1. FC Union

Neuhaus steht vor seiner größten Herausforderung

Einige Fans sehen Zeit des Union-Trainers bereits enden. Nun fällt auch noch Gallegos mit Mittelfußbruch wochenlang aus

- Die Gesichtszüge entgleiten Uwe Neuhaus, dem Trainer des 1. FC Union, nicht oft. Wenn sein Assistent Andre Hofschneider den Chilenen Felipe Gallegos Huckepack vom Waldlauf in die Kabinen zurückträgt vielleicht, weil sich der Mittelfeldspieler mit einem Mittelfußbruch herumplagen muss und nun mehrere Wochen ausfällt. "Uns bleibt derzeit nichts erspart", sagt Neuhaus. Die aktuelle sportliche Situation - der Berliner Fußball-Zweitligist steht mit einem Punkt aus fünf Spielen im Tabellenkeller - nimmt der Übungsleiter hingegen recht entspannt. Wohl wissend, dass der Fokus noch mehr auf ihn und seine Arbeit rücken wird, erst recht, sollte am kommenden Freitag gegen den 1. FC Köln erneut nicht gewonnen werden.

Seit 2007 zeichnet Neuhaus für die sportlichen Belange der Köpenicker Kicker verantwortlich. Nie stand er vor einer größeren Herausforderung, nämlich seine Mannschaft nicht nur zurück in die sicheren Gefilde des Bundesliga-Unterhauses zu führen, sondern ins obere Liga-Drittel. Dorthin, wo sich Union seit Saisonbeginn sehen will. Sicher, es ist nicht das erste Mal, dass sich Neuhaus und sein Team mit dem Kampf gegen den Abstieg beschäftigen müssen. Schon im zweiten Jahr nach dem Aufstieg, in der Saison 2010/11, war Union ähnlich tief gefallen. Auch damals stürzte man bis auf den 17. Platz ab. Am Ende der Spielzeit stand dennoch der Verbleib in der Liga. Der Unterschied zu heute: Seinerzeit war nichts anderes als der Klassenerhalt vom Klub ausgerufen worden. Nun sollte Platz fünf bis sieben her - eben das macht die Aufgabe besonders schwer.

"Wenn wir in Ingolstadt einen Punkt geholt hätten, wäre es ein Anfang gewesen", sagte Neuhaus. Die Probleme auf dem Platz sieht er im dürftigen "Zusammenwirken der gesamten Mannschaft" begründet. Niemand trägt allein die Schuld beim 1. FC Union der Ära Neuhaus. Alle gewinnen zusammen, alle verlieren zusammen. Doch es ist der Trainer, der die Verantwortung dafür trägt.

Und so schwanken die Meinungen zum Thema Trainer derweil zwischen Durchhalteparolen und Defätismus. Nutzer "Stadionkurier" schreibt im Union-Forum etwa: "Aus meiner Sicht hat Neuhaus abgewirtschaftet." Und: "Da steht kein Team auf dem Platz. Und für die Teambildung ist nun mal der Trainer verantwortlich." Ähnlich sieht es "WorAkku": "Keiner hat mehr zu Union gepasst wie er. Menschlich und sportlich. Aber alles hat mal ein Ende, wenn keine neuen Impulse kommen." Dem widerspricht "ratze": "Nicht U.N. (Uwe Neuhaus, d. Red.) sollte in der Kritik stehen, diese seelenlose Mannschaft sollte mal einen Tritt in den Allerwertesten bekommen." Elogen, wie es sie noch zu Zeiten des Aufstiegs gegeben hat, findet man inzwischen kaum noch. Selbst die Last-Minute-Niederlage in Ingolstadt hat einige froh gemacht. Motto: Sonst wäre vieles wieder überdeckt worden.

Spieler sind völlig verunsichert

Dass Neuhaus dies anders sieht, ist klar. "Mir wäre der Punkt lieber gewesen", sagte er. Und begründete dies wie folgt: "Mit einem 1:1 und einer ordentlichen ersten Halbzeit wäre - bei absolut gleichem Spielverlauf - die Berichterstattung eine völlig andere." Damit auch die Außenwirkung. Sein Team hätte sich nicht kurz vor Schluss noch die Butter vom Brot nehmen lassen, sondern wäre gut gesättigt nach Hause gefahren. Nach einem Spiel, in dem ein Rückstand wettgemacht wurde. Aufbruchstimmung statt Ernüchterung.

Und nun? Was kann der Trainer tun, um seine Mannschaft auf den Erfolgsweg zurückzuführen - und damit auch selbst wieder einige Pluspunkte beim immer noch treuen Anhang zu sammeln? Wie kann er verhindern, dass das Zittern auf dem Platz mit zunehmender Spieldauer nicht doch wieder zum entscheidenden Gegentreffer führt? "Wir sind vom Trainerteam her so gut aufgestellt, dass wir uns Gedanken über die Dinge machen, die notwendig sind", sagte Neuhaus. Zum Beispiel, wie die völlig verunsicherten Spieler endlich wieder zu mehr Selbstvertrauen kommen.

"Dass man im Kopf klar bleibt und sich nicht verunsichern lässt, kann man nur im Training durch viele Wiederholungen erreichen", sagte Neuhaus: "Das ist auch der Weg, den ich mit der Mannschaft gehen werde." Und dass Union in keinem Spiel hoffnungslos unterlegen gewesen ist, "ist auch ein Zeichen dafür, dass die Mannschaft gut trainiert, gut gearbeitet hat", fügte der 52-Jährige hinzu. Nur: "Natürlich müssen wir auch irgendwann punkten, wir können ja nicht nach jedem Spiel das Gleiche erzählen." Zumal sich die Aufmerksamkeit auf ihn dann um ein Vielfaches erhöhen würde.