Motorsport

Cortese besteht die Meisterprüfung

Motorrad-WM: Schwabe nach Sieg in Misano auf dem Weg zum Titel

Dank des vielleicht besten Motorradrennens seiner Karriere hat Sandro Cortese in der Weltmeisterschaft 2012 eine vielleicht schon vorentscheidende Weiche gestellt. Der KTM-Pilot aus dem schwäbischen Berkheim war beim Großen Preis von San Marino in der Klasse Moto3 das Maß der Dinge und sicherte sich, von der Poleposition aus gestartet, den dritten Saisonsieg.

Da Corteses Hauptkonkurrent Maverick Vinales (Honda) in der Schlussrunde von Rang zwei auf Platz fünf zurückfiel, konnte er den Vorsprung in der Gesamtwertung bei fünf noch ausstehenden Rennen auf 46 Punkte gegenüber dem Spanier ausbauen. Faire Geste: Vinales war einer der ersten Gratulanten.

In der Box des Cortese-Arbeitgebers Aki Ajo herrschte jedenfalls Freude pur. Jeder fiel jedem um den Hals, der eilig herangeschaffte Champagner wurde, vermutlich wegen der nicht ausreichenden Anzahl von Trinkgefäßen, brüderlich geteilt. Mittendrin Corteses Eltern, seine Schwester und - erstmals nach bestandener Krankenschwestern-Prüfung - Freundin Anna. Und der 22-jährige WM-Favorit genehmigte sich einen Superlativ: "Ich habe in den letzten zwei Runden einfach 200 Prozent gegeben und versucht, vorne weg zu kommen. Es war sicher eines der besten und schwierigsten Weltmeisterschaftsrennen, die ich bisher gefahren bin." Was bei einer Gesamtzahl von 128 WM-Starts durchaus Rückschlüsse über den Verlauf der 23 Sonntagsrunden auf dem 4,226 Kilometer langen Adria-Kurs bei Rimini zulässt.

"Ich wusste, Vinales kommt von hinten und wir haben eine große Chance, den Vorsprung auszubauen, die wollte ich unbedingt nutzen", sagte Cortese, der den Spanier Luis Salom (KTM) und Lokalmatador Romano Fenati (Ioda) auf die Plätze zwei und drei verwiesen hatte. Vinales hatte nach einem allenfalls mittelprächtigen Training das Rennen von Startplatz elf in Angriff genommen.

Jubiläums-Frust bei Bradl

Sichtbar enttäuscht war dagegen Stefan Bradl. Der Zahlinger hatte in der Königsklasse MotoGP seinen ersten Podestplatz lange Zeit fest im Blick, musste in den letzten acht Runden aber die Konkurrenz ziehen lassen und wurde in seinem 100. Grand Prix Sechster. Denn nach zwei Drittel des Rennens stellten sich an seiner Honda Reifenprobleme ein. "Ich hatte das Gefühl, jede Unebenheit im Asphalt direkt zu spüren. Ich bin schon enttäuscht, denn so eine große Chance auf den ersten Podestplatz bekommt man nicht alle Tage. Am Schluss war es ein Desaster, das ist sehr enttäuschend. Ich hätte heulen können", sagte Bradl, den der Beifall der vielen Sponsoren bei seiner Rückkehr in die Box nicht richtig aufgemuntert hatte.

Statt des Team-Pokals für seinen 100. Grand Prix hätte er lieber eine offizielle Trophäe in Empfang genommen.

Die bekam Jorge Lorenzo. Der Spanier sicherte sich auf seiner Yamaha den Sieg, der ihm auf dem Weg zum zweiten Weltmeistertitel in der Königsklasse weiterhilft.

Für überschwänglichen Jubel unter den etwa 50.000 Zuschauern sorgte Valentino Rossi. Der neunmalige Weltmeister aus Italien landete auf seiner Ducati auf Rang zwei. In seiner Geburtsstadt Tavullia, zwanzig Kilometer von Misano entfernt, sorgten die Tiffosi für eine riesige Party.

Rossi, der absolute Star der Szene, wechselt 2013 wieder ins Yamaha-Team. Der 33-Jährige scheidet im Groll von Ducati. Auch die Übernahme des italienischen Traditionsteams durch Audi konnte den "Dottore" nicht mehr umstimmen.