avdalovic (neun Assists) teilweise ab, sie standen aber auch gemeinsam auf dem Feld. Beide kamen auf jeweils etwa 30 Minuten Einsatzzeit. Hier wird es sicher noch Verschiebungen geben, denn künftig ist auch wieder Schaffartzik dabei, der gegen die Bayern noch pausierte. Obradovic darf man wörtlich nehmen: "Es wird noch ein harter Trainingsprozess."