Eishockey

1:6 in Mannheim: Fehlstart der Eisbären ist perfekt

NHL-Lockout könnte Stars in die Eishockey-Liga bringen

- Oft ist es noch nicht vorgekommen, und es ist auch schon sehr lange nicht mehr passiert. Zuletzt musste der EHC Eisbären das erste Wochenende in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) 1999 ohne Punkte beenden. Zuvor war den Berlinern dies 1994 zur Premiere der Liga unterlaufen. Und nun wieder, zum dritten Mal, dieses Mal jedoch als Titelverteidiger. Nach der ersten Niederlage am Freitag gegen Straubing (1:3) mussten die Berliner am Sonntag beim Finalgegner Mannheim antreten und unterlagen dem Vizemeister 1:6 (0:2, 0:2, 1:2).

So gesehen ist den beiden Mannschaften, die die Berliner im vergangenen Play-off ausschalteten, Straubing im Halbfinale, also eine Revanche gelungen. Deren Wert bemisst sich jedoch weit niedriger als die Siege der Berliner im Titelkampf, die Niederlagen schmerzen also weniger im Vergleich, zumal so früh in der Saison. Schön sind sie trotzdem nicht.

Dauer der Aussperrung ungewiss

In den Adlern und den Eisbären standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die sich nicht gravierend verändert haben im Vergleich zum Finalduell, vier Neue haben die Berliner, drei die Adler. Daran könnte sich aber noch einiges ändern, da nun feststeht, dass die nordamerikanische Profiliga NHL vorerst nicht in die Saison startet. Im Streit um die Aufteilung der Einnahmen konnte keine Regelung zwischen den Klubbesitzern und der Spielergewerkschaft erzielt und somit kein neuer Vertrag abgeschlossen werden. Nun sperren die Klubs ihre Spieler aus - und viele von ihnen wollen Interims-Engagements in Europa annehmen.

Vor allem deutsche NHL-Spieler könnte es in die DEL ziehen. Der Beste von allen, Verteidiger Christian Ehrhoff, wird schon am Montag in Krefeld erwartet, um dort die Pinguine zu unterstützen, seinen Heimatverein. Stürmer Jochen Hecht ist gebürtiger Mannheimer, Marcel Goc trainiert dort während des Sommers, Stanley-Cup-Gewinner Dennis Seidenberg spielte schon dort. "Wenn es sich irgendwie machen lässt, würden wir gern alle drei verpflichten", sagt Adler-Gesellschafter Daniel Hopp. Das Gesicht der Mannschaft könnte sich also noch deutlich verändern. Für wie lange, steht allerdings nicht fest, daher dürften sich die Berliner zurückhalten mit eifrigen NHL-Verpflichtungen.

Ein Manko ließe sich auf diese Weise allerdings schon angehen. Ein schussstarker Verteidiger, der vor allem im Überzahlspiel eine wichtige Rolle spielt, fehlt den Eisbären noch. Auch in Mannheim hatte der Titelverteidiger wieder viele Powerplays, doch Schüsse kamen zu wenige. Selbst eine fünfminütige Überzahl nach einer Spieldauerstrafe gegen Mike Glumac, der Mads Christensen gegen den Kopf gecheckt hatte (22.), brachte keine Gefahr.

Gegen Mannheim, das zum Vergleich vier Überzahltore erzielte, war dies aber nicht das einzige Problem, die Adler spielten sehr gut, hielten ihre Taktik ein, waren gut in den Zweikämpfen, aggressiv. Sie arbeiteten gut vor dem eigenen Tor, ließen nie große Lücken zwischen Angriff und Abwehr entstehen, waren also sehr kompakt, was das Durchkommen für die Eisbären schwer machte. Bezeichnend ist, dass der einzige Treffer des EHC durch ein Missgeschick des Mannheimers Doug Janik erzielte wurde, der einen Pass von Barry Tallackson ins Tor lenkte (41.).

Die Leistung erkannte Frank Hördler an. "Mannheim war sehr gut, wir müssen daraus lernen", sagte der Verteidiger, der mit Stürmer André Rankel und Torhüter Rob Zepp am Dienstag mit dem Nationalteam in Österreich spielt. Man müsse das nun aufholen, so Hördler. Was die mitgereisten EHC-Fans nicht störte, sie orientierten sich an wirklich wichtigen Dingen und hielten ein Plakat hoch mit dem Datum: 22.04.2012. An diesem Tag drehten die Berliner in Mannheim Spiel vier im Finale und wurden später Meister.